Straenumbenennung

Zum Escheder NPD-Hof weiter ber "Finkenberg"

Der Ortsrat Eschede hat sich deutlich gegen den Antrag von Grne/FDP ausgesprochen. Der Weg zum NPD-Hof heit weiter "Zum Finkenberg".

  • Von Carsten Richter
  • 28. Aug 2020 | 20:04 Uhr
  • 10. Jun 2022
  • Von Carsten Richter
  • 28. Aug 2020 | 20:04 Uhr
  • 10. Jun 2022
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Eschede.

Es bleibt, wie es ist: Der Verbindungsweg von der Landesstrae 281 zum Hof der NPD am Ortsrand von Eschede heit weiter Zum Finkenberg. Das hat der Escheder Ortsrat am Donnerstagabend mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Damit lehnten die Politiker einen Antrag der Gruppe Grne/FDP im Gemeinderat ab. Mit seinem Votum folgte das Gremium dem Vorschlag der Verwaltung, die ihre Empfehlung vor allem mit dem Namen Finkenberg begrndet hatte.

Escheder Verwaltung hat sich durchgesetzt

Der Straenname hat keinerlei spezifischen Bezug zur NS-Zeit. Auerdem entfaltet der Name keinerlei Symbolwirkung fr ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Rassismus oder Kriegsverbrechen, sodass durch ihn der ffentliche Friede oder die Wrde der Opfer gestrt oder gefhrdet wrde, lautet die Auffassung im Rathaus. Auch gebe es in der Gemeinde keinen hnlich lautenden Straennamen, der eine Umbenennung rechtfertigen wrde.

So stehen die Politiker zum "Anne-Frank-Weg"

Von der politischen Mehrheit wird die Meinung der Verwaltung geteilt. Einen Feldweg umzubenennen, um die NPD zu rgern, dem kann ich nicht zustimmen, sagte Heinrich Lange (parteilos). Rolf Linnewedel (CDU) schloss sich an: Straen werden umbenannt, um jemanden zu ehren, nicht um jemanden zu rgern. Das bringt uns gar nichts. Die NPD lacht sich darber schlapp, so der Christdemokrat. Parteikollege Christian Hartwig sprach von einem falschen Signal, den Weg zum NPD-Gelnde nach dem im KZ Bergen-Belsen gestorbenen Mdchen zu benennen. Es besteht das Risiko, dass uns hinterher der lange Finger gezeigt wird, gab Frank Ziesmann (SPD) zu bedenken.

Deshalb wollen die Grnen die Umbenennung

Naturgem stimmte Grnen-Vertreterin Marlies Petersen als einziges Ortsratsmitglied dem Vorschlag der Verwaltung nicht zu. Die Heide hat einen braunen Touch, deshalb ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, so Petersen. Die Umbenennung des Straennamens sei die einzige Mglichkeit, etwas gegen den NPD-Hof zu tun, meldete sich ihr Parteifreund Uwe Diederichs aus dem Publikum zu Wort. Ob der Weg nach Anne Frank oder den Geschwistern Scholl (Vorschlag des Netzwerks Sdheide gegen Rechtsextremismus) benannt werde, sei letztlich abzuwgen.

Doch noch Chance fr "Anne Frank"?

Nun also bleibt fr den Weg zum NPD-Gelnde der Name Zum Finkenberg bestehen. Der Vorschlag der Grne/FDP-Gruppe knnte aber wieder aufgegriffen werden. Fr Anne Frank wre vielleicht im neuen Baugebiet Auf dem Hesterkamp Platz, sagte Brgermeister Gnter Berg. Der Ortsrat muss sich ohnehin mit den Straennamen befassen.

Grundstzlich ist der Ansatz der Ratsgruppe Grne/FDP richtig. Die Politiker beschftigen sich mit der braunen Vergangenheit in der Heide. Was aber bringt ein anderer Straenname? Die NPD als einziger Anlieger wrde vermutlich klagen und gewinnen, wenn die Gemeinde keine berzeugenden Argumente liefert Rat und Verwaltung wrden sich ein Eigentor schieen.

Das wre dem Bndnis Grne/FDP auch passiert, wenn nicht die Ratsmehrheit der Diskussion ein Ende gesetzt htte. Hauptsache der Weg wird umbenannt, egal wie, lautete in der Sitzung schlielich der Tenor der Antragsteller. Das stellt nicht nur ihre Glaubwrdigkeit infrage.

Fakt ist vor allem: Ein neuer Straenname ist kein Wundermittel. Eschede muss weiter Flagge gegen braunes Gedankengut zeigen. Zugleich ist Bildung der Schlssel zur Aufklrung. Eine Fahrradroute nach Bergen-Belsen, angereichert mit Gedenktafeln, Daten und Fakten zur Geschichte, ist dagegen ein sinnvoller Vorschlag, der weiterverfolgt werden sollte. Alles andere ist bloe Symbolpolitik.