Neonazi-Aufmarsch

Das sagen die Escheder zu NPD und Antifa

Acht Neonazis, rund 200 Gegendemonstranten und Polizei treffen am Samstag aufeinander und legen Eschede lahm. Das sagen die Anwohner dazu.

  • Von Benjamin Behrens
  • 24. Juni 2020 | 16:18 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 24. Juni 2020 | 16:18 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Eschede.

Whrend am Wohnmobilstellplatz an der Uelzener Strae sich die Neonazis zum Abmarsch vorbereiten und die Polizei ihre Krfte positioniert hat, geht im Ort das Leben abseits des Ausnahmezustands weiter. Andreas Schulze war im Supermarkt, jetzt mssen die Einkufe nachhause. NPD-Demo? War die nicht schon vergangenen Wochenende? "Ich bin weder bei den einen, noch bei den anderen", sagt der Escheder. "Damit widmet man denen viel zu viel Aufmerksamkeit. Was bringt da? Die machen eh ihr Ding", ist sich Schulze sicher.

An der Kreuzung Uelzener Strae-Bahnhofstrae wird sich spter eine groe Gruppe grtenteils vermummte Gegendemonstranten versammeln. Die Polizei wird sie einkesseln. Es wird ein paar Rangeleien geben, wenn die Antifaschisten versuchen die Polizeikette zu durchbrechen. Noch ist Ruhe.

"Ich sage es sind nette Menschen"

Rainer Meyer und Christine Taseler haben es sich auf einer Bank bequem gemacht. Wollen sie noch zur Gegendemo? "Ich nehme da nicht dran teil. Ich kenne die Familie Nahtz, das sind ganz liebe alte Menschen", sagt Taseler. Nachdem Joachim Nahtz seine Hof an die NPD verkaufte, steht das Ehepaar in der Kritik. "Das ist furchtbar. Ich wurde so erzogen, dass ich Respekt habe vorm Alter", meint Taseler. "Endlich die Wahrheit gesprochen", pflichtet ihr Rainer Meyer bei. "Ich sage es sind nette Menschen, die tun doch keinem was. Ich kann das nicht verstehen, wenn die Leute drohen 'Ich bring dich um'. Ich verstehe mich mit denen auf dem Hof sehr gut", sagt der Escheder. Es ist kurz vor elf Uhr. In einer guten Dreiviertelstunde werden acht NPD-Anhnger losmarschieren. Taseler muss auch los: "Bei mir gibt es heute Putenbraten."

Eckhard Breetzke hat es sich auf der Terrasse eine Eiscafs gemtlich gemacht. "Diesmal werde ich nicht demonstrieren. Ich habe letzte Woche gesehen, was da los war, die paar Nazis." Es sei schade, dass die Gemeinde Eschede den Hof Nahtz nicht gekauft habe. "Dann wren die hier ausgehungert und wssten gar nicht wohin in Eschede", sagt Breetzke mit Blick auf die NPD-Anhnger.

Alles Kinderkram

Ein Stck weiter zieht die Polizei ihre Krfte zusammen, whrend sich an der Kreuzung Uelzener Strae-Bahnhofstrae immer mehr Gegendemonstranten versammeln. Die Beamten der Bereitschaftspolizei werden die Neonazis und die grtenteils vermummten Gegendemonstranten trennen und unter Kontrolle halten. "Das ist Kinderkram", sagt eine ltere Dame. "Es kann nicht sein, dass man so viel Staatsgelder verpulvert fr die paar verwirrten Geister", pflichtet ihr Mann ihr bei.

Auch Heinrich Stamme hat kein Verstndnis fr den Tumult, den die Antifa-Aktivisten in seiner Nachbarschaft verursachen, whrend sie einen Durchbruch durch die Polizeisperre auf die Bahnhofstrae versuchen. "Die Linken und die Rechten sind doch nur hier, um Krawall zu machen", rgert sich der Escheder und sagt: "Wir mgen weder links noch rechts. Eschede ist bunt."

Hans-Dietrich Brinkmann setzt mit seiner Kritik am Polizeiaufgebot an anderer Stelle an: "Die machen der NPD den Weg frei. Wenn sie das vermeintliche Recht der NPD hher einschtzen, dann ist das fatal. Das ist ein Skandal von einem SPD-gefhrten Innenministerium."

Nazi sollen sich nicht willkommen fhlen

Der Scharnhorster Rudi Peters wollte sich den Gegendemonstranten am Bahnhof anschlieen, kam aber nicht mehr durch die Absperrung der Polizei. "Ich habe gehrt, dass es nur sechs Mann sind am Stellplatz. Das mag Taktik sein oder es ist wirklich nur ein versprengter Haufen." So oder so drften sich Nazis nicht willkommen fhlen in Eschede. "Keine Toleranz fr Intoleranz", bekrftigt Peters.

Kerstin Badtke findet deutliche Worte: "Wir finden das gut und sind gegen braune Scheie. Eschede ist bunt." Gemeinsam mit Iris Schacht war die Eschederin beim Protestzug vom Bahnhof dabei, jetzt geht es zur Abschlusskundgebung der NPD vor der Volksbank. "Es wre am besten, wenn die NPD den Hof gar nicht htte kaufen knnen", sagt Schacht.