Kritik nach NPD-Aufmarsch

Rabiate Antifa verrgert Nazi-Gegner aus Eschede

Das aggressive Vorgehen der Antifa beim Protest gegen den NPD-Aufmarsch in Eschede trbt die Freude ber den Sieg ber die Rechtsextremen. Dorfbewohner kritisieren die Rangeleien mit der Polizei.

  • Von Christian Link
  • 23. Juni 2020 | 10:23 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Christian Link
  • 23. Juni 2020 | 10:23 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Eschede.

Der erste NPD-Aufzug durch Eschede ist am Samstag von hunderten Gegendemonstranten gestoppt worden. Doch bei vielen Brgern der Gemeinde trbt das rabiate Vorgehen einiger Antifa-Gruppen , die von auerhalb angereist waren, den Erfolg ber die Neonazis. "Wir distanzieren uns von Angriffen auf die Polizei mehr als deutlich. Das geht gar nicht", sagt Marlon Gollnisch vom Bndnis gegen Rechtsextremismus (BgR) aus Eschede und bedauert: "Das ist ein Rckschlag fr unser Anliegen, mglichst viele aus der Dorfbevlkerung fr den Protest zu aktivieren."

Acht Rechtsextreme vom Hof Nahtz waren erstmals ffentlich unter schwerem Polizeischutz durch den Ort marschiert. Immer wieder hatten schwarz gekleidete und vermummte Gegendemonstranten versucht, die Absperrungen zu durchbrechen. Dabei kam es zu Rangeleien mit der Polizei, insbesondere an der Bahnhofstrae und auf der Kreuzung Uelzener Strae/Albert-Knig-Strae.

Hamburger bertreiben es in Eschede

"Die Strer kamen vor allem aus Hamburg, Hannover, Lneburg und Winsen/Luhe", sagt Polizeisprecherin Anne Hasselmann auf CZ-Anfrage. Nach der Auswertung des umfangreichen Videomaterials werden die Beamten voraussichtlich mehrere Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs und anderer Delikte einleiten. BgR-Sprecher Gollnisch rgert sich vor allem ber die "Antifa Altona Ost", die schon bei der Ankunft am Escheder Bahnhof vllig bermotiviert gewirkt htte.

Eschedes Brgermeister Gnter Berg hatte bereits am Samstag seine Besorgnis ber die Zwischenflle mit der Antifa geuert. Die Gemeinde wird die Geschehnisse heute ausgiebig analysieren. "Ich bin fr breite Bndnisse, aber was wir nicht brauchen, sind solche Bilder, wie wir sie am Samstag auf der Strae gesehen haben", sagt auch der Escheder Joachim Gries. Nach vielen Gesprchen mit Brgern aus der Gemeinde ist er sich sicher: "Das ist nicht der Protest, den der Ort will."

Aus Sicht der Nazi-Gegner haben es die Escheder selbst in der Hand, weitere Auseinandersetzungen zwischen Antifa und Polizei im Ort zu verhindern. "Das Hauptproblem und die Ursache ist immer noch die NPD. Das muss in die Kpfe der Leute rein", sagt Gollnisch und ergnzt: "In ber zehn Jahren haben es die Escheder nicht hingekriegt, sich nach auen eindeutig gegen Rechtsextremismus zu positionieren. Deshalb glauben externe Gruppen, dass sie das fr uns erledigen mssen."

Antifa rechtfertigt sich: Ziel war NPD

Die Antifa will ihre Durchbruchsversuche nicht als Angriffe auf die Polizei verstanden wissen. Den Aktivisten sei es nur darum gegangen, den NPD-Marsch aufzuhalten. Wilfried Manneke vom Netzwerk gegen Rechtsextremismus Sdheide findet das glaubwrdig und nachvollziehbar. "Ich habe groes Verstndnis dafr, dass einem der Hut hoch geht, wenn man Nazis durchs Dorf marschieren sieht, die ihre menschenverachtende Ideologie verbreiten drfen. Das tut mir auch sehr weh", sagt er. Der Pastor tritt jedoch weiterhin fr einen gewaltlosen Protest ein, den er bisher auch von der Antifa gewohnt war. Rund 40 Mal habe er seit 2007 bereits wegen der Umtriebe auf Hof Nahtz in Eschede protestiert. "Bei unseren Demos sind bisher immer Leute von der Antifa dabei gewesen und es verlief immer friedlich."

Die Nazi-Gegner wollen sich trotz unterschiedlicher Auffassungen bezglich der Antifa-Aktionen nicht entzweien lassen. "Wir verwahren uns gegen den Versuch einer Spaltung", heit es in einer Stellungnahme des Celler Forums gegen Gewalt und Rechtsextremismus, das die Gegendemo am Samstag organisiert hatte. Und auch Manneke warnt davor, die Demonstranten in Gut und Bse aufzuteilen. Der erfahrene Kmpfer gegen Rechtsextremismus sagt: "Wir haben das Ziel, dass unsere Aktionen friedlich und gewaltlos verlaufen. Von den Nazis werden wir deshalb ausgelacht als Gutmenschen und Zahnlose. Die haben keinen Respekt uns gegenber. Aber bei der Antifa sieht das anders aus."