Eschede

Junge Wölfe sind neugierig und legen viel Mut an den Tag

Einer der Wölfe im Escheder Raum scheint ein Technik-Freak zu sein. Den Eindruck hat jedenfalls Wolfsberater Helge John in den vergangenen Wochen gewonnen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 31. Okt. 2014 | 16:31 Uhr
  • 19. Dez. 2022
Ein junger Wolf ist der Technik auf der Spur. Direkt vor der automatischen Kamera baut er sich auf, nur die Ohren werden fotografiert. Dann zieht er seines Weges.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 31. Okt. 2014 | 16:31 Uhr
  • 19. Dez. 2022
Anzeige
Eschede.

Wenn er die Fotofallen-Bilder einsammelt, fallen ihm Bissspuren am Gehäuse der Kamera auf. Und die Aufnahmeautomatik hat schon mehrfach festgehalten, dass sich da ein Isegrim sehr für die moderne Technik interessiert. Nur sind die Bilder eben nicht immer gelungen, manchmal sind halt nur die Ohren abgelichtet. Das richtige Posen muss der junge Wolf noch üben.

Sehr wahrscheinlich ist es der Wolfswelpe – bisher gibt es keinen sicheren Beweis, dass die Escheder Elterntiere mehrere Welpen aufziehen, denn Aufnahmen von der ganzen Familie gibt es noch nicht –, der die Kamera einer genauen Inspektion unterzieht. Jungtiere sind neugierig und testen aus, was ihnen unbekannt vorkommt.

Vor zwei Jahren, damals war John noch als Bundesförster auf dem Truppenübungsplatz Munster beschäftigt, nahm er eine Videosequenz mit einem Wolfswelpen auf, der gleich mit der ganzen Kamera verschwinden wollte. Er gab sich redlich Mühe, zerrte und zog an dem an einer Wurzel befestigten Apparat und zeigte Ausdauer. Die Witterung des Menschen, die von der Kamera ausgegangen sein dürfte, störte ihn dabei offensichtlich nicht.

Und auch der Biologe und Tierfilmer Sebastian Koerner hielt bei Dreharbeiten auf dem Truppenübungsplatz Munster fest, dass sich die Welpen ihm bis auf wenige Meter näherten. Sie schnupperten an seinem Puschel-Mikrofon, während er gut getarnt gleich daneben stand. Dann trollten sie sich des Weges, weil ihnen seine Witterung wohl doch verdächtig vorkam.

Bundesförster und Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk gelang kürzlich auf dem Truppenübungsplatz Bergen eine Videoaufnahme, die sehr gut das unterschiedliche Verhalten von Alt- und Jungtieren dokumentiert. An einer Kamera ziehen die Welpen vorbei, das folgende Muttertier erblickt die Kamera und macht einen raschen Satz nach rechts über eines der Jungtiere hinweg, dann folgt ohne Panik der Rest der Wolfsfamilie.

Altwölfe gehen sehr vorsichtig vor. Nehmen sie die Witterung von Menschen auf, ziehen sie sich geordnet zurück. Dabei halten sie durchaus an und schauen zurück auf das, was ihnen da komisch vorkommt. Von panischer Flucht keine Spur. (jg)

Von Joachim Gries

Von