Ausbau unwirtschaftlich

Glasfaser: Kein Anschluss hinter der Bahnlinie

Die Bahntrasse trennt Eschede: Auf der einen Seite gibt es schnelles Internet, auf der anderen nicht. Die SVO nennt Gründe - und hat auch eine gute Nachricht.

  • Von Carsten Richter
  • 27. Mai 2022 | 16:59 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Carsten Richter
  • 27. Mai 2022 | 16:59 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Eschede.

Er hat einen Antrag gestellt, aber auch auf mehrfache Nachfrage beim regionalen Telekommunikationsanbieter SVO hin gab es immer dieselbe Antwort: "Wir werden nicht angeschlossen", stellt ein Anwohner der Hermannsburger Straße in Eschede enttäuscht fest. Der Glasfaserausbau im Kernort der Gemeinde wurde bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen. Dabei wurde eine unsichtbare Grenze gezogen: Der Bereich hinter dem Bahnhof bleibt beim schnellen Internet außen vor.

Kein Glasfaser: Anlieger in Eschede ärgern sich

Der 40-jährige Anwohner, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte, merkt den Unterschied. Zum Beispiel beim Anschauen von Filmen oder Fernsehsendungen. "Heute läuft ja alles über die Mediatheken", erzählt er. "Ohne Glasfaser wird's dann schon eng."

Ausbau mit Glasfaser in Eschede abgeschlossen

Ein paar Meter weiter an der Hermannsburger Straße: Zwei Frauen unterhalten sich vor dem Hauseingang. Als die Eigentümerin von der CZ auf das Problem angesprochen wird und sie den Nicht-Anschluss ans Glasfasernetz bestätigt, reagiert ihre Bekannte ganz verwundert. "Bei euch wird nicht ausgebaut?", fragt sie erstaunt. Sie selbst wohnt an der Straße Am Schlingenfeld auf der östlichen Seite der Bahnstrecke. Die Tiefbauarbeiten dort sind beendet, der Ausbau ist abgeschlossen. An der Hermannsburger Straße hingegen – Fehlanzeige. "Wir haben uns für Glasfaser unterschrieben, aber es ist nichts passiert", sagt ein weiterer Anwohner.

Glasfaser-Ausbau für SVO nicht wirtschaftlich

Straßenschilder weisen auf die Hausnummern 1 bis 27 an der Hermannsburger Straße hin, die von der Landesstraße bis zum Bahnhof verläuft. Die Anlieger in dem Wohngebiet schauen beim Breitbandausbau in die Röhre. Dabei ist es wie häufig in solchen Fällen: Der Anschluss abgelegenerer Bereiche ist für die Netzbetreiber nicht wirtschaftlich. Die Bahnlinie ist, anders als man meinen könnte, nicht der Grund. "Grundsätzlich wäre ein Glasfaserausbau in dem Bereich nördlich der Bahnschienen in Eschede technisch möglich", sagt SVO-Sprecher Thomas Hans auf CZ-Anfrage. "Aufgrund der Randlage und der vergleichsweise weitläufigen Bebauung ist der Bereich aber von Anfang an nicht in die Vermarktung einbezogen worden."

Ausbau an Hermannsburger Straße war nie vorgesehen

Was aber ist mit den Anliegern, die trotzdem für einen Ausbau unterschrieben haben? "Sollten Anwohner dort seinerzeit Vorverträge unterzeichnet haben, haben sie das getan, ohne im Vermarktungsgebiet zu liegen. In jedem Fall haben diese Betroffenen aber keine Auftragsbestätigung bekommen, die für das Zustandekommen eines Vertrags nötig gewesen wäre", betont Hans. Es sei dem Unternehmen wichtig, "in unseren Ausbaugebieten möglichst alle Menschen zu erreichen". Aber: Gleichzeitig müsse ein Ausbau auch immer wirtschaftlich sein.

Das sagt die Deutsche Bahn zum Fall in Eschede

Die CZ hat auch bei der Bahn nachgefragt. Zum konkreten Fall kann eine Sprecherin keine Angaben machen. Was aber auch daran liegt, dass die Hermannsburger Straße eben zu keinem Zeitpunkt für Glasfaserausbau vorgesehen war. "Es werden jährlich zirka 500 Bahnquerungen geprüft und genehmigt", so die Sprecherin. Dazu müssen vollständige Unterlagen bei der Bahn eingegangen sein.

Doch noch Chance auf schnelles Internet?

Gute Nachricht zum Schluss: Völlig aussichtslos ist die Lage für die betroffenen Anwohner nicht. "Es besteht immer die Möglichkeit, dass sich Interessenten zusammenschließen und mit uns über einen Sonderweg sprechen. Denkbar ist beispielsweise, dass ein Teil der Tiefbauarbeiten in Eigenleistung erfolgt oder dass alle gemeinsam einen Baukostenzuschuss zahlen", erläutert SVO-Sprecher Hans. "Ob sich das (auch für die Interessenten) am Ende als wirtschaftlich sinnvoll erweist, muss immer individuell betrachtet werden."

Anlieger könnten sogar Förderung bekommen

Und es gibt sogar Aussichten auf Zuschüsse. "Darüber hinaus können Betroffene darauf setzen, dass sie von der anstehenden zweiten Phase der Förderprogramme des Bundes zu unwirtschaftlichen Ausbaugebieten profitieren", so Hans.