Umdenken gefragt

Hhnerhalter reagieren auf Geflgelpest

Von Hhnerhaltern ist wegen der Geflgelpest Umdenken gefordert. Das mssen Landwirte im Kreis Celle beachten. Ein Beispiel aus der Gemeinde Eschede.

  • Von Carsten Richter
  • 18. März 2021 | 11:01 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Carsten Richter
  • 18. März 2021 | 11:01 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Endeholz.

Von dem Behlter mit frischen Mhren geht an diesem Tag eine besondere Anziehungskraft aus. "Sie sind heute das Highlight. Ab morgen gibt es dann Zuckerrben", sagt Kathrin Kaiser-Knoop und blickt in den neu eingerichteten Hhnerstall. Es sind besondere Zeiten fr die Landwirtschaftsfamilie aus Endeholz. Um die Ausbreitung der Geflgelpest einzudmmen, hat der Landkreis Celle die Aufstallung smtlicher gehaltener Vgel verfgt. In diesem Fall ein besonderer Umstand: Die Familie betreibt ein Hhnermobil. Das heit, die Tiere sind es gar nicht anders gewohnt, als an der frischen Luft zu verweilen.

Beim Hhnermobil sind Tiere immer drauen

"Der Freizeitbereich der Hhner ist zwlf Monate im Jahr drauen", erlutert Ehemann Henrik Knoop. Die Geflgelpest, die Ende vergangener Woche im Kreis Celle angekommen ist, zwingt den Landwirt zum Umdenken. Eine Multifunktionshalle wurde kurzerhand zum Hhnerstall umgebaut. Das Veterinramt des Landkreises hat dafr grnes Licht gegeben. Die Familie ist froh, die Rumlichkeiten auf ihrem Grundstck nutzen zu knnen. So war der Weg von der Wiese, auf der das Hhnermobil seit Herbst vergangenen Jahres steht, bis zu dem neuen Provisorium nur ein paar Meter lang. Glck im Unglck also.

Halle in Endeholz wird zu Hhnerstall umgebaut

Freitagabend wurden die Hhner zusammen mit dem mobilen Stall, in dem sie nachts schlafen und die Eier legen, umquartiert. Zuvor wurden die schweren Maschinen, die normalerweise in der Halle stehen, ausgerumt. Auch die Kartoffeln, die dort sonst gelagert werden, wurden "umquartiert". Dafr hat die Familie die Flche mit Heu ausgelegt, sie bietet den Hhnern reichlich Platz zum Auslauf. Zum Picken wurden Getreide und Luzerne eingestreut. Wegen der aufgestellten Heuballen spricht Henrik Knoop von einem "Indoor-Spielplatz" fr die Tiere. "Sie brauchen Beschftigung."

Viel Zuspruch fr Hhnermobil

Der Aufwand wegen der Geflgelpest ist bei einem mobilen Stall ungleich hher als bei einem festen. Trotzdem bereuen sie ihren Entschluss nicht. Warum auch? Die Familie bekommt viel Zuspruch die Idee mit dem Hhnermobil kommt gut an. "Wir haben uns eine Stammkundschaft erarbeitet, die Nachfrage nach unseren Eiern steigt", freut sich seine Frau.

Vermarktung weiter als Freilandeier

Auch whrend der vorbergehenden Stallhaltung luft die Vermarktung weiter als Freilandeier. Das Niederschsische Landesamt fr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) sieht diese Mglichkeit vor und hat der Familie aus Endeholz eine entsprechende Genehmigung fr insgesamt 16 Wochen ausgestellt, die Eier wie gewohnt zu deklarieren. Danach mssten die Eier einen neuen Stempel bekommen, der auf Bodenhaltung hinweist. Henrik Knoop und seine Frau rechnen damit, dass ihre Tiere vier bis sechs Wochen in der Halle bleiben mssen.

Hhner mssen sich erst umgewhnen

Mittlerweile haben sich die Hhner an ihre neue Umgebung gewhnt. "Zu Beginn standen sie am Zaun und haben nach drauen geschaut", berichtet Kathrin Kaiser-Knoop. Die zum Stall umgebaute Halle ist mit Draht abgedichtet, sodass keine Greifvgel oder andere natrliche Feinde eindringen knnen. Und natrlich auch zum Schutz vor der Geflgelpest. Wer die Halle betritt, muss einen Schutz ber die Schuhe ziehen. Es ist wie beim Coronavirus: Desinfektion ist bei der Eindmmung der Seuche das A und O.

Licht im Stall wird reguliert

Durch das mit Gitter gesicherte Hallentor kommen frische Luft und Tageslicht. Auerdem werden die Deckenlampen so reguliert, dass die Hhner ihren natrlichen Tag-Nacht-Rhythmus nicht verlieren. "Um 20 Uhr gehen die Lichter im Stall der Reihe nach aus", sagt Henrik Knoop. Dann ziehen sich die Tiere zum Schlafen in das Hhnermobil zurck am nchsten Morgen verlassen sie ihre Schlafsttte wieder.

Familie Knoop will zweites Hhnermobil

Die Unterbringung im Stall soll nur eine Notlsung sein. Das Konzept mit dem Mobil, das auch dazu dient, das Grn schn kurz zu halten, kommt dafr viel zu gut bei den Kunden an. So gut, dass das Ehepaar sich dazu entschlossen hat, im Sptsommer einen zweiten mobilen Stall aufzustellen. "Dafr werden wir dann noch mehr Grnland einsen", sagt Henrik Knoop. Die Geflgelpest wird dann hoffentlich schon lange wieder der Vergangenheit angehren.

Ziegen brauchen vorerst nicht aufpassen

Darauf hoffen sicher auch die beiden Ziegen. Sie sind die "Security", sollen die Hhner vor Feinden aus der Luft schtzen. Whrend die Hhner in der Halle sind, wurden die beiden Aufpasser auf die Wiese auf der anderen Straenseite umquartiert. Sie sind nun vorlufig "arbeitslos" und freuen sich, wenn sie ihre gackernden Schtzlinge wieder um sich haben.