Vorsitz abgegeben

Darum schliet sich Kreis fr Friedrich Busch

Fr Friedrich Busch schliet sich ein Kreis: Als langjhriger Vorsitzender hat er die Werk- und Lebensgemeinschaft Dalle geprgt. Nun ist Schluss.

  • Von Carsten Richter
  • 16. Mai 2021 | 15:51 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Carsten Richter
  • 16. Mai 2021 | 15:51 Uhr
  • 10. Juni 2022
Anzeige
Dalle.

Das Schild an der Tr zum Bro im oberen Stock des Verwaltungsgebudes lsst keinen Zweifel. Die Namen weisen darauf hin: Es hat eine neue ra begonnen. Hubertus Bhmann ist der neue Vorsitzende des Trgervereins der Werk- und Lebensgemeinschaft (WLG) Dalle, Peer-Detlev Schladebusch aus Celle wurde zu seinem Stellvertreter gewhlt. Trotzdem: Die Einrichtung fr behinderte und pflegebedrftige Menschen ist und bleibt verbunden mit dem Namen Friedrich Busch. Mit Geschftsfhrer Daniel Ble und dem gesamten Team hat der 82-Jhrige die WLG mageblich weiterentwickelt. "Meine Prmisse war es immer, den Bewohnern ein schnes Zuhause und den Mitarbeitern einen wrdigen Arbeitsplatz zu schaffen", sagt Busch im Gesprch mit der CZ. Nach zuletzt erneut sieben Jahren als Vereinsvorsitzender ist fr ihn nun Schluss. Verfolgt hat er die Entwicklung der Einrichtung seit deren Anfang 1979.

Friedrich Busch ist mit Dalle tief verbunden

Wenn Friedrich Busch durch die Gebude geht, spielt es keine Rolle, dass er den Vorsitz vor zwei Wochen abgegeben hat. Er schaut in einen Gruppenraum. "Geht's euch gut", fragt er in die Runde und wird freudig begrt. Busch kennt jeden der 48 Bewohner mit Namen. Die familire Atmosphre ist auch sein Verdienst. Dabei knnte sein Engagement im sozialen Bereich kaum gegenstzlicher sein zu seiner Berufslaufbahn. Friedrich Busch hat als Offizier und zuletzt als Generalmajor der Bundeswehr viel von der Welt gesehen. In Dalle aber schliet sich fr ihn der Kreis. Hier wurde er 1938 geboren, hier will er zusammen mit Ehefrau Frauke seinen Lebensabend verbringen. "Raus aus Dalle bekommt man mich nicht mehr", sagt er und lacht.

Nach Abitur in Celle Karriere bei der Luftwaffe

Nach dem Abitur am Celler Hermann-Billung-Gymnasium und dem Eintritt in die Bundeswehr ging Busch zur Luftwaffe. "Ich wollte unbedingt fliegen", sagt er. Leutnant, Oberleutnant, Adjutant, Brigadegeneral die Karriere nahm ihren Lauf. Das Amt als stellvertretender Befehlshaber des regionalen Hauptquartiers der NATO in Dnemark und eine groangelegte internationale bung waren der berufliche Hhepunkt vor der Pensionierung im Herbst 1998.

Pensionr engagiert sich bei Werk- und Lebensgemeinschaft

An einen Ruhestand im wrtlichen Sinne aber war nicht zu denken. Busch bernahm eine Fhrungsposition in der europischen Klima-Industrie und engagierte sich in seinem Heimatort Dalle. "Eine sinnvolle Arbeit fr einen Pensionr", meint er heute augenzwinkernd.

Schwierige Anfangszeit fr Friedrich Busch

Er trat 2001 in den Vorstand der WLG ein und gehrte ihm zunchst acht Jahre an. Eine schwierige Zeit: Unter den Bewohnern herrschte Unruhe, mit Familien aus dem Dorf gab es Spannungen. Auch der frhere General musste sich erst an die neue Aufgabe gewhnen. "Vom Jobdenken musste ich zum ideellen Denken kommen. Das war nicht einfach", erzhlt der Pensionr. Doch das ist lange her. Lngst wei Busch, dass der Vorstand allein nicht viel ausrichten kann. Motivierte Mitarbeiter seien der Schlssel zum Erfolg.

Verein aus finanzieller Misere herausgefhrt

Busch ist 2009 zunchst aus dem Vorstand ausgetreten, blieb aber weiter Mitglied im Trgerverein. Vier Jahre spter wurde er gebeten, wieder einzutreten. Der damals 75-Jhrige hat zugesagt und wurde Vorsitzender. "Ich habe den Verein mit einer sechsstelligen roten Summe bernommen", sagt Busch. Innerhalb eines Jahres wurden die Personalkosten um eine halbe Million Euro reduziert.

Veranstaltungen in Dalle gehen auf Busch zurck

Inzwischen ist die Daller Einrichtung, wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht, regelmig Ausrichter ffentlicher Veranstaltungen. Der bei Besuchern beliebte Martins- und Frhjahrsbasar und der Tag der offenen Tr sind zum Groteil auf Buschs Initiative zurckzufhren. Der enge Kontakt mit der Celler Paul-Klee-Schule wurde ausgeweitet, mit der Lebenshilfe wurden eine Tagesfrderung und ein Berufsbildungsbereich eingerichtet. In einem Ende 2020 angemieteten Haus neben dem Dorfplatz soll ein Caf entstehen. Alles unter dem Motto "Gemeinsam sind wir stark", wie Busch hervorhebt. "Ich habe beruflich immer mit jungen Leuten zu tun gehabt. Lebenserfahrung weiterzugeben ist ein Geschenk."

Nun mehr Zeit fr Frau und Garten

14 Umzge in 40 Jahren hufig mussten Frauke und Friedrich Busch beruflich bedingt ihren Wohnort wechseln. "Meine Frau hat immer viel zurckgesteckt." Nun will er endlich mehr Zeit zu Hause verbringen. Mit dem Schelploher Hubertus Bhmann als seinem Nachfolger hat er ein gutes Gefhl. "Er kennt die Einrichtung ebenfalls von Anfang an."

Langweilig wird es Friedrich Busch nicht werden. Er mchte Golf spielen, Kulturreisen unternehmen, sich um Garten und Gewchshaus kmmern, Bcher lesen. "Vielleicht schreibe ich auch selbst ein Buch", sagt er. Genug zu erzhlen htte er ja.