Demonstration

Flagge zeigen gegen Nazi-"Brauchtum"

In Eschede haben am Samstag erneut Brger gegen Rechtsextremismus demonstriert.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 30. Sept. 2018 | 15:56 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 30. Sept. 2018 | 15:56 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Eschede.

"Wir wollen Flagge zeigen, zeigen, dass wir da sind", sagt Wilfried Manneke. Zusammen mit seinen Mitstreitern des Netzwerks Sdheide gegen Rechtsextremismus hat er am Samstag Position bezogen an der Hermannsburger Strae. Gegenber geht es zum Hof des NPD-Aktivisten Joachim Nahtz, auf dem immer wieder Feste von Neonazis, sogenannte "Brauchtumsfeiern", stattfinden. An diesem Samstag allerdings ist es ruhig und wie die ebenfalls anwesende Polizei den Demonstranten berichtet, sind auf der Hofstelle keine Aktivitten zu vernehmen.

Auch fr die Netzwerker ist es eher ruhig. Sie sind in kleinerer Besetzung vor Ort. Ein Groteil der Mitglieder und Untersttzer ist an diesem Tag nach Hamburg zur Grodemo gegen Fremdenhass, Ausgrenzung und Rassismus gefahren. Der harte Kern der Menschen, die sich im Netzwerk Sdheide zusammengefunden haben allerdings hlt Mahnwache an der Landesstrae 281.

Dabei liegen die Themen der Demos in Hamburg und Eschede gar nicht so weit auseinander. Auch in Eschede hat man sich an diesem Tag das Thema "Geflchtete und Recht auf Asyl" auf die Fahnen geschrieben.

"Rechtsextremismus ist immer mehr in die Mitte der Gesellschaft gerckt", erklrt Hans-Dietrich Springhorn, der an diesem Tag ein auf den ersten Blick provokantes Plakat aufgehngt hat. "Macht's nochmal Nahtz-Hof abfackeln" ist da zu lesen und verwirrt erstmal, denn es wirkt wie eine Aufforderung zur Straftat. Das ist natrlich nicht gemeint, denn die Escheder Demonstranten wollen eine friedliche Mahnwache. "Das Plakat spielt auf eine Aufrumaktion der Rechten selbst an, bei der auf dem Hof aufgerumt wurde, dann ein Feuer gemacht wurde und der Funkenflug Teile des Hofes in Brand gesetzt hat", erklrt Springhorn. "Wir dachten damals, damit habe sich das Problem selbst erledigt", ergnzt Manneke. Wie sie heute wissen, ist das aber nicht so gewesen. Die NPDler haben den Hof mit viel Eigenleistung wieder so weit aufgebaut, dass es dort wieder eine Infrastruktur gibt, die es sogar erlaubt, dort NPD-Landesparteitage abzuhalten. Sogar eine Halle soll neu gebaut worden sein, wissen manche Mitstreiter zu berichten. "Das Thema ist also lange noch nicht beendet", so das Fazit von Manneke und Springhorn. "Deswegen stehen wir immer dann hier, wenn dort Feiern stattfinden knnten."

Etwas traurig sind alle Demonstranten darber, dass sich die rtliche Politik weitestgehend aus dem Thema heraushlt. "Die scheinen sich damit arrangiert zu haben", meint Manneke. "Dabei leben wir hier doch im Grunde mit den Nazis Tr an Tr. Wir wissen, wo die wohnen, und genauso wissen die, wo wir wohnen." Gesprt hat er das bereits mehr als einmal am eigenen Leib. Genauso wie bei Springhorn und anderen Aktiven wurden die Huser bereits mehrfach mit Farbbeuteln beworfen. "Manchmal hat man auch eine tote Ratte im Briefkasten", beschreibt Manneke seinen Kampf. Allerdings wei er auch: "Wer sich den Nazis in den Weg stellt, muss mit Gegenwehr rechnen." Und eins ist fr alle klar: Einschchtern lassen sie sich nicht.

Von Birgit Stephani

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