Feiern am Gedenktag

Passt nicht: Schtzen betreiben Schnfrberei

Das 101. Bestehen feiern, wenn 101 Toten gedacht wird. Der Spielmannszug in Eschede hat das korrigiert. Nur Schnfrberei, meint Carsten Richter im Kommentar.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 22. Apr. 2022 | 11:22 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 22. Apr. 2022 | 11:22 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Eschede.

Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause ist die Vorfreude auf Schtzenfest und Co. nur allzu nachvollziehbar. Aber Jubel, Trubel, Heiterkeit und eine Katastrophe historischen Ausmaes, bei der 101 Menschen ihr Leben verloren haben: Nein, das passt einfach nicht zusammen. Es ist vollkommen verstndlich, dass der Plan, den Jubilumsball des Spielmannszuges am Jahrestag des ICE-Unglcks zu veranstalten, manchen Eschedern sauer aufstt. Die Zusammenlegung ist fr die Betroffenen ein Schlag in die Magengrube. Die Feier mit dem 101-jhrigen Bestehen des Spielmannszuges zu berschreiben, ist absolut unglcklich gelaufen. Kaum zu glauben, dass das niemand auf dem Zettel hatte, aber Fehler passieren eben.

100 statt 101: Richtiger Schritt, aber Schnfrberei

Den Titel der Veranstaltung zu ndern in "nachgeholtes 100-jhriges Jubilum" war ein notwendiger und richtiger Schritt, ist aber nur Schnfrberei. Es wre besser gewesen, sich von vorneherein darauf zu verstndigen, am Jahrestag des Zugunglcks keine Feiern zu veranstalten, um den Konflikt zu entschrfen, und das Escheder Schtzenfest auf ein anderes Wochenende zu verlegen. Tradition hin oder her, aber dass das Pfingstwochenende in diesem Jahr auf den 3. Juni fllt, war lange vorher bekannt und es ist ja nicht das erste Mal.

Wie will Eschede knftig an ICE-Katastrophe erinnern?

Die Diskussion wirft aber noch eine ganz andere Frage auf: Wie will Eschede knftig mit dem Gedenken der Toten umgehen? Sptestens 2023, wenn sich die Tragdie zum 25. Mal jhrt, muss sich die Gemeinde darber Gedanken machen. Die Debatte ist nun angestoen.

Von Carsten Richter

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