Eschede

22,5 Cent pro Liter Milch ist Katastrophe

Um einen Liter Milch herzustellen fallen bei Cord Matthias (47) Kosten von 38,5 Cent an. Sein Abnehmer, die Molkerei in Eschede, zahlt nur 22,5 Cent pro Liter.

  • Von Bernd Kohlmeier
  • 16. Juli 2009 | 10:36 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Bernd Kohlmeier
  • 16. Juli 2009 | 10:36 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Eschede.

Um einen Liter Milch herzustellen fallen bei Cord Matthias (47) Kosten von 38,5 Cent an. Sein Abnehmer, die Molkerei in Eschede, zahlt nur 22,5 Cent pro Liter. Eine kleine Katastrophe, sagt der Landwirt aus Hfer und kratzt sich nervs am Kopf. Im August erhielt der Erzeuger 32 Cent fr einen Liter Milch. Seither ist der Preis im Gleitflug auf den jetzigen Tiefststand gesunken. Fr den Hof, den Matthias gemeinsam mit Horst Peter und Gerhard Mcke als MPM GmbH & Co. KG betreiben, bedeutet dies ein monatlicher Verlust zwischen 15000 und 20000 Euro.

Cord Matthias nennt mehrere Ursachen fr den Preisverfall: Lebensmitteldiscounter nutzen niedrige Lebensmittelpreise als Lockvogel. Die Wirtschaftskrise ist ebenfalls dafr verantwortlich, denn Russland kauft weniger deutsche Butter. Dazu kommt die Produktionssteigerung in den USA. Unterm Strich, so Cord Matthias Rechnung, ist zu viel Milch auf dem Markt, und das drckt den Preis. Durch eine Reduzierung der Milchmenge um fnf bis zehn Prozent liee sich ein vernnftiger Preis fr das Grundnahrungsmittel erzielen. Die Hoffnung, dass der Milchpreis sich bald wieder erholt, gibt der Landwirt nicht auf.

Um die Kosten zumindest teilweise aufzufangen, setzt er selbst auf eine hhere Produktion: Wir melken die Khe statt zweimal jetzt dreimal tglich. Dadurch lsst sich die Milchmenge pro Kuh steigern.

Milch ist die Haupteinnahmequelle des Hofes. Um nicht von der Substanz des Betriebes zu leben, werden die Privatausgaben auf ein Minimum heruntergefahren: Wir sparen, wo es geht, sagt Matthias Ehefrau Helga, die auf dem Hof mitarbeitet. Bis die Milchpreise wieder steigen, leben wir von Quersubventionen. Das heit, der Erls aus Kartoffel-, Zuckerrben- und Getreideanbau muss den Verlust aus der Milchproduktion auffangen. Schlielich soll der Hof, von dem drei Landwirtsfamilien leben, fr die Zukunft erhalten werden. Ob eines seiner drei Kinder den Hof spter weiter bewirtschaften wird, wei Matthias noch nicht. Anne-Kathrin Peter, die Tochter eines Teilhabers, ist bereits eingestiegen und sichert so die knftige Bewirtschaftung des Hofes.

Seit vielen Generationen bewirtschaftet Familie Matthias in Hfer ihren Bauernhof. Nicht nur um die Investition von einer Million Euro in den neuen Stall zu stemmen, haben sich die drei Landwirte zusammengeschlossen. Unser Beruf ist fr unsere Kinder nur interessant, wenn er nicht mit einer Sieben-Tage-Woche verbunden ist. Wir lsen uns als Betreiber des Betriebes mit dem Wochenenddienst ab und haben dadurch freie Wochenenden. Auch wenn die Urlaubs- und Krankheitsvertretung durch die Kollegen gesichert wre, einen lngeren, verletzungsbedingten Ausfall will Cord Matthias nicht riskieren. Daher hat er sein Hobby, das Reiten, aufgegeben und beschrnkt sich auf die Zucht von Hannoveranern. Seinen Tieren und der Natur fhlt sich Cord Matthias sehr verbunden. Trotz der Sorge um den Verfall des Milchpreises und des hohen Arbeitseinsatzes mchte Matthias seinen Beruf nicht gegen einen Job mit geregeltem Acht-Stunden-Arbeitstag eintauschen.