"Remembrance"

Erinnerungswoche in Gedenksttte Bergen-Belsen

50 Teilnehmer sind bei der "Transnational Youth in Remembrance" dabei. Es geht um die Auseinandersetzung mit NS-Grueln auch Bergen-Belsen steht im Fokus.

  • Von Marius Klingemann
  • 09. Apr 2022 | 12:00 Uhr
  • 10. Jun 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 09. Apr 2022 | 12:00 Uhr
  • 10. Jun 2022
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Lohheide.

Lohheide. Bis zur Befreiung durch die Briten im April 1945 sind insgesamt 52.000 Hftlinge im KZ Bergen-Belsen gestorben, weitere 20.000 im dortigen Kriegsgefangenenlager. Um Erinnerungskultur und kritische Auseinandersetzung mit diesen Grueln der NS-Zeit geht es heute in der Gedenksttte das Anliegen richtet sich auch, womglich insbesondere, an die jngeren Generationen.

"Zeitzeugen wird es irgendwann keine mehr geben", sagt Paula Gardemin. Das Wissen um die Geschehnisse, betont sie, drfe damit aber nicht verloren gehen. Um einen Teil beizutragen, ist die 17-Jhrige aus Hannover nun eine Woche lang bei der "Transnational Youth in Remembrance", also der "Jugend in lnderbergreifender Erinnerung", dabei. Hier machen 50 Gleichaltrige aus sechs Nationen auer Deutschland sind das Polen, Litauen, die Slowakei, die Ukraine und Sdafrika mit. Wegen der Corona-Lage findet das Projekt in hybrider Form statt: Die Gruppen werden in ihren Lndern aktiv und besuchen dort Gedenkorte, danach schlieen sie sich online zusammen.

"Remembrance"-Woche in Bergen-Belsen: Auch TV ist dabei

Das bereits seit 1995 bestehende Format erlutert Koordinator Moritz Thies: "Es geht darum, sich mit dem Nationalsozialismus im eigenen Land, seinen historischen Spuren und die Auswirkungen auf die heutige Zeit zu befassen." Die Sdafrikaner haben nun eine "Sonderrolle", fr sie geht es um die Apartheid. Im Kreis Celle sind dieses Jahr vier Teilnehmer am Start, neben Gardemin etwa der ebenfalls 17 Jahre alte Mykyta Korniienko aus der Ukraine.

Fr das Jung-Quartett stehen die Woche ber verschiedene Programmpunkte an viele davon im Anne-Frank-Haus des CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) in Oldau, dazu aber auch die "Felderkundungen" in Bergen-Belsen. Das macht nicht nur die Zeitung neugierig, auch ein TV-Team des NDR ist im Dokumentationszentrum sowie auf dem etwa 55 Hektar groen Auengelnde, dem frheren Lager, dabei.

Besuch in Gedenksttte: "Bilder sind schon erdrckend"

23.000 Tote liegen hier in verschiedenen Massengrbern, die nach wie vor hgelartig zu erkennen sind. Geschichtsstudentin Ilka Witte und Marcin Schink, Freier Mitarbeiter in der Gedenksttte, berichten den "Remembrance"-Teilnehmern dazu. Sie sprechen auch ber das groe Internationale Mahnmal, 1952 als erstes seiner Art im Nachkriegs-Deutschland errichtet, und kleinere Grabsttten. Eine gehrt Margot Frank und ihrer berhmten Schwester Anne, beide kurz vor der Befreiung des KZ dort gestorben. "Die Bilder sind schon erdrckend, das habe ich so vorher nicht erlebt", so Gardemin.

Doku-Zentrum zeigt Historisches zum KZ Bergen-Belsen

Was sie auch meint, sind die Impressionen aus der Dauerausstellung, die sich die Gruppe vor dem Weg nach drauen angeschaut hat. Hier sind Alltagsgegenstnde aus den Lagern, zum Beispiel Kleidung, Besteck und Rasierer, zu sehen, aber auch ein briggebliebenes Stck des Auenzauns mit Stacheldraht. Noch eindringlicher drften jedoch Aufnahmen von britischen Soldaten sein, die ausgehungerte, skelettartige berlebende zeigen. Einige von ihnen kommen nun im hheren Alter auch in den Videos zu Wort, die im Doku-Zentrum gezeigt werden. "Teil des Projekts ist, hier Eindrcke zu sammeln und diese dann aufzuarbeiten", erklrt Moritz Thies, der im hannoverschen Landesverband des CVJM ttig ist.

"Remembrance"-Teilnehmer sprechen auch mit Zeitzeugen

Dieser gehrt zu den Organisatoren der "Remembrance"-Woche, weiterhin beteiligt sind der Landesjugendring und die Stiftung niederschsische Gedenksttten. Auf internationaler Ebene sind Universitten, Schulen sowie weitere Verbnde und Bildungseinrichtungen die Partner. In Nicht-Corona-Zeiten treffen sich smtliche Beteiligte in Bergen-Belsen, was die Pandemie-Situation nun zum dritten Mal in Folge nicht zulsst. Thies: "2020 mussten wir alles absagen, vergangenes Jahr war es dann komplett digital." Jetzt knnen immerhin die Lnder-Gruppen wieder beisammen sein.

Der Online-Austausch zu Eindrcken und Ergebnissen findet im Anne-Frank-Haus statt, ebenso weitere "deutsche" Programmpunkte wie das Zeitzeugen-Gesprch mit dem frheren KZ-Insassen Albrecht Weinberg oder Allgemeines zum Nationalsozialismus. Im Fokus stehen zudem Zeichnungen der 1990 verstorbenen Bergen-Belsen-berlebenden Zsuzsa Merenyi, einer Deutsch-Ungarin, die ihre Lagerzeit auf knstlerische Art aufgearbeitet hat. Als "heftig, aber auch spannend" beschreibt Paula Gardemin ihre Erlebnisse aus der Projektwoche.