Biografie von Adolf Haas

Warum ein Bcker im Celler Land zum Mrder wurde

Er war ein Massenmrder. Doch Adolf Haas wurde nie bestraft fr seine Taten. Im KZ Bergen-Belsen starben unter seiner Verantwortung Hunderte Menschen.

  • Von Andreas Babel
  • 12. Dez. 2019 | 13:09 Uhr
  • 10. Juni 2022
Die Biografie von Adolf Haas trgt den Titel "Gewalt, Gier und Gnade". Der Autor ist Jakob Sa.
  • Von Andreas Babel
  • 12. Dez. 2019 | 13:09 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Lohheide.

Adolf Haas war der Lagerkommandant von Bergen-Belsen, bevor sein Nachfolger Josef Kramer das KZ zum Todeslager werden lie. Der gescheiterte Bcker wurde SS-Mann und war gewaltttig, gierig, aber lie bei manchen seiner Inhaftierten auch Gnade walten: Daher whlte der junge Historiker Jakob Sa den Titel Gewalt, Gier und Gnade fr seine bemerkenswerte Tterbiografie. Der Berliner Autor meint wie der Historiker Mark Roseman, dass man den Ttern mit Empathie begegnen msse, um nicht den Fehler zu begehen, die NS-Tter generell als abartige Monster zu deklarieren. Darin liege nmlich die Gefahr, dass man daraus den Schluss ziehen knne, dass uns heute so etwas nicht mehr passieren knne, sondern dass es bestimmte Fhigkeiten brauche, um zu tten. Er zitiert Harald Welzer, der meint, dass auch heute noch die meisten von uns unter bestimmten Bedingungen bereit zu tten seien.

Lagerkommandant war kein Antisemit, aber ein fanatischer Nazi

Vor diesem Hintergrund zeichnet der 29-jhrige Autor in diesem erstaunlich gut lektorierten und gut lesbaren Buch den NS-Tter Haas als beschrnkten Menschen, dessen Hauptantrieb sicher nicht der Hass auf bestimmte Bevlkerungsgruppierungen war. Er war wohl kein Antisemit, aber ein fanatischer Nationalsozialist, er war kein Soldat des Bsen, sondern hatte einige andere Triebfedern. Er schtzte einige der Judenltesten, lie sich von einem jdischen Hftling portrtieren und sorgte dafr, dass einige Juden nicht in Vernichtungslager deportiert wurden.

Adolf Haas war verantwortlich fr 3026 Tote in zwei KZ

Er war verantwortlich fr mindestens 3026 Tote, die whrend seiner Kommandantur im KZ Wewelsburg und im KZ Bergen-Belsen zu beklagen waren. Sa hebt hervor, dass seine Erkenntnisse die Verbrechen des Adolf Haas keinesfalls entschuldigen oder relativieren sollen. Der frhere Kommunist Haas mutierte vor allem deshalb zum Nazi, weil ihm das neue System so viele persnliche Vorteile bescherte. Ein ehemaliger Hftling bezeichnete ihn als berzeugten Karrieremacher. brigens: Wo er nach 1945 abgeblieben ist, bleibt ein Geheimnis.

Appell, Tter und auch heutige AfD-Whler nicht zu verachten

In seinem Epilog schlgt Sa den Bogen in die Gegenwart, wenn er sagt: Pegida-Anhnger, AfD-Whler und andere ,besorgte Brger zu verachten, strkt auf lange Sicht nur ihre selbst zugeschriebene Opferrolle und damit ihre radikale Haltung. Das Ziel des Autors war es vielmehr, aufzuzeigen, dass erst ein krimineller Staat Organisationen wie die SS ermglichte, die wiederum Menschen wie Adolf Haas zu Mrdern machten. Von daher sei es wichtig, davor zu warnen, einen kriminellen Staat zuzulassen. Als wichtigste Aufgabe hat der Autor erkannt, ein Konzept politisch umzusetzen, das die Voraussetzungen dafr schafft, dass Menschen ihr Leben selbstbestimmt und verantwortungsvoll gestalten.