Politik diskutiert

Das sind Varianten für Hinrich-Wolff-Schule

Wird die Hinrich-Wolff-Schule zum Rathaus? Wird die Grundschule neu gebaut? Über sechs mögliche Varianten wird in Bergen diskutiert. (+ Kommentar)

  • Von Christopher Menge
  • 09. Juni 2022 | 17:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Christopher Menge
  • 09. Juni 2022 | 17:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Bergen.

Es geht (noch) nicht ums Geld. Im Fokus stehen erst einmal die sogenannten weichen Faktoren, dazu gehören etwa die verkehrliche Anbindung, der Flächenbedarf von Schule und Verwaltung oder auch die Reduzierung von Emissionen. Die Zukunft der Hinrich-Wolff-Schule ist längst zur Schlüsselfrage erklärt worden, die die Berger Politik nun beantworten will. Sechs Varianten werden untersucht. Dabei geht es auch um die Frage, wo künftig Bergens Herz schlagen soll.

Soll Berger Rathaus im Zentrum der Stadt stehen?

"Was wollen wir überhaupt?", fragte Martin Hildebrandt (FDP) in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am Donnerstagabend im Stadthaus. Für ihn gehöre das Rathaus wegen der Nähe zum Bürger ins Zentrum der Stadt – also nicht in das Gebäude der Hinrich-Wolff-Schule. Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller hielt dagegen. "Wo ist das Zentrum unserer Stadt?", fragte sie mit Blick auf die neuen Baugebiete Am Bienenzaun und Heisterkamp Süd. "Und belebt ein Rathaus unsere Innenstadt mehr oder ein Vereinshaus?"

Zukunft der Hinrich-Wolff-Schule: Sechs Varianten werden untersucht

Die Bürgermeisterin betonte allerdings, dass es in der Verwaltung keine Vorzugsvariante gebe. Alle Varianten würden unabhängig voneinander untersucht werden. Bei den Varianten 1.1 bis 1.3 wird von einer Sanierung und Erweiterung der Hinrich-Wolff-Schule ausgegangen, bei den Varianten 2.1 bis 2.3 von einem Neubau der Grundschule.

"Die Politik bringt ihre Ideen mit ein", so Dettmar-Müller. Der Ausschuss soll nun in einer Arbeitsgruppe, die aus den Ausschussmitgliedern und der Leiterin der Hinrich-Wolff Schule, Katja Tank, bestehen soll, die genauen Kriterien und die Gewichtung für die Nutzwertanalyse festlegen. Die von der Stadt Bergen mit dem Realisierungsvariantenvergleich beauftragte DKC Kommunalberatung empfiehlt, dass die Nutzwertanalyse schließlich 40 Prozent der Gesamtbewertung ausmacht, die wirtschaftliche Berechnung soll zu 60 Prozent in die Kosten-Nutzen-Rechnung eingehen.

Katja Tank wünscht sich Entscheidung zur Hinrich-Wolff-Schule

"Wir wünschen uns eine Entscheidung, damit wir planen können", sagte Tank auf CZ-Nachfrage. "Die Schule ist gerade dabei, sich pädagogisch und organisatorisch zu verändern." Die Schulleiterin präferiert einen Neubau. "Dann wären wir keine Flurschule mehr, sondern eine Clusterschule", so Tank. "Das ist die pädagogische Zukunft." Sie wisse aber auch, dass viele emotionale Erinnerungen an dem Gebäude der Hinrich-Wolff-Schule hängen würden.

Zieht Verwaltung der Stadt Bergen in die Hinrich-Wolff-Schule?

Sollte sich der Berger Stadtrat für einen Neubau der Grundschule – voraussichtlich im neuen Baugebiet Heisterkamp Süd – entscheiden, wäre eine Option, dass die Verwaltung, die derzeit im Rathaus, Am Museum 3 sowie an der Harburger Straße untergebracht ist, in das heutige Gebäude der Hinrich-Wolff-Schule zieht. Aber passt das überhaupt? Michael Schultze-Rhonhof von der DKC Kommunalberatung antwortete mit einem klaren Ja. In allen Varianten würden die benötigten Flächen zur Verfügung stehen.

Im Gebäude der Hinrich-Wolff-Schule könnten 35 Arbeitsplätze im Erd- und 36 im Obergeschoss eingerichtet werden, wenn die Verwaltung hier einziehen würde. Der heutige Musikraum unter dem Dach könnte Sitzungssaal werden. Aber: "Die Barrierefreiheit ist in keiner Weise gegeben", so Schultze-Rhonhof. Selbst wenn man einen Aufzug und Rampen installieren würde, wäre ein Teilbereich nicht barrierefrei.

Ist Standort für Grundschule am Heisterkamp sinnvoll?

Zurück zur Schule: Petra Rabe (SPD) stellte den möglichen Standort eines Neubaus mit Blick auf die neue Kindertagesstätte Beethovenstraße auf der anderen Seite der B3 in Frage. Peter Meinecke (CDU) betonte, dass die Innenstadtentwicklung Berücksichtigung in der Entscheidung finden müsse. Wo soll Bergens Herz schlagen?

Kommentar: Fokus

Die Hinrich-Wolff-Schule ist sanierungsbedürftig– das ist seit Jahren bekannt. Erfreulicherweise wird das Thema „Zukunft der Grundschule“ nun endlich zwischen Verwaltung und Politik diskutiert. Eine zeitnahe Entscheidung sei man den Kindern und der Gesellschaft schuldig, sagt Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller. Dementsprechend hat die Verwaltung nun den von der Politik geforderten Variantenvergleich angeschoben. Wenn das Ergebnis vorliegt, ist einswichtig: Eine Entscheidung für die bestmögliche Grundschule– unabhängig von der Frage, wo der beste Standort für das Rathaus ist.

Bergens Kinder sollen in einem Umfeld lernen können, das den heutigen pädagogischen Ansprüchen gerecht wird.Das kann in dem sanierten Gebäude der Hinrich-Wolff-Schule geschehen, wenn dieses einen Anbau erhält. Ein Neubau scheint allerdings auf den ersten Blick noch mehr Vorteile mitzubringen– zumindest was die Umsetzung des pädagogischen Konzeptes angeht. Die neuen Räume könnten entsprechend geplant werden.

Wenn die Politik– im Sinne der Kinder– ihre Entscheidung zur Grundschule getroffen hat, erst dann sollte sie sich der Frage um das Rathaus widmen. Das heißt nicht, dass nicht jetzt schon alle Varianten untersucht werden sollen. Das ist absolut sinnvoll. Doch, das darf nicht dazu führen, den Fokus zu verlieren. Ausgangspunkt ist, dass die Grundschüler ein modernes Lernumfeld benötigen.