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Einkaufen im Landkreis Celle: Corona bringt Alltag im Baumarkt durcheinander

08:00 02.05.2021
Von Marie Nehrenberg-Leppin
Im Baumarkt Hoopmann und Ritterbusch gingen in den vergangenen Wochen viele Bestellungen ein. Mitarbeiter Stefan Müller (Mann mit Telefon) muss dabei ganz genau hinhören, um ja nichts falsch zu verstehen.
Im Baumarkt Hoopmann und Ritterbusch gingen in den vergangenen Wochen viele Bestellungen ein. Mitarbeiter Stefan Müller (Mann mit Telefon) muss dabei ganz genau hinhören, um ja nichts falsch zu verstehen. Quelle: Oliver Knoblich
Bergen

Stefan Müller hat die Arme voller Holzbretter. Er bahnt sich seinen Weg durch den Verkaufsraum bis zum Eingang des Berger Baumarkts „Hoopmann und Ritterbusch“. Gerade angekommen klingelt sein Telefon. Am anderen Ende meldet sich der Kunde, für den er gerade die Bretter zusammengesucht hat. Er hätte noch einmal nachgedacht und bräuchte doch die doppelte Menge, als zunächst bestellt. Also noch einmal zurück und Nachschub holen. Eine Situation, die in den vergangenen Wochen den Arbeitsalltag Müllers zusammenfasst. „Durch ‚Click-und Collect‘ habe ich die meiste Zeit des Tages entweder am Telefon verbracht oder bin von A nach B gesprintet, um die Bestellungen zusammenzusuchen“, sagt er.

Click an Meet dank Inzidenz unter 100 in Celle

Seit Montag hat sich die Lage zumindest ein bisschen entspannt. Da der Landkreis aktuell eine Inzident unter 100 aufweist, dürfen Kunden wieder mit vorheriger Anmeldung in den Baumarkt an der Bahnhofstraße. Geschäftsführer Mark Ritterbusch ist froh darüber. „Die vergangene Zeit war heftig“, sagt er.

Im Baumarkt Hoopmann und Ritterbusch gingen in den vergangenen Wochen viele Bestellungen ein.

Zwar sei „Click und Collect“ gut angenommen wurden, aber es sei für die Mitarbeiter auch sehr aufwändig gewesen. „Das größte Problem an der ganzen Sache ist, dass sich viel Kunden am Telefon nicht richtig ausdrücken können. Das geht dann beispielsweise so: Ich hätte gerne Holz. Was für Holz und wie viel denn? Naja, ich will einen Bilderrahmen bauen. Dann müssen wir quasi erraten, was der Kunde genau plant. Kommt er dann zur Abholung, ist das Holz dann aber oft doch zu dunkel oder zu schmal oder was auch immer.“

Verständigungsprobleme am Telefon

Mitarbeiter Stefan Müller hat deswegen inzwischen gelernt, ganz genau hinzuhören. „Ich arbeite inzwischen seit 15 Jahren hier in diesem Bereich. Dadurch gelingt es mir in vielen Fällen heraus zu hören, was die Kunden tatsächlich möchten“, sagt er. Er hat sich angewöhnt, lieber zweimal nachzufragen.

Im Baumarkt Hoopmann und Ritterbusch gingen in den vergangenen Wochen viele Bestellungen ein.

„Ich möchte im Telefonat ganz genau wissen, wieviel Material benötigt wird, wie groß es sein muss und wie es im besten Fall aussehen soll. Was geplant ist. Man muss hier immer einen Schritt weiterdenken und sich in den Kunden hineinversetzen. Dann kann man ein bisschen Zeit sparen und muss nicht ganz so oft hin und her laufen.“

Baumaterial wird knapp

Neben den mitunter stressigen Arbeitsabläufen kämpft der Baumarkt dieser Tage mit Material-Knappheit. Einige Stoffe sind wegen der weltweiten Ausnahmesituation nicht lieferbar, andere deutlich teurer als gewohnt. Betroffen sind Dämmstoffe, Holzprodukte, aber auch Farben und Metall. „Die Ursache für die Materialknappheit bei Baustoffen ist eine Verkettung mehrerer Ereignisse“, berichtet Ritterbusch. „Große Produktionswerke des Rohstoffs Styrol, der für die Produktion von Dämmstoffen gebraucht wird, sind oder waren lange dicht. Styropor ist zum Beispiel solch ein Produkt. Und das wird sowohl auf gewerblichen, wie auch auf privaten Baustellen häufig zuerst verbaut.“ Eine frustrierende Situation für den Unternehmer. „Die Nachfrage ist da, aber wir können den Markt aktuell nicht so bedienen, wie wir es gern würden.“

Im Baumarkt Hoopmann und Ritterbusch gingen in den vergangenen Wochen viele Bestellungen ein.

Luca-App erleichtert Anmeldung

Am Eingangsbereich des Baumarktes steht seit Montag ein Schild, welches darauf hinweist, dass die Kundschaft sich mit der Luca-App registrieren kann. Eine Alternative zu der Zettelwirtschaft und in absehbarer Zeit eine Erleichterung. Hofft zumindest Ritterbusch: „Viele Kunden bleiben weg, weil sie keine Lust haben, erst hunderte von Zetteln auszufüllen. Das ist abschreckend und das kann ich selbst sogar gut verstehen.“ Mithilfe der Luca-App muss zukünftig nur noch ein personalisierter QR-Code gescannt werden. Der Praxistest zeigt: Es dauert tatsächlich nur wenige Sekunden und bedeutet – einmal installiert – keinen nennenswerten Mehrraufwand für Kunden und Mitarbeiter.

Änderungen in Corona-Verordnung sind unübersichtlich

Was allerdings neben erhöhter Telefonbereitschaft zu Mehrarbeit führt, sind die ständigen Änderungen in der Corona-Verordnung. „Das macht uns langsam kirre“, berichten die Geschäftspartner Hoopmann und Ritterbusch. „Wir sitzen mitunter ganze Nachmittage da und recherchieren, was wir jetzt genau bei welchen Zahlen und Eventualitäten dürfen. Man kommt inzwischen einfach nur noch durcheinander. Durch das ganze Hin und Her haben wir definitiv mehr zu tun, während der Umsatz deutlich geringer ist.“

Karl-Heinz Ebeling (Mann mit Einkaufswagen) ist hingegen froh, dass er wieder vor Ort stöbern kann. Einkaufen via Telefon ist nichts für ihn.

Kunden stöbern am liebsten vor Ort

Der Berger Karl-Heinz Ebeling ist einer der ersten Kunden nach der Wiederöffnung. Er hat von einem Bekannten zufällig erfahren, dass der Baumarkt wieder für Privatkunden zugängig ist. „Click und Collect“ hat er bisher nicht genutzt. „Ach dieses ganze telefonische Bestellen, das ist nicht so mein Ding. Ich weiß dann gar nicht, wie ich mich ausdrücken soll. Ich habe es lieber, mir vor Ort ein Bild zu machen und dabei einfach ein bisschen zu stöbern“, sagt er. In seinem Einkaufswagen liegen bislang lediglich zwei Ersatzklingen fürs Cutter-Messer. „Ich bin bislang ganz gut mit meinen Sachen hingekommen, aber die Klinge war nun tatsächlich stumpf. Und da man ja heutzutage nicht genau voraussehen kann, wie lange man vor Ort einkaufen kann, kaufe ich sicherheitshalber gleich mal zwei Stück.“

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