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Ausbildung zum Landschaftsgärtner im Landkreis Celle

17:49 02.02.2021
Von Svenja Gajek
Landschaftsgärtner müssen ordentlich anpacken können: Christian Schäfer macht die teils anstrengende Arbeit Spaß, er ist gern an der frischen Luft.Eine seiner vielen Aufgaben ist das Verlegen von Terrassenplatten.
Landschaftsgärtner müssen ordentlich anpacken können: Christian Schäfer macht die teils anstrengende Arbeit Spaß, er ist gern an der frischen Luft.Eine seiner vielen Aufgaben ist das Verlegen von Terrassenplatten. Quelle: Oliver Knoblich
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Bergen

Bei diesem Job sind ein grüner Daumen und Kreativität gefragt. Landschaftsgärtner packen ordentlich an und leben ihre Leidenschaft fürs Grüne aus. Christian Schäfer ist im ersten Ausbildungsjahr und kann schon ganz gut mit Schaufel, Harke und Radlader umgehen. Er arbeitet bei der Firma Haase Garten- und Landschaftsbau in Bergen und fühlt sich dort sehr wohl. Dabei kommt er eigentlich aus einem ganz anderen Bereich.

Landschaft gestalten

Der 23-Jährige lernt, wie man Privatgärten, Parks, Sport- und Spielplätze anlegt. Bisher hat er sich vor allem mit dem Bauen beschäftigt. Er bereitet den Boden vor, setzt Winkelstützen und pflastert. Manchmal bedient er auch schwere Maschinen. In nächster Zeit wird sich der Auszubildende intensiver mit den Pflanzen beschäftigen. Beim Garten- und Landschaftsbau stehen Gehölze und Bäume im Mittelpunkt.

Mit dem Plattenlegerhammer klopft Christian Schäfer die Terrassenplatten fest. Quelle: Oliver Knoblich

Arbeiten an der frischen Luft gefällt Schäfer gut

Schäfer spielt Fußball beim SSV Südwinsen. Ein Vereinskollege hat ihn auf die Ausbildung aufmerksam gemacht. Zunächst hat er ein einwöchiges Praktikum bei Haase absolviert. Er konnte mit seiner Leistung überzeugen und durfte die Ausbildung im August vergangenen Jahres beginnen. "Ich habe schon in anderen Landschaftsbau-Firmen ausgeholfen", sagt Schäfer. "Mir liegt das Arbeiten an der frischen Luft."

Kein Typ für einen Bürojob

Der junge Mann hat sich nach dem Abitur zum Bankkaufmann ausbilden lassen und auch schon einige Zeit in dem Bereich gearbeitet. "Ich hatte mich mit Handwerksberufen damals noch gar nicht befasst", so Schäfer. "Das typische Klischee ist ja, dass man nach dem Abitur studiert und eher einen Bürojob anfängt. Aber ich habe bald gemerkt, dass mir das keinen Spaß macht. Das ständige Rumsitzen ist nichts für mich." Den neuen Beruf wollte er von Grund auf lernen und hat sich deshalb für eine zweite Ausbildung entschieden.

"Wir lassen immer etwas Neues entstehen", sagt Sabrina Haase, Ausbildungsbetreuerin bei der Firma Haase Garten- und Landschaftsbau in Bergen. Quelle: Oliver Knoblich

Nichts für Frostbeulen

"Wetterfest sollte man auf jeden Fall sein, wenn man Landschaftsgärtner werden möchte", erklärt Ausbildungsbetreuerin Sabrina Haase. "Man ist ständig draußen, sowohl bei Hitze im Hochsommer als auch bei Regen im Herbst und klirrender Kälte im Winter." Teamfähigkeit wird hier – wie bei vielen anderen Berufen auch – großgeschrieben. "Wir arbeiten in Kolonnen. Die Kollegen müssen sich immer gut absprechen", so Haase. Nicht zuletzt sei die Liebe zur Natur entscheidend: "Das ist ein grüner Beruf, der sehr vielfältig ist. An jedem Tag erlebt man etwas anderes. Das Schöne an unserer Tätigkeit ist, dass wir die Landschaft gestalten und immer etwas Neues entstehen lassen können."

"Man sieht, was man getan hat"

Den körperlichen Aspekt dieses Berufes sollte man nicht unterschätzen. "Das Pflastern zum Beispiel kann schon anstrengend werden, wenn man sich den ganzen Tag damit beschäftigt", sagt der Auszubildende. Beim Anlegen eines Gartens gibt es aber zwischendurch noch andere Aufgaben zu erledigen, wie das Ansäen des Rasens. Zudem wechseln sich die Kollegen in einer Kolonne bei den Aufgaben ab. "Wir haben an der Bult in Hannover einen ganzen Haupteingang neu gestaltet", erzählt Schäfer. "Da ist man als Azubi auch ein bisschen stolz, dass man daran mitgearbeitet hat." Er liebt die harte Arbeit und hat keine Scheu davor, sich die Hände schmutzig zu machen: "Am Ende des Tages sieht man, was man getan hat." Schwierig werde es immer, wenn sich die Pläne der Architekten nicht eins zu eins umsetzen lassen. Dann sei Improvisationstalent gefragt.

Christian Schäfer darf mit großen Maschinen hantieren, wie dem Radlader. Quelle: Oliver Knoblich

Berufsschule in Uelzen

Schäfer geht in Uelzen an der Georgsanstalt zur Berufsschule. Einmal in der Woche findet der Unterricht statt – Corona-bedingt zurzeit online. Auf Lehrgängen wird Wissen über Pflanzen, Maschinen und Baumaterialien vermittelt. Einmal im Monat berichten sich die Auszubildenden gegenseitig von ihren Erfahrungen. Zur Vertiefung des gelernten Stoffes stellt dann jeder eine Pflanze vor.

Meister oder Techniker

Schäfer möchte nach Abschluss seiner Ausbildung die Meisterschule besuchen. Betriebswirtschaft, Kundenkontakt, das Schreiben von Angeboten und die Auftragsabwicklung spielen dann ebenso eine Rolle wie das praktische Arbeiten. Aber auch die Weiterbildung zum Techniker steht Landschaftsgärtnern offen. Techniker koordinieren die Arbeitsabläufe auf den Baustellen untereinander und mit der Betriebsleitung oder dem Innendienst. "Am liebsten will ich hier im Betrieb bleiben. Bisher kann ich mich nicht beschweren", sagt Schäfer und grinst.

Nachgefragt bei Werner Behrens

Quelle: Georgsanstalt/BBS 2 Uelzen

Werner Behrens ist Bildungsgangleiter des Bereiches Gartenbau und Floristik an der Georgsanstalt/Berufsbildende Schulen 2 in Uelzen.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Gärtner?

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, kann bei guten Leistungen in Theorie und Praxis auch auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Für Umschüler und Abiturienten besteht mit dem Start im zweiten Ausbildungsjahr auch die Möglichkeit einer zweijährigen Ausbildung.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?

In der Berufsschule werden die Auszubildenden in Lernfeldern unterrichtet, die die besondere Vielfalt, die in diesem Beruf steckt, widerspiegeln. Nach der Vermittlung der Grundlagen in Botanik, Bodenkunde und wirtschaftlichen Zusammenhängen geht es in der Bautechnik um den Materialeinsatz und die Arbeitsabläufe beim Wege-, Mauer-, Treppen-, Teich- und Holzbau. In der Vegetationstechnik dreht sich alles um die Pflanze, das Kennenlernen, den Einsatz und die Pflege vom Großbaum über Ziersträucher, Stauden bis hin zur Rasen- oder Wildblumenfläche sowie der Dach- und Fassadenbegrünung. Außerdem geht es um die Organisation von Baustellenabläufen und technische Erfordernisse beim Maschineneinsatz auf der Baustelle und bei der Pflege.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Nach zwei Jahren Ausbildungszeit testen die Auszubildenden im Rahmen einer Zwischenprüfung ihren Ausbildungsstand. Im theoretischen Teil schreiben sie drei Klausuren und zeigen ihre Pflanzenkenntnisse. Beim Bau des praktischen Gewerks werden Kantensteine gesetzt, Pflaster und Platten gelegt, eine Pflanzung angelegt und Rasen eingesät. Auf überbetrieblichen Lehrgängen und Berufswettbewerben können die Auszubildenden zusätzlich ihren Leistungsstand messen. Bei der Abschlussprüfung kommt zu den beschriebenen Prüfungsteilen ein mündliches Prüfungsgespräch hinzu.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Die Ausbildung zum Gärtner ist für junge Menschen geeignet, die gerne anpacken und draußen arbeiten, Spaß an körperlicher Herausforderung haben und Arbeitsabläufe organisieren können. Sie sollten Interesse an Vorgängen und Zusammenhängen in der Natur haben und neben handwerklichem Geschick technisches sowie mathematisches Verständnis mitbringen.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind für gelernte Gärtner sehr gut. Der Garten- und Landschaftsbau ist ein Wirtschaftsbereich, der sich in den vergangenen Jahren sehr stark weiterentwickelt hat. Vielfältige Wege, zum Beispiel Weiterbildung zum Meister, Techniker, Fachagrarwirt, Baumpfleger, Greenkeeper oder ein Besuch der Fachoberschule mit anschließendem Studium, stehen den jungen Fachkräften nach der Ausbildung offen.

Wie viele Auszubildende gibt es momentan im Bildungsgang Gartenbau und Floristik an der Georgsanstalt in Uelzen?

Zurzeit gibt es an der Georgsanstalt 48 Gärtner und 10 Werker im ersten Ausbildungsjahr, 44 Gärtner und 13 Werker im zweiten Ausbildungsjahr sowie 40 Gärtner und 11 Werker im dritten Ausbildungsjahr. Das sind insgesamt 166 Auszubildende.

Steckbrief Gärtner im Galabau (Garten- und Landschaftsbau)

Was macht man in diesem Beruf?

Gärtner der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau gestalten zum Beispiel Gärten und Parkanlagen durch fachgerechtes Anpflanzen von Rasen, Bäumen, Büschen, Stauden und Blumen. Sie legen Außenanlagen aller Art an, von Hausgärten, Terrassen und Parks über Spiel- und Sportplätze bis hin zu Verkehrsinseln, und nehmen Begrünungen an Verkehrswegen und in Fußgängerzonen vor. Auch die Wege und Plätze der jeweiligen Anlagen pflastern sie, bauen Treppen, Trockenmauern, Zäune und Lärmschutzwände. Außerdem begrünen sie Dächer oder Fassaden. Zum Umwelt- und Naturschutz tragen sie bei, indem sie Mülldeponien oder Kiesgruben rekultivieren.

Wo arbeitet man?

Gärtner der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau finden Beschäftigung

• in Fachbetrieben des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus

• in städtischen Gärtnereien

Arbeitsorte:

Gärtner der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau arbeiten in erster Linie im Freien.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss oder Hauptschulabschluss ein.

Worauf kommt es an?

Anforderungen:

• Geschicklichkeit (zum Beispiel beim Pflanzen von Stauden, Sträuchern, Blumen und Bäumen)

• Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt (zum Beispiel beim Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, bei der Absicherung von Baustellen)

• Umsicht und Auge-Hand-Koordination (zum Beispiel beim Führen von Maschinen und Fahrzeugen)

• Kundenorientierung (zum Beispiel bei der Kundenberatung)

• Flexibilität (zum Beispiel Tätigkeit auf wechselnden Baustellen, wechselnde Arbeitsaufgaben)

Wichtige Schulfächer:

• Biologie/Chemie (zum Beispiel bei der Beurteilung der Pflanzen- oder Bodenqualität beziehungsweise der Auswahl von Düngemitteln und -verfahren)

• Mathematik (zum Beispiel bei Vermessungen oder Flächenberechnungen)

• Werken/Technik (zum Beispiel für den Einsatz und die Instandhaltung von Maschinen, Geräten und technischen Einrichtungen)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:

• 1. Ausbildungsjahr: 900 Euro

• 2. Ausbildungsjahr: 1000 Euro

• 3. Ausbildungsjahr: 1100 Euro

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