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Bergen Stadt 75 Jahre Hegering Bergen
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt 75 Jahre Hegering Bergen
12:57 13.06.2010
Bergen Stadt

Die Historie des Hegeringes Bergen

Der Hegering Bergen feiert sein 75-jähriges Bestehen. Das ist richtig, denn er wurde im Jahre 1934 gegründet. Kurios daran ist allerdings, dass ein genaues Gründungsdatum ungewiss ist. So wird also jetzt quasi der Jahrestag der Geburt gefeiert, ohne den eigentlichen Geburtstag zu kennen. „Das macht gar nichts“, sagt Hegeringleiter Rolf Majehrke und sicher hat er damit Recht.

Übrigens schloss das Schreiben des damaligen Kreisjägermeisters, das die Gebiete festlegte, mit einem zweifachen Heil. Zum einen wurde mit dem traditionellen „Weidmannheil“ unterzeichnet, aber darüber war das ein Jahr zuvor eingeführte „Heil“ zu lesen.

Die Geschichte des Hegerings nachzuvollziehen ist ein mühseliges Unterfangen, denn es gibt kaum schriftliche Aufzeichnungen, Fotografien fehlen ebenso wie eine durchgehende Chronik. Immerhin ist die bisherige Entwicklung der weidmännischen Gemeinschaft offenkundig sehr harmonisch und kontinuierlich abgelaufen. Das lässt sich aus der Tatsache ablesen, dass in dem Dreivierteljahrhundert seines Bestehens der Hegering erst vier Leiter hatte. Auf den noch vom Kreisjägermeister bestimmten Vertrauensmann Hermann Wrogemann aus Hohne, der zum ersten Leiter wurde, folgte Alfred Neumann. Als dritter Leiter bestimmte Werner Ohlhoff aus Siddernhausen lange Zeit die Geschicke des Hegerings Bergen. Seit 1999 steht Rolf Majehrke aus Offen dem Hegering vor und ist somit erst der vierte in der kurzen Liste der Hegeringleiter.

Seit dem Beginn der 60er Jahre betätigen sich einige Mitglieder des Hegerings Bergen sportlich als aktive Jagdschützen. Sie haben eine Gruppe gegründet und nehmen an diversen Wettbewerben und Meisterschaften teil. Einer von ihnen, nämlich Hans-Heinrich von der Kammer, wurde im Jahr 1968 sogar Deutscher Mannschaftsmeister im Tontaubenschießen.

Im Jahre 1970 erfolgte die Gründung der Bläsergruppe des Hegerings Bergen. Heinrich Timme sen. war der erste Obmann und musikalische Leiter dieser Gemeinschaft. Heute ist das Amt getrennt und Willy Otte ist musikalischer Leiter. Wie es für echte Weidmänner wohl stilvoll ist, verlegen die 18 Mitglieder ihre Übungsstunden während der wärmeren Jahreszeit in den Forst.

Im Jahr 1934 wurde der Landkreis Celle durch den Kreisjägermeister aufgeteilt in neun Bezirke, die fortan Hegeringe bildeten. Rein ordnungszahlmäßig war Bergen die Nummer Drei und umfasste seinerzeit eine Fläche von 18000 Hektar. Doch schon ein Jahr später wurde das Gebiet drastisch auf die Hälfte verkleinert.

Ursache war die Anlage des Truppenübungsplatzes Bergen, die 1935 begann und für den einzelne Ortschaften große Teile ihres Bodens abtreten mussten. Heute umfasst der Hegering Bergen noch Ländereien von rund 9000 Hektar. Es ist wildreiches Gebiet, in dem vorzugsweise Reh-, Rot- und Schwarzwild vorkommt, aber auch Damwild ist zu sehen als Wechselwild. Darüber hinaus leben hier Hasen und Rebhühner in nennenswerter Anzahl. Die Rebhühner werden allerdings in freiwilligem Verzicht nicht mehr bejagt, weil ihr Vorkommen zurückging.

Rolf Majehrke trat dem Hegering Bergen 1982 bei. Als Aufgaben des nunmehr von ihm geleiteten Rings nennt er vorrangig das Bewirtschaften des Wildes. Unter diesem Begriff ist in erster Linie der Abschuss von Wild zu verstehen. Da heute kaum noch natürliche Feinde die Zahl heimischer Wildtiere regulieren, müssen Jäger eingreifen. Die Wildpflege setzt jedoch schon früher an, indem sie Jungtieren und Niederwild durch Anlegen von Hegebüschen und Heckenstreifen Unterschlupf anbietet. Die sind in der weitgehend freigeräumten Kulturlandschaft von großer Wichtigkeit. Eine andere bedeutende Aufgabe des Hegeringes besteht in der Weiterbildung seiner Mitglieder. Dazu dienen Vorträge und sonstige Veranstaltungen, in denen Experten wie etwa Tierärzte fachliches Wissen vermitteln und über neueste Erkenntnisse referieren. Gleichberechtigt neben den vorgenannten Obliegenheiten rangiert die Öffentlichkeitsarbeit. Sie soll allgemeinverständlich über die Natur und die einzelnen Aspekte des Zusammenwirkens von Mensch, Tier und Umwelt informieren. Das geschieht auf vielfältige Weise durch Hegeschauen, Ausstellungen oder im Besonderen mittels des Waldklassenzimmers. Letztlich pflegt der Hegering Bergen die Kameradschaft und das Gemeinschaftserleben.

Rolf Majehrke ist in der glücklichen Lage, sich wenig Sorgen über den Nachwuchs machen zu müssen. Wohl räumt er ein: „Man muss sich eben Mühe geben, die Jugend zu begeistern“. Der Hegeringleiter stellt jedoch klar heraus: „Natürlich wird es den Hegering Bergen noch in den nächsten 75 Jahren geben, da bin ich mir sicher“.

Nicht alle sind passionierte Jäger, wohl aber die meisten. Einig sind sich die 160 Mitglieder des Hegerings Bergen in der Liebe zur Natur. „Ich habe viel für die Natur übrig“, sagt Rolf Majehrke. Er leitet seit zehn Jahren den Hegering, der in diesem Jahr auf sein 75-jähriges Bestehen zurückblicken kann.

Die Bläsergruppe des Hegerings Bergen musiziert vor dem Waldklassenzimmer.

Festprogramm

Sonnabend, 7.

November,

18.30 Uhr Hubertus-Gottesdienst in die St.-Lamberti-Kirche in Bergen

Er wird musikalisch von der Bläsergruppe des Hegerings und der Jägerschaft Celle umrahmt.

Sonnabend,

14. November

Jubiläumsball des

Hegerings im Stadthaus Bergen

Programm

ab 18 Uhr Sektempfang

18.30 Uhr Begrüßung durch Hegeringleiter Rolf Majehrke

18.45 Uhr Großes Jubiläums buffet

ab 21.30 Uhr Tanz bis in den Morgen mit „Hit Express“

Kontakt

Hegering Bergen

Hegeringleiter

Rolf Majehrke

Neuer Damm 13

29303 Bergen-Offen

s (05051) 4171

oder

Bahnhofstraße 10

29303 Bergen

s (05051) 4550

Fax: (05051) 5758

info@waffen.alms.de

Waldklassenzimmer vermittelt Wissen über heimische Natur

Im kleinen Waldstück nördlich von Wohlde befindet sich das so genannte „Waldklassenzimmer“, eine Einzigartigkeit, die der Hegering Bergen geschaffen hat. Rein äußerlich wird es bestimmt durch eine knapp fünf Meter hohe Pyramide aus Holz. In ihr ist ein Raum, der gern als eine Art Klassenzimmer genutzt wird, weil hier Vorträge gehalten und Informationen gegeben werden. Der Eindruck eines Schulgebäudes wird verstärkt durch rustikale Bänke und Tische vor dem spitzen Holzbau. Ein kleiner Teich als Biotop sowie Informationstafeln und Anschauungsmaterial in unmittelbarer Nähe runden das Ganze ab.

Erste Planungen dazu begannen um die Jahrtausendwende. „Wir sehen eine unserer Aufgaben darin, Informationen über die Natur, insbesondere das Zusammenleben und -wirken von Mensch und Natur zu vermitteln“, erinnert sich heute Hegeringleiter Rolf Majehrke an seinerzeitige Überlegungen. Er verweist darauf, dass vielfach unter Jüngeren die Kenntnisse darüber recht spärlich sind. „Oft wird einfach angenommen, das Reh ist die Frau und der Hirsch der Mann“, sagt Majehrke. „Wie eine Elster aussieht, ist nicht allgemein bekannt“, nennt der Leiter ein weiteres Beispiel. Dem Unwissen wollte der Hegering mit fachlich fundierten und anschaulich vermittelten Informationen entgegenwirken.

So wurde der Bau beschlossen und im Jahre 2001 mit viel Eigeninitiative begonnen. Nach gut zweijähriger Bauzeit konnte der Komplex als „Waldklassenzimmer“ eröffnet werden. Es steht offen für Kindergärten und Klassen, wobei die Unterstufen das Gros der Besucher stellen. Pro Jahr kommen durchschnittlich 650 Kinder und Jugendliche hierher. Sie sind jedoch nicht die einzigen Besucher. Nach vorheriger Anmeldung können auch Privatpersonen und Gruppen das Waldklassenzimmer benutzen.

Rolf Majehrke freut sich, dass sich so viele junge Leute im Waldklassenzimmer über Abläufe in der Natur informieren lassen. Er sieht darin neben der allgemeinen Wissensvermittlung noch einen zweiten Effekt: „Das ist gut für die Nachwuchsgewinnung“.

Hegeringmitglieder und Schüler reinigen gemeinsam den Wald.

Tatkräftiger

Einsatz

Kreisjägermeister Hans Knoop: „Der Hegering Bergen ist eine sehr aktive Gemeinschaft. Wenn mal Hilfe gebraucht wird, dann sind immer genug Leute dieses Hegerings dazu bereit und setzen sich persönlich mit Tatkraft ein.“

Überzeugter

Naturschützer

Jungjägerausbilder Heiner von der Kammer: „Ich bin Mitglied im Hegering Bergen, weil ich Jäger aus Passion bin und ganz besonders Naturschützer aus tiefster Überzeugung. Darüber hinaus bin ich ambitionierter Jagdschütze auf Wurfscheiben.“

Mit der Jagd groß geworden

Musikalischer Leiter der Bläsergruppe Willy Otte: „Ich bin mit der Jagd groß geworden. Als engagierter Naturliebhaber und Landwirt, aber ebenso als passionierter Jäger war es für mich selbstverständlich, dem Hegering Bergen beizutreten.“

Von Udo Genth