Rassenideologie bei den Nazis reichte bis in den Waldbau. „Die Douglasie war in dieser Zeit verpönt und wurde nicht angebaut“, erzählt Volker Schulte, Leiter des Forstamtes Celle. Denn diese Baumart wird meist dem nordamerikanischen Raum zugeschrieben.
Inzwischen sind nicht mehr verquere Rassentheorien, sondern Umwelt- und Wirtschaftsinteressen der Leitfaden für den Waldbau und wird in den kommenden Jahrzehnten die Celler Forste verändern. Als vor 200 Jahren Heideflächen wieder bewaldet wurden, „wählte man oft die Kiefer, denn sie ist ein sehr robuster Baum, der mit Hitze und Frost gut zurecht kommt“, erklärt Schulte. Bis in die 50er Jahre dieses Jahrhunderts wurde sie gepflanzt. Jetzt ist es Zeit, einen Generationswechsel herbeizuführen. Und da kommt die Douglasie ins Spiel. „Wirtschaftlich ist sie für Waldbauern interessanter“, sagte Schulte. Eine der größten Douglasien steht in Feuerschützenbostel auf dem Gelände von Hans-Jürgen von Harling. „Sie kam 1887 mit der ersten Lieferung aus Amerika“, erzählt Harling. Sie ist etwa 30 Meter hoch und hat einen Umfang in Brusthöhe von 3,90 Meter.
Nicht alle Bäume werden so groß, aber die Douglasie ist lukrativ weil sie gerade bei Gartenbesitzern gefragt ist. „Das Holz ist resistent gegen Schädlinge und hat gleichzeitig eine schöne Farbe“, sagt Matthias Harling vom Sägewerk in Eversen.
Allerdings wird deshalb nicht Monokultur den Wald dominieren. Die Förster raten zur breiteren Aufstellung. 50 Prozent Buche, 50 Prozent Douglasie ist laut Schulte ein Richtwert. „Wenn der Boden schlechter ist, werden mehr Douglasie gepflanzt und umgekehrt“, erklärt Schulte. Die Kiefer aber wird über die Jahre deutlich weniger zu finden sei, auch wenn sie laut Schulte immer noch ihre Ecken im Landkreis hat.
Dass die Douglasie an Bedeutung gewinnt, hängt auch mit dem Klimawandel zusammen. „Der Klimawandel gefährdet die Waldwirtschaft“, sagte Forstdirektor Martin Hillmann, Leiter des Geschäftsbereichs Forstwirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen kürzlich bei einer Veranstaltung der Leader-Region Lachte-Lutter-Lüß in Eschede. Und bei den Anpassungsstrategien der Forstwirtschaft spielt die Douglasie eine Rolle.
Standortangepasste und klimaangepasste zuwachsstarke Baumarten auszuwählen, riet Hillmann den Forstwirten in der Region. Während bei höheren Durchschnittstemperaturen mit Trockenheit und Hitzewellen im Sommer, geringeren Niederschlägen im Sommer und höheren Niederschlägen im Winter sowie einer Zunahme der Sturmereignisse bei Fichten und Lärchen höhere Anfälligkeiten zu erwarten sind, kommen Douglasie und bei den Laubhölzern Rot- und Traubeneiche sowie Birke mit den Änderungen gut zurecht. „Der Fichtenanbau im größten Teil Niedersachsens wird als kritisch betrachtet“, sagte Hillmann.
Der Forstexperte machte deutlich, dass der Wald die Folgen des Klimawandels mildern kann, indem er direkt oder über Holzprodukte als CO2-Senke dient. Der Wald kann diese Funktion als Senke aber nur erfüllen, wenn alte Bäume, bei denen der Zuwachs nur noch gering ist, entnommen werden und der Wald verjüngt wird.
In diesem Zusammenhang plädierte Hillmann für eine Intensivierung der energetischen oder stofflichen Nutzung von Holz. Ein starkes Argument im waldreichen Landkreis Celle sei zum Beispiel der Einbau von Holzfenstern. Gefördert werden müssten auch die Vermarktungsmöglichkeiten für Holz.
Von Tore Harmening