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Pia Schneeweiss absolviert eine Ausbildung zur Holzbearbeitungsmechanikerin

13:00 28.08.2021
Pia Marit Schneeweiss macht ihre Ausbildung im Sägewerk Harling in Eversen.
Pia Marit Schneeweiss macht ihre Ausbildung im Sägewerk Harling in Eversen. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Eversen

„Ich stehe morgens um vier Uhr auf“, sagt Pia Marit Schneeweiss und erntet damit oft Anerkennung und bewundernde Blicke derjenigen, die ihr zuhören. „Die sind immer alle ganz erstaunt, dass ich das schaffe.“ Dabei ist der jungen schlanken Frau das frühe Aufstehen besonders in den ersten vier Wochen durchaus schwer gefallen: „Mittlerweile hab ich mich dran gewöhnt.“

Kaum Frauen in ihrem Beruf

Die 18-jährige Ahnsbeckerin fährt frühmorgens in ihrem kleinen blauen Auto bis nach Eversen. Dienstbeginn im Sägewerk Harling ist um sechs Uhr. Hier erlernt sie seit gut einem Jahr den Beruf der Holzbearbeitungsmechanikerin. Ausbildungsabschluss ist im Jahr 2023. „In diesem Beruf bin ich als Frau allein auf weiter Flur“, hat Schneeweiss festgestellt. „Sowohl hier im Unternehmen, als auch in der Berufsschule, die im Blockunterricht in der Holzfachschule Bad Wildungen realisiert wird. Das sind immer fünfeinhalb Wochen am Stück. – Da brauch ich wenigstens nicht so früh aufzustehen…“

Seit fast 80 Jahren werden in der Schule junge Leute ausgebildet. „Was als klassische Ausbildungsstätte für Sägewerker begann, ist heute eines der führenden Innovations- und Kompetenzzentren der europäischen Holzwirtschaft“, wird die Ausbildungsstätte im Internet beschrieben. „Ob Berufseinsteiger oder erfahrener Meister, ob Sägewerker, Tischler, Modellbauer, Holzhändler, Forstwirt oder Zimmerer – hier treffen unterschiedlichste Berufsgruppen und Ausbildungsgrade aufeinander.“ So entstehe ein einzigartiges Lern- und Arbeitsklima, das über den Schulbetrieb hinaus verbindet. Hier funktioniere ein branchen- und generationenübergreifender Wissenstransfer. Entsprechend wachse die Nachfrage nach dem Know-how als Dienstleistung für Beratung und Projektmanagement immer stärker.

Innenwände passgenau vorgefertigt

Auf dem 22 Hektar großen Betriebsgelände in Eversen ist Pia Marit Schneeweiss in der riesigen Werkhalle gerade dabei, mit ihren Zimmerer-Kollegen Innenwände für ein Bauvorhaben in Winsen passgenau in Fachwerkbauart vorzufertigen. Auf den Kanthölzern werden OSB-Platten befestigt und die so nach den Zeichnungen entstehenden großen Elemente werden sorgfältig für den Abtransport bereitgestellt. Tack-tack schießt sie die Klammern durch die Platten in die Balken. Mit dem grünen Akkuschrauber dreht sie verbindende Schrauben ins Holz. „Das mache ich zurzeit als Urlaubsvertretung.“ Der Auftrag muss fertig werden.

„Das Schöne ist, dass unsere Mitarbeiter fast alle Bereiche unseres Betriebes kennen und somit flexibel sind“, ist für Geschäftsführer Matthias Harling wichtig. Quelle: Lothar H. Bluhm

Für drei Branchen arbeitet das Sägewerk Harling in Eversen schwerpunktmäßig: Verpackung, Holz und Garten sowie Zimmereien. „Das Schöne ist, dass unsere Mitarbeiter fast alle Bereiche unseres Betriebes kennen und somit flexibel sind“, ist für Geschäftsführer Matthias Harling wichtig. Das gelte auch für die Auszubildenden. Sie lernen im Laufe ihrer Lehre sämtliche Abteilungen kennen, ob Hobelwerk, Trennsäge, Trockenkammer oder Palettenwerk. „Ich glaube, das ist hier schon das Richtige für mich“, denkt Schneeweiss. Den Plan, als Mediengestalterin zu arbeiten hat sie inzwischen aufgegeben: „Da sitzt man ja sehr viel am Computer – das will ich gar nicht.“

Spaß am Umgang mit Holz

Der Umgang mit Holz sei etwas, was ihr gefalle. Das habe sich auch bereits während eines zweiwöchigen Praktikums herausgestellt, das sie ihrer Bewerbung vorschaltete. „Mein Vater gab mir den Tipp, mich auf den öffentlich ausgeschriebenen Ausbildungsplatz zu bewerben. Das war gut.“

Bereits als 15-Jährige hatte sie ihren Realschulabschluss der Oberschule Lachendorf in der Tasche. Sie schloss das Fachabitur Gestaltung an der Berufsbildenden Schule II am Lönsweg an. „Danach jobbte ich, aber eigentlich wusste ich immer noch nicht, was ich beruflich machen sollte.“ Fest stand aber für sie, dass Mathe nicht unbedingt ihr Favorit sei.

Dann kam die Zusage und die Arbeit mit Holz begann. „Vielleicht schließt sich nach der Ausbildung ein Forstwirtschaftsstudium an“, überlegt sie. Bis dahin kann sie ihre Praxis- und Theoriekenntnisse weiter verbessern: Wie wird das Blatt einer Kreissäge geschliffen, wie werden die Sägen beim Gatter gewechselt, worauf muss geachtet werden? Für Pia Marit Schneeweiss steht fest: „Ich werde beim Holz bleiben!“

Von Lothar H. Bluhm

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