Wölfen auf der Spur

So kann man einen Wolf erkennen

Auf Spurensuche haben sich Kinder begeben. Was sie über den Wolf gelernt haben, ist auch für Erwachsene interessant.

  • Von Christopher Menge
  • 16. Apr 2022 | 17:59 Uhr
  • 09. Jun 2022
  • Von Christopher Menge
  • 16. Apr 2022 | 17:59 Uhr
  • 09. Jun 2022
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Celle.

Vier Landkreise durchstreift das Munsteraner Wolfsrudel – genetische Nachweise gibt es unter anderem in Faßberg (Landkreis Celle), Amelinghausen (Lüneburg), Eimke (Uelzen) und auf dem Truppenübungsplatz Munster (Heidekreis). Am Montag haben sich zehn Kinder auf Spurensuche in einem Wald bei Wriedel nahe der Bundesstraße 71 begeben. Das Waldpädagogikzentrum Ostheide beteiligt sich mit dem Programm „Den Wölfen auf der Spur“ am Konzept „LernRäume“ des Niedersächsischen Kultusministeriums. Die Wolfsberater Volker Einhorn und Ulrike Kruse erklären den Viert- und Fünftklässlern alles, was sie zu Meister Isegrim wissen wollen.

Mit dabei bei der sechsstündigen Radtour durch den Wald ist auch Einhorns Hund Barak. „Das Wolfsrudel und er kennen sich vom Geruch“, sagt der Waldpädagoge. Schließlich markieren beide ihr Revier. Ähnlichkeit mit einem Wolf hat die Steirische Rauhhaarbracke nicht. Aber nicht immer kann man einen Hund und einen Wolf leicht unterscheiden, wie die Kinder spielerisch erfahren.

Wie kann man einen Wolf und einen Hund unterscheiden?

„Die europäischen Wölfe haben immer eine weiße Wange“, erklärt Einhorn. Zudem müsse der Sattelfleck, also eine helle Stelle, auf dem Rücken vorhanden sein. „Die Ohren sind kürzer als beim Schäferhund“, sagt der Experte. „Innen sind sie stark behaart.“ Die Augen seien gelblich, die Schwanzspitze schwarz. „Die Merkmale können auch beim Hund vorkommen“, so der Wolfsberater. „Aber: Wenn sie nicht da sind, ist es kein Wolf.“

Wolfsberater Volker Einhorn: Wölfe haben keine braunen Augen

Ulrike Kruse hat Fotos von Wölfen, Wolfshunden und Hunden mitgebracht, die die Kinder sortieren müssen. Außer beim Deutschen Schäferhund, der eindeutig als Hund identifiziert wurde, ist die Zuordnung sehr schwer. „Auch Experten können sie nicht immer unterscheiden“, sagt Einhorn. Aber eins sei sicher: „Wölfe haben keine braunen Augen.“

Welche Pfotenabdrücke gehören zu welchem Tier?

Zuvor suchen die Kinder schon begeistert nach Fährten. „Ich habe gelernt, wie man Spuren identifiziert“, erzählt der elfjährige Frederik stolz. Und tatsächlich sind da im aufgeweichten Boden Abdrücke – von Rehen und auch von Wölfen. Die zehnjährige Marli, die einen Bericht für die Lüneburger Schüler-Zeitung „Geistesblitz“ verfasst, ist genauso begeistert. Es sei spannend, welche Pfotenabdrücke zu welchem Tier gehören.

Füchse und Wölfe laufen im geschnürten Trab

„Nur Füchse und Wölfe laufen im geschnürten Trab“, sagt Einhorn. „Eine Pfote in die andere, das ist die energiesparendste Gangart.“ Schließlich müssten die Wölfe ihre Kräfte einteilen. 40 bis 50 Kilometer legen die Tiere pro Nacht zurück. „Sie wissen nicht, wann sie das nächste Mal etwas fressen“, sagt Einhorn.

Losung der Wölfe verrät, was sie gefressen haben

Was die Wölfe verschlungen haben, können kleine und große Wolfsexperten herausbekommen, wenn sie die Losung genauer anschauen. Die Kinder haben da – mit Handschuhen bewaffnet – keine Berührungsängste. „Was da alles drin ist, ist interessant“, sagt Kruse. Die Umweltpädagogin erklärt, dass die runden und borstigen Haare auf Wildschwein schließen lassen. Wenn sich die Haare beim Drehen zwischen den Finger dagegen kantig anfühlen, habe der Wolf Rotwild gefressen. „Auch Knochenstücke sind in der Losung drin“, sagt Kruse. Den speziellen Geruch von frischer Losung beschreibt die 56-Jährige als nicht so „stinkig wie bei Hundekot“.

Einhorn legt aber noch einen drauf: Er holt aus der Wildkamera, die er extra für die Aktion aufgehängt hat, die Speicherkarte heraus und schaut mit den Kindern auf dem Laptop, ob ein Wolf zu sehen war – in der Nacht war tatsächlich einer fotografiert worden.

Wölfe sind auch tagsüber unterwegs

„Grundsätzlich kann man auch tagsüber Wölfe sehen“, sagt der ehemalige Förster. „Sie passen sich aber der Umgebung um. Hier sind die Wölfe vor allem nachts unterwegs.“ Er erklärt den Kindern, dass das Munsteraner Wolfsrudel aus zehn bis zwölf Tieren bestehe. „Im Gehege bildet sich ein Alpha heraus, das ist in der freien Wildbahn nicht der Fall“, betont der Wolfsberater. „Die Elterntiere sind gleichberechtigt.“

Wolfswelpen werden im April/Mai geboren

Sie paaren sich Ende Februar bis Anfang März, zwischen Ende April und Anfang Mai werden vier bis sechs Welpen geboren. „Sie sind am Anfang taub und blind, sie bleiben drei Wochen in der Höhle und trinken nur Muttermilch“, erläutert Einhorn. Vor dem zweiten Geburtstag wandern die Jungwölfe ab, um in einem anderen Territorium eine eigene Familie zu gründen. „Zu einem Rudel gehören die Elterntiere, die Welpen und die Jährlinge“, sagt der 69-Jährige. „Die älteren Kinder kümmern sich um die Geschwister.“ Zu einem Rudel würden etwa zehn bis zwölf Tiere gehören.

Rudelbildung auf dem Truppenübungsplatz Munster

Überrascht sind die Kinder, als sie hören, dass erst 2007, also wenige Jahre vor ihrer Geburt, wieder ein Wolf in Niedersachsen nachgewiesen wurde. Die erste Rudelbildung folgte 2012 auf dem Truppenübungsplatz Munster, seitdem lebt hier ein Rudel. Die Kinder haben die Spuren der Wölfe gefunden.

Wölfe in Niedersachsen

In Niedersachsen sind 38 Wolfsrudel und zwei Wolfspaare sowie vier residente Einzelwölfe offiziell bestätigt. Die Lüneburger Heide ist nahezu komplett mit Wölfen besiedelt. Dem Landkreis Celle werden die Rudel Bergen, Eschede/Rheinmetall, Lachendorf, Ostenholzer Moor, Walle, Widdernhausen und Wietze zugerechnet. Zudem sind neben wandernden Wölfen Tiere aus den Rudeln Steinhorst und Munster im Kreisgebiet unterwegs. Das Rudel Wietzendorf an der nördlichen Kreisgrenze ist in diesem Monitoringjahr noch nicht bestätigt.