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Aus dem Landkreis Staatsanwaltschaft leitet Verfahren ein
Celler Land Aus dem Landkreis Staatsanwaltschaft leitet Verfahren ein
12:56 13.06.2010
Von Simon Ziegler
Landkreis Celle

Andree Stobbe hat viele Fragen, auf die er keine Antworten findet. Gibt es bei starkem Wind Warnschilder an der Verladerampe für Lkw? Wie viel Gewicht müssen die Gespanne haben, um transportiert zu werden? Fragen, auf die er sich von der Deutschen Bahn Antworten erhofft hätte. „Die haben sich nicht bei mir gemeldet, obwohl ich meine Nummer hinterlegt habe. Das regt mich am meisten auf“, sagt der Mann, der seinen Bruder verloren hat.

Der 32-jährige Torsten Stobbe wollte am vergangenen Donnerstag mit seinem Lkw den von der Bahn betriebenen „Sylt-Shuttle“ zur Überfahrt auf die Nordseeinsel nutzen. Augenzeugen berichteten später, dass eine Windböe den Lastwagen samt Anhänger vom Autozug geweht hatte. Der Celler wurde ins Wasser geschleudert und starb noch an der Unfallstelle.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft in Flensburg, „in alle Richtungen“, wie Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt der CZ sagte. Es gebe einen Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung, sagte sie. Es müsse der genaue Ablauf der Verladung und die Windstärke untersucht werden. Wann konkrete Ergebnisse vorliegen, sei völlig offen, so Stahlmann-Liebelt.

Die Deutsche Bahn geht unterdessen nicht von eigenen Versäumnissen aus, wir ihr Sprecher Egbert Meyer-Lovis sagte. „Wenn es die geben sollte, werden wir Konsequenzen ziehen“, kündigte er an. Auf dem Hindenburgdamm hatte es vor 16 Jahren bereits einen Unfall gegeben. Der Bahn-Sprecher erläuterte zudem die Vorschriften für die Benutzung des „Sylt-Shuttles“. Ab Windstärke 6 müssen demnach leere Lkw-Anhänger angegurtet werden. Ab Windstärke 10 dürfen leere Anhänger nicht mehr transportiert werden. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes hatte es am vergangenen Donnerstag Windstärken zwischen 8 und 9 vor Sylt gegeben. Stobbes Lkw war nur mit leichtem Dämmmaterial beladen. Ob der Unglücks-Lastwagen trotz des Sturms nicht gesichert wurde, blieb gestern unklar.

Der Celler galt als erfahrener Fernfahrer, der seit zwei Jahren für das Unternehmen Aller Logistic in Winsen arbeitete. Der Leichnam des 32-Jährigen soll heute überführt werden.