Tödlicher Unfall

"Man gewöhnt sich nie daran"

Der Unfall mit einem getöteten Kind und Schwerverletzten beschäftigt Polizei und Rettungskräfte weiter. Anwohner kritisieren eine mögliche Unfallursache.

  • Von Benjamin Behrens
  • 14. Juni 2022 | 22:42 Uhr
  • 01. Juli 2022
Nach dem Unfall in Hambühren, bei dem ein 13-jähriges Mädchen starb und mehrere Menschen schwer verletzt wurden, ist an der Unfallstelle ein Beileid-Schrein mit Blumen und Grablichtern aufgebaut.
  • Von Benjamin Behrens
  • 14. Juni 2022 | 22:42 Uhr
  • 01. Juli 2022
Anzeige
Hambühren.

Rote und weiße Grablichter, Blumensträuße in Gläsern, auf eines der Gläser hat jemand das Signet der Feuerwehr geklebt mit den vier Symbolen für die Aufgaben: Löschen, Bergen, Schützen, Retten. Ein stummer Dank an die Feuerwehrleute und alle anderen Einsatzkräfte, die nach einem schweren Unfall am späten Freitagabend geholfen hatten. Zwischen Blumen und Kerzen liegt ein kleiner Engel aus Porzellan mit hellblauem Kleid. In der Nacht zum vergangenen Samstag war eine 13-Jährige an dieser Stelle nach einem Verkehrsunfall verstorben.

Dass in der Unfallnacht die Ampel an der Kreuzung ausgeschaltet war, wird scharf kritisiert.

Unfallbeteiligter war geflüchtet

Ihr 41-jähriger Vater, der einen VW Golf fuhr, sowie die 44-jährige Beifahrerin und deren 15-jährige Tochter wurden schwerverletzt. Mit dem Wagen war ein VW Touareg kollidiert. Der Fahrer dieses SUV hatte sein Unfallfahrzeug zurückgelassen und war geflüchtet.

Hubschrauber und Spürhund im Einsatz

Nach ihm wurde in der Nacht mit Hochdruck durch die Polizei gefahndet. "Die Polizei ist mit starken Kräften am Unfallort erschienen und hat den Unfall aufgenommen. Als klar war, dass der Fahrer geflüchtet ist, haben wir sehr umfangreiche Fahndungs- und Suchmaßnahmen ausgelöst", sagt Polizeisprecherin Birgit Insinger. Die Fahndung ging bis in den späten Sonntagabend, unter anderem waren dabei ein Hubschrauber sowie ein auf Menschensuche spezialisierter Hund im Einsatz.

Nach dem Unfall in Hambühren, bei dem ein 13-jähriges Mädchen starb und mehrere Menschen schwer verletzt wurden, ist an der Unfallstelle ein Beileid-Schrein mit Blumen und Grablichtern aufgebaut. Das in der Unfallnacht die Ampel an der Kreuzung ausgeschaltet war, wird scharf kritisiert.

Touareg-Fahrer stellt sich Polizei

Der Fahrzeughalter und mutmaßliche Fahrer des Touareg, ein 30 Jahre alter Mann aus Hambühren, stellte sich schließlich, er konnte in der vergangenen Nacht in Hambühren vorläufig festgenommen werden. Er hat sich laut Polizei noch nicht zu dem Vorfall geäußert. "Die genaue Unfallursache ist noch Teil der Ermittlungen", sagt Insinger. Vor Ort wurden Spuren gesichert und auch ein Gutachter eingesetzt.

Darüber hinaus sucht die Polizei noch nach einem mutmaßlichen weiteren Insassen des Touareg und hofft diesbezüglich auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Außergewöhnliche Situation selbst für erfahrene Feuerwehrleute

Thomas Diestel, stellvertretender Gemeindebrandmeister in Hambühren, war am Freitagabend als Einsatzleiter vor Ort. "Wir wurden um 22.55 Uhr alarmiert, der Einsatz hat bis etwa um 4.30 Uhr gedauert", so Diestel. Insgesamt 40 Kräfte aus Hambühren und Oldau waren mit jeweils drei Fahrzeugen im Einsatz. "Es war auf jeden Fall eine außergewöhnliche Situation für die Kameraden, die noch nicht so lange dabei sind. Viele Ältere, so mein Jahrgang, haben solche Dinge schon erlebt, aber das macht es ja nicht besser", so der 57-Jährige, der seit 40 Jahren in der Feuerwehr aktiv ist. "Man gewöhnt sich da nie daran. Gerade letzte Woche hatten wir einen Unfall zwischen Oldau und Winsen, der ist nicht so tragisch ausgegangen. Man muss damit rechnen", sagt Diestel.

Noch in der Nacht hatte der Einsatzleiter Notfall-Seelsorger angefordert, der Einsatz werde auch jetzt entsprechend nachbereitet.

Nach dem Unfall in Hambühren, bei dem ein 13-jähriges Mädchen starb und mehrere Menschen schwer verletzt wurden, ist an der Unfallstelle ein Beileid-Schrein mit Blumen und Grablichtern aufgebaut. Das in der Unfallnacht die Ampel an der Kreuzung ausgeschaltet war, wird scharf kritisiert.

Schwierige Einsatzbedingungen bei Rettungsversuch

Die 13-Jährige musste mit hydraulischem Rettungsschneidwerk aus dem Heck des Wagens befreit werden, wo sie eingeklemmt war. "Sie lag unten im Kofferraum, weil die Sitzbank hinten durch den Aufprall verdreht wurde. Es war nicht ganz einfach, und es hat ja auch nichts genutzt", sagt Diestel. Die anderen Fahrzeuginsassen wurden schwerverletzt in Krankenhäuser gebracht. Neben der Arbeit der Kameraden lobt Diestel auch die Ersthelfer, darunter einen aktiven und einen ehemaligen Kameraden, sowie weitere Helfer. "Sie haben auch die Rettungskette in Gang gesetzt, waren die Ersten vor Ort und haben die Verletzten betreut, wie es eben ging. Das war nicht schlecht", lobt der Feuerwehrmann.

Anwohner kritisieren abgeschlatete Ampel

"Ich habe davon so nichts mitbekommen", sagt der Anwohner des Grundstücks, an dessen Zaun die Unfallfahrzeuge zum Stehen kamen. Von dem Hergang des Unfalls habe er erst aus den Medien erfahren. "Man macht sich da schon Gedanken", sagt er. Dass die Ampelanlage in der Nacht nicht in Betrieb war, sieht er kritisch. "Man hat es jetzt umgestellt. Hinterher ist man immer schlauer", so der Anwohner. Ein Nachbar gegenüber verarbeitet den Vorfall noch. "Wir sind davon total betroffen. Es ist ja auch nicht das erste Mal", so der 54-Jährige. Wichtig sei, dass jetzt die regulären Ampelphasen aktiv blieben. "Nachts hört man öfter, dass einer durchrauscht."

Unterdessen haben sich auch die Schützen sowie der Bürgermeister zu dem Vorfall am Rande des Schütztenfestes geäußert.