Bergen sagt alles ab

Schützenfesten im Landkreis droht erneutes Aus

Für die Schützen-Saison sieht es schlecht aus. Bis zum Sommer sind wohl keine Feste möglich. Und danach?

  • Von Simon Ziegler
  • 11. März 2021 | 18:30 Uhr
  • 09. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 11. März 2021 | 18:30 Uhr
  • 09. Juni 2022
Anzeige
Celle.

Jetzt hat die Stadt Bergen die Reißleine gezogen. In einer gemeinsamen Erklärung haben gestern die Schützenvereine, Schützengilden, das Schützencorps und die Stadt bekannt gegeben, dass die traditionellen Schützenfeste in Bergen und seinen Ortsteilen in diesem Jahr nicht stattfinden werden. „In Anbetracht der Ausbreitung von ansteckenden Corona-Mutanten und den stockenden Impfungen sehen wir leider keine Möglichkeit für sichere Großveranstaltungen im Mai, Juni und Juli“, sagt Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller.

Schützenfest abgesagt: Bergen schafft Fakten

Die Entscheidung sei ihnen nicht leichtgefallen, betonen Stadt und Schützen. Vereine, Gilden und Corps in Bergen wollen prüfen, ob zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 2021 einzelne Aktionen möglich sein könnten – auch, um den notleidenden Festwirten und Schaustellern noch eine Möglichkeit zu geben, in dieser Saison etwas Geld zu verdienen.

Fast 13.000 Schützen im Celler Land

Die Entscheidung in Bergen macht deutlich, dass die gesamte Schützenfest-Saison im Kreis Celle erneut auszufallen droht. Denn auch bei den vielen anderen Schützenfest-Veranstaltern schwindet der Glaube, dass die Saison noch zu retten ist. In der ersten Jahreshälfte könnten wohl kaum Feste über die Bühne gehen, schätzt Wilfried Ritzke, Vorsitzender des Kreisschützenverbandes die Corona-Lage ein. "Wir hoffen aufs zweite Halbjahr", sagt er. Im Celler Verband sind 75 Vereine mit rund 12.580 Mitgliedern organisiert. Auch in sportlicher Hinsicht liegt derzeit fast alles brach. "Nur Bundesliga- und Kaderschützen dürfen derzeit trainieren", so Ritzke.

Auch bei Norbert Schüpp wachsen die Zweifel, ob das Schützenfest in der Stadt Celle im Juli über die Bühne gehen kann. "Ich war schon mal optimistischer", sagt der Oberste Hauptschaffer. Derzeit gebe es zwar keine Auflage, das Fest abzusagen, erklärt Schüpp. Doch geplant werde auf Sparflamme. Viel Zeit bleibt ohnehin nicht mehr. "Bis Mitte April müssen wir wissen, was geht und was nicht geht", so Schüpp. Schließlich braucht eine Großveranstaltung zeitlichen Vorlauf. Klar ist: Das zweite Schützenfest-Aus in Folge wäre ein enormer Schlag für das Celler Schützenwesen, auch wenn der Oberste Hauptschaffer das nicht dramatisieren will. "Davon geht das Ganze nicht unter", meint Schüpp. "Ich mache mir aber Sorgen, dass es unsere Partner, also Schausteller und Festwirte, 2022 nicht mehr geben wird."

Vereine denken über Verschiebung nach

Unterdessen gibt es im Kreis Celle mehrere Vereine, die über eine Verschiebung ihrer Schützenfeste vom zweiten ins dritte Quartal nachdenken – auch im Berger Raum. Christoph Rochell, Vorsitzender der Schützengilde in Sülze, sagt, dass eventuell im September in abgespeckter Form eine Veranstaltung auf die Beine gestellt wird. "Das wird sich kurzfristig entscheiden." Nach Angaben des Kreisverbands will zum Beispiel auch die Schützengesellschaft Oldau von Ende Juni auf einen Termin im September ausweichen.

Jubiläen ohne Feiern

Besonders bitter ist die Absage der Schützenfeste bei den Vereinen, die in diesem Jahr ein Jubiläum feiern wollten. Bei der Schützengesellschaft Hermannsburg steht das 100-Jährige an. "Ich fürchte, wir werden absagen müssen", sagt der Vorsitzende Wolf-Dietrich Schade. "Beschlossen ist das aber noch nicht. Wir warten erstmal ab."

Eversen plant für 2025

Und auch die Vereine, die im vergangenen Jahr wie Eversen groß feiern wollten, müssen noch warten. In Eversen hat sich der Schützenverein auch von der nachgeholten 275-Jahr-Feier in diesem Jahr längst verabschiedet. "Wir blicken auf das Jahr 2025. Dann wollen wir stattdessen das 280-jährige Bestehen feiern", blickt der zweite Vorsitzende des Vereins, Thomas Röder, in die Zukunft. Dann dürfte Corona kein Schützenfest mehr verhindern.