Fachhochschule

Scharfe Kritik an geplanter Schließung

Mit scharfer Kritik haben die Lehrenden der Hermannsburger Fachhochschule für interkulturelle Theologie auf die Schließungspläne reagiert. Sie seien entrüstet.

  • Von Christopher Menge
  • 17. Mai 2021 | 16:00 Uhr
  • 09. Juni 2022
  • Von Christopher Menge
  • 17. Mai 2021 | 16:00 Uhr
  • 09. Juni 2022
Anzeige
Hermannsburg.

Nach den Studierenden kämpfen nun auch die Lehrenden der Fachhochschule für interkulturelle Theologie (FIT) für den Erhalt der Einrichtung in Hermannsburg. „In den vergangenen Wochen haben sich viele Menschen bei uns gemeldet, weil sie unsere Enttäuschung, ja Entrüstung, über die Entscheidung, die noch junge Fachhochschule zu schließen, teilen“, heißt es in einem offenen Brief, den die Professoren Wilhelm Richebächer (Rektor), Andreas Kunz-Lübcke (Prorektor für Verwaltung) und Gabriele Beckmann (Prorektorin für Studienangelegenheiten) im Namen des Lehrkollegiums unterschrieben haben. „Das bewegt uns und macht uns Mut, unseren Dienst an jungen Menschen aus vielen Kirchen und Religionsgemeinschaften der Welt so lange dies möglich ist und in der von uns angestrebten Qualität zu tun.“

Studenten schicken Petition an Missionswerk

Ganz besonders habe man sich darüber gefreut, dass die Studierenden sich mit zwei öffentlichen Petitionen an die Leitung des Missionswerkes und die Synoden der drei Trägerkirchen des evangelisch-lutherischen Missionswerks (ELM) gewandt haben, weil sie die Arbeit in den zurückliegenden Jahren für ihren beruflichen Weg und ihr ganzes Leben als sehr wertvoll erlebt hätten. Die aus finanziellen Gründen angekündigte Schließung der FIT in vier bis fünf Jahren kritisieren die Professoren scharf.

Fachhochschule Hermannsburg hat deutschlandweit einzigartiges Angebot

„Wir als Mitarbeitende der FIT halten dies für eine falsche kirchenpolitische Grundsatzentscheidung, weil damit Kompetenzen und Themen, die zum kirchlichen Leben und Handeln in pluraler, interkultureller Gesellschaft mehr denn je benötigt werden, aufgegeben werden“, heißt es in dem offenen Brief. Bei der FIT handele es sich um ein deutschlandweit einzigartiges Angebot. Zurzeit würden Menschen aus 24 Herkunftsländern, darunter auch eine kleinere Anzahl von Studierenden muslimischen und anderen Glaubens sowie anderer Weltanschauung, an der FIT studieren.

Campus und Stipendien fördern Studierende

„Lehrveranstaltungen und Campus bieten gute Möglichkeiten interkulturellen und interreligiösen Lebens und (voneinander) Lernens“, so die Lehrenden. „Das Ausbildungsangebot für neue Berufe in Kirche, Diakonie und Gesellschaft richtet sich im Rahmen der allgemeinen Offenheit insbesondere auch an Interessierte aus den 23 Partnerkirchen des ELM, welches Kandidaten mit Stipendien fördert.“

Professoren wenden sich an Trägerkirche des ELM

Wie schon die Studierenden wenden sich auch die Professoren an die Trägerkirchen des ELM. „Im Namen der FIT bitten wir die Leitenden in ihren jeweiligen Synoden das Thema ökumenische theologisch-diakonische Ausbildung (erneut) auf die Tagesordnung zu setzen, um über eine nachhaltige Zuweisung zum Erhalt dieser Ausbildung auf dem Gebiet der Trägerkirchen ebenso zu beraten wie über Fragen der Interkulturellen Öffnung“, schreiben die Lehrenden, die für Beratungen bereit stehen.

Runden Tisch etablieren

„Sollten sich Zuwendungen aus landeskirchlichen Haushalten unabhängig von den Zuwendungen an das ELM als nicht realisierbar zeigen, bitten wir den Vorsitzenden des Missionsausschusses, Landesbischof Ralf Meister, und den Direktor des ELM, Pastor Michael Thiel, sich dafür einzusetzen, beispielsweise mit Hilfe der Evangelischen Mission Weltweit einen Runden Tisch zu etablieren, bei dem Stakeholder ökumenischer theologisch-diakonischer Ausbildung zusammenkommen, um nach Möglichkeiten einer gemeinschaftlich von Missionswerken und Landeskirchen finanzierten Ausbildung an einem zentralen Ort Deutschlands zu suchen.“