Landkreis Celle

Offenes Ohr für die Nöte von Landwirten über Celle hinaus

„Wir wollen Dinge aus dem Nebel bringen“, sagt Ricarda Rabe, die für die Evangelische Landwirtschaftliche Familienberatung Hannover arbeitet. Das Hofleben ist nicht immer einfach: Stress, wirtschaftliche Probleme und familiäre Konflikte belasten das gemeinsame Leben.

  • Von Katharina Baumgartner
  • 23. Nov. 2016 | 18:16 Uhr
  • 09. Juni 2022
  • Von Katharina Baumgartner
  • 23. Nov. 2016 | 18:16 Uhr
  • 09. Juni 2022
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Landkreis Celle.

In der Landwirtschaft seien andere Probleme vorherrschend als anderswo, betont Rabe. Viele davon ergeben sich aus der familiären Wohn- und Arbeitskonstellation. Hofübergaben seien oft Thema in der Beratung. „Junge Landwirte haben andere Vorstellungen, wie sich die Betriebe weiterentwickeln sollen“, gibt Rabe an. Oft haben sich sich Konflikte stillschweigend verselbstständigt.

Doch bevor die Familienberatung die Familien auf den Höfen besucht, wählen die Hilfesuchenden die Telefonnummer des Sorgentelefons für landwirtschaftliche Familien. „Wir bieten eine anonyme telefonische Beratung an, mit dem Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, erklärt die aus Großmoor stammende Vorsitzende des Vereins, Annemarie Strüber. Die Gewährleistung von Anonymität ist für Strüber die Grundvoraussetzung für das Funktionieren der Beratung – sie selbst berät nämlich nicht. Sowohl die Anrufer müssen nichts von ihrer Identität preisgeben als auch die Berater am anderen Ende der Leitung. „Auf dem Dorf kennt man sich, in der Landwirtschaft erst recht“, erklärt die Großmoorerin, „jeder soll frei reden ohne Angst zu haben.“ Im Zentrum der Beratung steht der Mensch mit seinen Problemen. Wirtschaftliche Beratung könne das Sorgentelefon nicht leisen. An entsprechende Hilfestellen wird weitervermittelt.

Viele der Anrufer haben einfach ein Redebedürfnis: „Einsamkeit, Ehe-Probleme, Mehr-Generationen-Konflikte oder Depressionen“, wie die Vorsitzende erklärt. Die Berater haben alle selbst einen landwirtschaftlichen Hintergrund. Sie verstehen sich als „Begleiter“, die durch Gesprächsführung und gezielte Fragen den Hilfesuchenden anleiten, selbstständig den Weg aus der Krise zu finden, erklärt Strüber. Zunehmend mehr Menschen trauen sich die externe Hilfe anzunehmen – sowohl durch die Familienberatung als auch am Sorgentelefon.

Das Sorgentelefon ist unter (04137) 812540 montags, mittwochs, freitags von 8.30 bis 12 Uhr und dienstags und donnerstags von 19.30 bis 22 Uhr erreichbar.