Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Aus dem Landkreis Darum wartet Celler vergeblich auf schnelles Netz
Celler Land Aus dem Landkreis

Langlinger wartet drei Jahre auf Internet über Glasfaser – umsonst?

09:04 28.04.2021
Von Carsten Richter
Glasfaseranschlüsse werden am Fasanenweg in Langlingen verlegt.
Glasfaseranschlüsse werden am Fasanenweg in Langlingen verlegt. Quelle: Carsten Richter
Langlingen

Als Gerd Jantz 2018 davon hörte, dass die Möglichkeit besteht, ans Glasfasernetz angeschlossen zu werden, war er sofort dabei. Der Langlinger schloss einen Vorvertrag mit Vodafone, dem Partner des Landkreises Celle. „Ich habe darauf vertraut, dass alles richtig ist“, berichtet der 64-Jährige im CZ-Gespräch – und folglich darauf, dass er ultraschnelles Internet bekommt. Ein Irrtum, wie sich erst jetzt herausstellte. Was war passiert?

So wird Langlingen mit Glasfaser versorgt

Jantz wohnt am Fasanenweg in Langlingen. Wie in anderen Teilen des Ortes sind auch in seiner Straße die Bauarbeiten für die späteren Hausanschlüsse bereits im Gange. Allerdings: Im westlichen Teil Langlingens und damit auch am Fasanenweg baut nicht der Landkreis aus, sondern der private Telekommunikationsanbieter FNOH aus Hänigsen.

Das hat seine Gründe. Der Kernort der Gemeinde ist durch VDSL bislang unterschiedlich versorgt. Bereiche, die durch Geschwindigkeiten von mindestens 30 MBit pro Sekunde abgedeckt werden, gelten als nicht förderfähig und werden nicht vom Landkreis, sondern von privaten Unternehmen ausgebaut. Nun fragt er sich, ob er am Ende gar nicht mehr dabei ist.

Vodafone: Es liegt kein Vertrag vor

Wie Landkreis und Vodafone auf CZ-Anfrage erläutern, hat der Langlinger keinen Vertrag mit Vodafone abgeschlossen – weil dies aufgrund der Lage seines Grundstücks eben auch gar nicht möglich sei. Bleibt die Frage: Wie konnte Jantz so lange davon ausgehen, dass er Glasfaser bekommt? Hätte er nachfragen sollen? Oder fehlten ihm Informationen?

Langlinger hat nur Auftrag erteilt – keinen Vertrag unterschrieben

Der Rentner hat dem Landkreis Unterlagen zugeschickt, die beweisen sollen, dass er einen Vertrag bei Vodafone unterschrieben hat. Auch der CZ liegen die Dokumente vor. In Auftrag gegeben hat er den vermeintlichen Vertrag für einen Glasfaseranschluss in einem Vodafone-Shop in Celle. Dort hat man ihm eine Kopie mitgegeben, das Original hat der Mitarbeiter behalten. Passiert ist dies alles vor fast drei Jahren, die Unterschrift datiert vom 2. Juli 2018.

Drei Jahre vergeblich auf Glasfaser gewartet

Auf CZ-Nachfrage sagt Jantz, dass er zwar eine Kopie des Vertrages bekommen hat, aber keine Bestätigung von Vodafone. Und da liegt nun der Unterschied, wie Vodafone-Sprecher Volker Petendorf erklärt: „Herr Jantz hat keinen Vertrag geschlossen, sondern lediglich einen Auftrag erteilt.“ Warum aber wurde Jantz im Vodafone-Shop nicht darauf hingewiesen, dass sein Grundstück gar nicht im Ausbaugebiet liegt? Petendorf sagt, dem Langlinger sei dies schriftlich per Post mitgeteilt worden. „Es war beim besten Willen nichts zu machen.“ So ein Schreiben, in dem das erläutert wurde, habe er aber nie bekommen, sagt Jantz. Wo am Ende der Fehler lag – möglicherweise bei der Zustellung – lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Landkreis Celle: Klare Kommunikation erfolgt

Landkreis-Sprecher Tore Harmening betont, es sei 2018 zu Beginn der Vorvermarktung zusammen mit Vodafone klar kommuniziert worden, wo ausgebaut werde. Nach wie vor lässt sich im Internet unter www.breitbandausbau-celle.de mit der Angabe der Wohnadresse prüfen, ob man dazu gehört. Auch auf den besonderen Fall Langlingens sei hingewiesen worden. „Die Prüfung der Vollständigkeit der Antragsunterlagen und der Verfügbarkeit und Lage im Ausbaugebiet wurde durch Vodafone geprüft. Falls die Unterlagen nicht vollständig waren oder aber es sich um Anträge für Adressen außerhalb des Ausbaugebietes handelte, wurden diese von Vodafone abgelehnt“, so Harmening.

Schnelles Internet nun durch FNOH?

Gerd Jantz bleibt nun noch die Möglichkeit, einen Vertrag mit FNOH abzuschließen. Geschäftsführer Marc Blechschmidt sagt, die Nachvermarktungsphase in Langlingen sei eigentlich schon seit mehr als zwei Wochen abgeschlossen – der Kunde müsse sich schnell entscheiden, um noch kostengünstig angeschlossen zu werden. Jantz will sich nun erstmal beraten lassen.

So weit ist der Breitbandausbau des Landkreises Celle

INFO: Der Landkreis Celle weist im Internet darauf hin, dass die Bauvermarktung im gesamten Ausbaugebiet schon im November 2020 abgeschlossen wurde. Bis dahin habe ein kostenloser Hausanschluss durch Vodafone garantiert werden können. Inzwischen sei das nur noch möglich, wenn das Tiefbauunternehmen noch nicht mit den Arbeiten in dem Gebiet, wo der Anschluss erfolgen soll, begonnen hat. Für den Ausbau wurde der Landkreis in sechs Cluster eingeteilt. Derzeit wird unter anderem in Teilen von Bergen und Winsen, in Nienhagen/Papenhorst und im Bereich Endeholz/Marwede gearbeitet. Der Ausbau im östlichen Teil Langlingens soll in wenigen Tagen beginnen. In zwei Jahren sollen laut der Übersicht alle Anschlüsse erfolgt sein.

27.04.2021
Öffentliche Toiletten - Ein Problem drängt wie nie
Christian Link 27.04.2021
Christopher Menge 26.04.2021