Junge Leute auf Radtour

15 Euro reichen jeder und jedem für vier Tage

Über Pfingsten waren zehn Jugendliche und der Winser Pastor Mirco Kühne mit einem low budget unterwegs. Viele Pannen wurden gemeinsam bewältigt.

  • Von Andreas Babel
  • 07. Juni 2022 | 16:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Andreas Babel
  • 07. Juni 2022 | 16:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Celle. Pünktlich zum Beginn der Viertagesradtour stellte sich am Freitagmorgen schönes Wetter im Celler Land ein. Doch die 20 Kilometer vom Winser zum Blumläger Gemeindehaus waren ein Klacks für die zehn Jugendlichen und Pastor Mirco Kühne. „Die Idee kam im Konfirmandenunterricht auf: Warum machen wir nicht einmal etwas zum Schutz der Umwelt und um die Kriegskassen nicht weiter zu füllen?“, erläuterte der Winser Seelsorger die Hintergründe dieser Aktion mit seinen Teamern. So werden die jungen Leute genannt, die sich nach ihrer Konfirmation aktiv in der St.-Johannes-der-Täufer-Kirchengemeinde einbringen.

Freiluftgottesdienst zum Abschluss

Die Radtour führte die Teamer weiter nach Müden an der Örtze, wo sie zwei Nächte zubrachten – ebenfalls kostenlos in einem Gemeindehaus.Ein besonderer Wunsch war es, den Heidepark mit seinen Attraktionen zu besuchen. Also ging es Pfingstsonntag auch mit dem Rad dorthin. Nach Beginn der Heimfahrt stand der Besuch des Freiluftgottesdienstes am Lönsstein bei Müden auf dem Programm. Und am heutigen Dienstag sollte der Pastor in der Jugendgruppen-Zusmamenkunft eine Andacht halten, bei der er sich bei den vielen Helfern bedankte, die schnell zur Seite standen.

Ökologischen Fußabdruck verbessern

Folgende Fragen galt es zu beantworten: Wie kann ich meinen ökologischen Fußabdruck verbessern? Wie kann ich den Konfirmandenunterricht aus den engen Konfer-Räumlichkeiten dorthin verlagern, wo er hingehört, nämlich in die Natur? Was brauche ich wirklich? Mirco Kühne ist sich sicher, dass die Teilnehmer gemerkt haben, „dass sie gar nicht so viel brauchen, um glücklich zu sein“. Mit 15 Euro sind sie die vier Tage ausgekommen. Das hatten sie sich selbst zum Ziel gesetzt. Darin sind die 35 Euro für den Heidepark nicht enthalten. Und dass dieser Parkbesuch ihren ökologischen Fußabdruck eher verschlechtert, dass wissen die Teamer auch selbst, aber leben wie Mönche wollen sie auch nicht.

Vier Teilnehmerinnen berichten

Anna Brandt (15) fährt zum Schulunterricht in die IGS Celle mit dem Bus. Zur Winser Grundschule fuhr sie ab der zweiten Klasse eigenständig mit dem Rad. In den Urlaub fährt die Familie meist mit Auto und Wohnwagen nach Kroatien. „Das ist meine zweite Heimat geworden. Ich habe mich bei unserem ersten Urlaub 2018 dort sofort zu Hause gefühlt“ sagt Anna. Vor Ort bleibt das Auto dann meist stehen und die Familienmitglieder sind mit den Rädern unterwegs.

Führerschein ist ihnen wichtig

Wie Anna will aber auch Sophia Fiege (14) so bald es geht den Pkw-Führerschein machen. Den benötigt man „für bessere berufliche Möglichkeiten“, denkt Sophia, die seit vier Jahren in Winsen lebt und in Celle das Hermann-Billung-Gymnasium (HBG) besucht. Geprägt worden ist sie natürlich stark durch ihre Eltern, die in einem Kleingarten sich zum Teil selbst versorgen. „Was haben wir denn da? Zucchini, Paprika, Mangold, Radieschen, und auch Kartoffeln. Wir haben auch jede Menge Beeren und Rhabarber und Apfel- und Kirschbäume“, zählt die 14-Jährige auf und man merkt ihr an, dass sie das gut findet.

Klimafreundlich verreisen

Johanna Strenge (15) findet das Fahrradfahren nur in der Gruppe schön, ansonsten läuft sie „überall hin“. Sie meint, dass wir den Klimakollaps noch abwenden können. „Aber die Überbevölkerung ist natürlich ein großes Problem und es ist ja auch nicht möglich, nur E-Autos zu bauen“, meint die HBG-Schülerin. Nicht so klimafreundliche Urlaubsreisen unternimmt ihre Familie nur alle zwei bis drei Jahre. Zuletzt war sie zusammen mit Freunden und Verwandten mit dem Auto in Österreich im Urlaub.

Familie Kühne radelt viel

Daniel Kühne (15) findet Busfahren „ganz entspannend“. Nach dem Besuch der fünften Klasse des Gymnasiums Ernestinum geht er nun in die Oberschule im Allertal und die liegt gleich um die Ecke. Die weitesten Ziele für die Familie Kühne waren Frankreich (mit dem Auto) und Österreich (mit dem Zug). Die Familie hat auch schon einmal eine Radtour nach Bremen unternommen.

Demnächst geht es mit dem Rad nach Hannover

Das nächste Projekt der kirchlichen Gruppe wird eine Radtour zur Jugendkirche in die Lutherkirche nach Hannover werden und aus gegebenem Anlass eine Unterweisung im Reifenwechseln. Es gab nämlich zahlreiche Pannen. "Es hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, gut vernetzt zu sein", berichtet Winsens Pastro Mirco Kühne. Sein Berger Amtskollege Axel Stahlmann eilte nämlich mit einem im Berger Supermarkt gekauften Fahrradmantel nach einem geplatzten Reifen zu Hilfe. "Und wir sind überal so freundlich aufgenommen worden, konnten die Gemeindehäuser und ihre ganze Ausrüstung kostenfrei nutzen. Das war ein großes Geschenk!". Für Konfirmanden war die gwählte Strecke zu lang, meinen die Teamer. Für Konfirmandenfreizeiten eigne sich eine in etwa halb so lange Strecke, meinen sie.