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Aus dem Landkreis Corona-Pandemie legt Kulturleben zeitweise lahm
Celler Land Aus dem Landkreis

Jahresrückblick: Corona-Pandemie legt Celler Kulturleben zeitweise lahm

14:43 30.12.2020
Von Susanne Harbott
im Juni hing die Outdoor-Galerie des neuen Vereins "Kultur Trif(f)t" am Baugerüst vor der Fassade des Hauses Trift 32.
im Juni hing die Outdoor-Galerie des neuen Vereins "Kultur Trif(f)t" am Baugerüst vor der Fassade des Hauses Trift 32. Quelle: Doris Hennies
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Landkreis Celle

Sicherheit geht in Zeiten von Corona vor: Trotzdem gelingt es dem neuen Verein „Kultur Trif(f)t“ im Juni gleich mit seiner ersten Aktion, sichtbar auf sich aufmerksam zu machen: An der obersten Etage des Baugerüsts vor der Fassade des Hauses Trift 32 hängt der Celler Verein eine riesige Staffelei mit den Abbildungen der Arbeiten von 27 Künstlern als Outdoor-Kunstinstallation auf. Intendant Andreas Döring gibt im April schweren Herzens bekannt, dass das Celler Schlosstheater alle regulären Vorstellungen der laufenden Spielzeit coronabedingt absagt. Mit dem Zuschauerraum im Rücken und sehr viel Technik präsentierte das Theater im Mai seinen Zuschauern einen ersten Live-Stream im Internet.

Chorproben vom Celler Juventis-Chor im „Homeoffice“

Statt in der Celler Stadtkirche ist der Juventis-Jugendchor mit Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion im März in einem kleinen Ausschnitt im Netz zu hören. Im Februar wird das theologische Theaterstück „Judas“ mit Hussam Nimr in der Celler Stadtkirche und in Kirchen des Umlands aufgeführt – Covid-19 beendet die Veranstaltungen abrupt. Max Raabe entführt im Februar das Celler Publikum in eine noch heile Welt, kurz darauf steht die Kulturwelt aufgrund der Corona-Pandemie Kopf. Nach rund 14 Jahren als Präsentationsort renommierter Künstler wird der Betrieb in der Galerie Dr. Jochim im Celler „Haesler-Haus“ im April eingestellt. Eine besondere Förderung erhält im April das Residenzmuseum im Celler Schloss: Die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung fördert im Rahmen einer Corona-Förderlinie die Restauration einer Tragesänfte des letzten hannoverschen Königs, Georg V.. Zuckerbäcker Georg Maushagen restauriert im Juni für die Ausstellung „Süße Pracht“ im Celler Residenzmuseum das nachempfundene „Jülicher Zuckerbankett“.

Dr. Meiners, Museumsdirektor des Bomann-Museums Celle, zeigt dasGemälde von Hinricus Eggelingk im Museumsdepot. Quelle: Bomann-Museum Celle

Frühestes Bürgerporträt im Bomann-Museum restauriert

Nach der Restaurierungszusage für eine königliche Sänfte durfte sich Dr. Jochen Meiners, Museumsdirektor des Bomann-Museums Celle, im Mai über die Förderzusage für ein weiteres Restaurierungsprojekt durch die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung freuen. Das früheste Celler Bürgerporträt zeigt Heinrich Eggeling/Hinricus Eggelingk. Es entstand nach 1603, dies ist das Todesdatum des Porträtierten, wie die Bildlegende am unteren Ende des Gemäldes aussagt. Meiners erklärt: „Schon seit einigen Jahren besteht bei uns im Bomann-Museum der Wunsch, dieses frühe, für Celle sogar früheste Bürgerporträt zu restaurieren, um es wieder ausstellungsfähig und zugänglich zu machen. Lange fehlten die nötigen Finanzen, um das Vorhaben zu realisieren.“

Das Ensemble des Celler Schlosstheaters sitzt im auf Abstand umgebauten Theatersaal. Quelle: Schlosstheater Celle/Stych

Kreatives Miteinander im Celler Schlosstheater

Da in Corona-Zeiten die Vorstellungen im Malersaal und in der Turmbühne ausfallen müssen, lassen sich die Macher im Celler Schlosstheater im September das Projekt „Mit Abstand näher dran“ einfallen. Die Dramaturgen Matthias Schubert und Moritz Peters entwickeln die Idee, dass sich die Ensemblemitglieder des Schlosstheaters mit Solo-Aufführungen dem Publikum vorstellen. „Mit Abstand näher dran“ ist eine Einladung zum kreativen Miteinander. Für die Aufführungen haben sich die Dramaturgen das Amphitheater als Vorbild genommen. Dabei wird die Hauptbühne durch einen Vorhang verkleinert und durch ein Podest nach vorne verlängert. So können die Schauspieler mit dem gebotenen Abstand trotzdem dicht am Publikum stehen.

Die neue Orgel in der  Stechinelli-Kapelle in Wieckenberg. Quelle: Oliver Knoblich

Italienische Orgel in Stechinelli-Kapelle aufgebaut

In der Stechinelli-Kapelle in Wieckenberg wird im Oktober eine neue italienische Orgel eingeweiht. Axel Ladeur hat es sich vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, für die stimmungsvolle Kapelle eine bessere Orgel zu beschaffen. Mit dem Pastorenpaar Überrück ist es ihm gelungen, sowohl die Gemeinde als auch diverse Geldgeber von einem Instrument italienischer Charakteristik zu überzeugen. Dem Einweihungsgottesdienst folgen zwei Orgelführungen mit dem Orgelbaumeister der Firma Bente aus der Nähe von Bad Nenndorf selbst und dem Organisten Ladeur. Die alte Reihenorgel der Kapelle wurde übrigens ins Wendland verkauft und in einer kleinen Kapelle bei Zernien neu aufgebaut.

Kurz erinnert

Placido Domingo hat sich bei den Frauen entschuldigt, die ihm Übergriffe vorwarfen. Quelle: Britta Pedersen

Plácido Domingo entschuldigt sich

Opernstar Plácido Domingo entschuldigte sich im Februar bei den Frauen, die ihm im Zuge der MeToo-Bewegung sexuelle Übergriffe vorgeworfen hatten. In Spanien kehrte man Domingo im Mai den Rücken und sagte seine Auftritte ab. Im August gab der Sänger nach überstandener Corona-Infektion sein Bühnencomeback.

Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart kann nicht wie geplant beim Harbourfront Literaturfestival in Hamburg auftreten.  Quelle: Daniel Karmann

Kabarettistin Lisa Eckhart wurde ausgeladen

Die Ausladung beim Harbourfront-Literaturfestival in Hamburg der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart sorgt im August für Aufregung in der Kulturszene. Kritiker werfen ihr vor, rassistische und antisemitische Klischees zu bedienen. Eine erneute Einladung zum Festival lehnt Eckhart schließlich ab.

Verhüllungskünstler Christo ist 2020 gestorben. Quelle: Britta Pedersen

Künstler Christo gestorben

Er gilt als der Mann, der die Welt verpackte – Ende Mai stirbt der Künstler Christo im Alter von 84 Jahren in New York. In Deutschland wurden Christo und seine Ehefrau Jeanne-Claude vor allem durch die Verhüllung des Reichstages in Berlin bekannt. 2021 wollte er den Pariser Triumphbogen verhüllen.

John Baldessari stirbt im Alter von 88 Jahren. Quelle: Paul Buck

John Baldessari stirbt mit 88

Konzeptkünstler John Baldessari stirbt in Januar im Alter von 88 Jahren in Kalifornien. In Fotografie, Malerei und Text stellte er die Funktionsweise künstlerischer Medien in Frage und kommentierte die Gesellschaft dabei schmunzelnd.

Der Künstler und Maler Günther Uecker sollte im Prozess um ein angebliches Werk im Juli vor dem Landgericht Düsseldorf als Zeuge aussagen.  Quelle: Fabian Strauch

Günther Uecker ist mit 90 noch kreativ

Günther Uecker ist einer der berühmtesten deutschen Nachkriegskünstler. Seine Bilder und Objekte sind in großen Museen zu sehen. Im März wird der Künstler 90 Jahre alt – und ist noch immer kreativ und viel beschäftigt.

Katharina Wagner, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Bayreuther Festspiele, wurde krank. Quelle: Nicolas Armer

Bayreuther Festspiele fallen aus

Erst müssen die Bayreuther Festspiele wegen der Corona-Pandemie zum ersten Mal in ihrer Nachkriegsgeschichte abgesagt werden, dann gibt es große Sorgen um die Chefin. Katharina Wagner ist „längerfristig erkrankt“, teilen die Festspiele im April mit.

Die amerikanische Poetin Louise Glück bei der Verleihung der National Humanities Medal (Medaille für Geisteswissenschaften) im Weißen Haus. Quelle: Shawn Thew

Literaturnobelpreis für Louise Glück

Die amerikanische Lyrikerin Louise Glück erhält den Literaturnobelpreis. Die 77-Jährige wird damit „für ihre unverkennbare poetische Stimme“ ausgezeichnet, teilt die Schwedische Akademie in Stockholm mit.

Menschen

Egon Ziesmann hat die Leitung der Hölty-Bigband an Joschua Claassen übergeben. Quelle: Oliver Knoblich

Mit einem emotionalen Doppelkonzert verabschieden im Januar die Hölty-Bigband und die Studenten-Bigband „TonBand“ aus Hannover Egon Ziesmann als Leiter der Höltyaner. Nach 38 Jahren übergibt Ziesmann den Taktstock an seinen Nachfolger Joschua Claassen. Doch zur Ruhe setzt sich Ziesmann nicht, schon im Februar veranstaltet der Kreischorverband Celle, dessen Leiter er ist, die Celler Kinder- und Jugendchortage „Das junge Celle singt“.

Der Künstler Jan van Munster erhält den Lichtkunstpreis 2020 im Celler Kunstmuseum. Quelle: Peter Steffen

Der 80-jährige Niederländer Jan van Munster wird im Januar in Celle mit dem Deutschen Lichtkunstpreis 2020 ausgezeichnet. Er ist der vierte Preisträger, der den mit 10.000 Euro dotierten Preis der Robert-Simon-Kunststiftung erhält. „Jan van Munster ist seit mehr als 50 Jahren ein treibender Teil der Entwicklung von Lichtkunst aus Kunstlicht“, sagte Mischa Kuball in seiner Laudatio. Er transportiere Gefühle in Form und Farbe.

Die Vernissage der Ausstellung „Bildgeflüster-Wortgeflüster“ von Friedeborg Jungermann im Atelier 22 war Anfang Januar gut besucht. Quelle: Peter Bierschwale

Die Mitglieder des Ateliers 22 trauern im Februar um die Künstlerin Friedeborg Jungermann aus Unterlüß, die im Alter von 78 Jahren stirbt. Die gelernte Buchhändlerin schrieb neun Gedanken-Tagebücher, mit denen sie Menschen an ihren Lebensweisheiten teilhaben ließ, und sie ermutigte, ihr Leben bewusst zu gestalten. Ihre 3000 kleinen Aquarellbilder berührten Seelen und Herzen vieler Fans. Zudem hat sie deutschlandweit 200 nostalgische Puppen verteilt.

Klaus-Hermann Anschütz hat einen Komponistenpreis gewonnen. Quelle: privat

Klaus-Hermann Anschütz, Kirchenmusiker an der katholischen Kirche St. Ludwig in Celle und Dekanatskirchenmusiker für die hiesigen katholischen Gemeinden, veröffentlicht Anfang Februar sein erstes Werk – die „Messe in c“. Für seine Komposition „Eine kurze Meditation über die Zeit“ wird Anschütz im Februar mit dem Städtischen Kompositionspreis 2020 der Stadt Neuss ausgezeichnet. 29 Komponisten hatten sich dafür beworben.

Moritz Peters wird neuer zweiter Dramaturg am Schlosstheter. Quelle: Doris Hennies

Schauspiel, Regie und jetzt Dramaturgie: Von allen Seiten nicht nur betrachten, vielmehr eintauchen in die Materie und sie sich zu Eigen machen – das scheint die grundlegende Intention des Multitalents Moritz Peters zu sein. Der 38-Jährige ergänzt den Mitarbeiterstab des Celler Schlosstheaters in der neuen Spielzeit nach den Sommerferien. Als zweiter Dramaturg, neben Chefdramaturg Matthias Schubert, erobert Peters sich einen weiteren Theaterbereich.

Sopranistin Betty Garces (Mitte) ist beim Sommerkonzert auf dem Büchtmannshof aufgetreten. Quelle: Doris Hennies

Die RWLE-Möller-Stiftung vergibt von August bis Januar erneut ein Stipendium – dieses Mal in der Sparte Musik. Das unregelmäßig vergebene Stipendium erhält die aus Kolumbien stammende Sopranistin Betty Garcés. Die international erfahrene Sängerin erhielt ihre musikalische Ausbildung unter anderem in Köln und Hannover. Die Stiftung unterstützt die künstlerische Arbeit von Garcés, die sie in der Celler Region weiterentwickelt.

Klaas Endler möchte auch jüngere Menschen für Kammermusik gewinnen. Quelle: Doris Hennies

Im Juni wird Dr. Peter Schmid als Leiter des Kammermusikrings Celle verabschiedet. Neuer erster Mann des musikalischen Klassikanbieters im Celler Schlosstheater wird ab der neuen Saison Klaas Endler. Er will weiterhin die zentralen Gattungen pflegen, allem voran Streichquartett und Lied. Außerdem sieht Endler die Notwendigkeit, auch ein jüngere Publikum für den Kammermusikring zu gewinnen.

Adelheid Ohlig spielte bis ins hohe Alter Klavier. Quelle: Oliver Knoblich

Im gesegneten Alter von 101 Jahren ist im Oktober die Celler Musikerin Adelheid Ohlig verstorben. Über das Erwachsenenorchester des Jugenddorfes lernte Ohlig drei Musiker kennen. Die Gruppe trat mit Tango, Walzer, Polka, Rumba und Wiener Kaffeehausmusik in Celle, Hamburg, Bremen und Lübeck auf. Sogar das Fernsehen wurde aufmerksam auf sie und berichtete in der Sendung „DAS“ über Adelheid Ohlig und die Gruppe „Amapola“.

Moderatorin Jessy James LaFleur begrüßte zur Poetry-Slam-Reihe „Angeprangert!“ Ende August auf dem Gelände der CD-Kaserne etwa 150 Zuschauer.  Quelle: Peter Bierschwale

Im November würdigt die Bundesregierung die 32 „kreativsten Köpfe des Jahres“. Unter den Titelträgern befindet sich auch ein in Celle gut bekanntes Gesicht: Jessy James LaFleur erhält die Auszeichnung für ihre Reihe „Angeprangert! Spoken Word“ in Görlitz. Sie kreiert Veranstaltungen, poetische Save Spaces und Workshops, um Menschen mithilfe des gesprochenen Wortes, eine Stimme, Sichtbarkeit und Selbstvertrauen zu geben, erklärt die Jury.

Christoph Zimmer 30.12.2020
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Carsten Richter 30.12.2020