Süß, aber problematisch

So gehen die Jäger mit Nutrias im Kreis Celle um

Nutrias und Marderhunde sind keine heimischen Tiere. Trotzdem verbreiten sie sich im Kreis Celle immer mehr. Helge John spricht über die Jagd auf diese Tiere.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 25. Jan. 2022 | 12:00 Uhr
  • 09. Juni 2022
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  • 25. Jan. 2022 | 12:00 Uhr
  • 09. Juni 2022
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Celle.

Die einen finden sie süß und füttern sie, die anderen wollen, dass sie gejagt werden. Auch hier im Landkreis Celle sind die Meinungen über die Nutrias zweigeteilt. Auf Seiten der Jäger sorgen sie für einigen Ärger. „Bei den Nutrias ist das größte Problem die Schädigung von Dämmen und Deichen, was insbesondere für den Hochwasserschutz von extremer Bedeutung ist“, sagt Helge John, Kreisjägermeister im Landkreis Celle. Des Weiteren komme es zu Fraßschäden in Schilfbeständen, sodass beispielsweise am Niederrhein mittlerweile Rohrkolbenbestände vor Nutriafraß geschützt werden. „Damit einhergehend verschwinden dann seltene Vogelarten, die wiederum diese Schilfflächen beispielsweise zum Brüten benötigen“, erläutert er.

Deutscher Jagdverband: 101.108 Nutrias in einer Jagdsaison

Da die Anzahl der Nutrias immer mehr zunimmt, steigt auch die Anzahl der erlegten Nagetiere. In der vergangenen Jagdsaison sind nach den Zahlen des Deutschen Jagdverbands (DJV) insgesamt 101.108 Nutrias getötet worden, so viele wie noch niemals zuvor innerhalb einer Jagdsaison.

Anstieg von Nutria- und Marderhund-Populationen auch im Landkreis Celle

Auch hier im Kreis Celle steigt die Populationszahl der Nutrias deutlich an, ebenso wie die der Marderhunde. Beide Tierarten zählen zu den invasiven Arten, eigentlich ortsfremde Arten, die sich dennoch ausbreiten und dem biologischen Gleichgewicht schaden können. Sowohl Nutrias als auch Marderhunde finden hier sehr gute Lebensbedingungen vor, berichtet John. Und da Nutrias Gewässer benötigen, sei gerade Niedersachsen für die Verbreitung geeignet. Ein weiterer Grund für die Ausbreitung sei, dass die Tiere so gut wie keine Feinde haben – außer die Jäger.

Helge John: geringe Motivation bei Jägern

Doch genau hier gibt es Probleme. „Da weder Nutrias noch Marderhunde hinsichtlich ihres Fleisches oder Fells sinnvoll zu verwerten sind, ist die Motivation der Jäger, diese Arten zu jagen, relativ gering“, erläutert der Kreisjägermeister. Da beide Arten überwiegend nachtaktiv seien, sei eine effektive Bejagung hauptsächlich durch die Fallenjagd möglich, wobei diese sehr zeitintensiv hinsichtlich der notwendigen Kontrolle sei. „Dazu kommt, dass Jäger häufig pauschal eher kritisch gesehen werden und insbesondere die Fallenjagd eher negativ belegt ist“, so John. „Leider fehlt vielen Mitmenschen der fachliche Hintergrund, dass gerade die Jäger, die Fallenjagd auf Nutrias betreiben, hauptsächlich für den Artenschutz beziehungsweise die Sicherheit der Deiche sorgen und man ihnen dafür eigentlich dankbar sein muss. Stattdessen werden sie als Schießer bezeichnet.“ Aus diesen Gründen überlegen es sich Jäger, ob sich die Jagd auf Nutrias und Marderhunde wirklich lohnt.

6-Euro-Prämie

Inzwischen gebe es sogar eine Prämie für die Jagd auf Nutrias, um mehr Jäger zu motivieren. So bekomme ein Jäger für eine erlegte Nutria 6 Euro.

Kreisjägermeister: Weiterer Anstieg bei Population und der Anzahl der erlegten Tiere

In den kommenden Jahren rechnet John mit einem weiteren Anstieg der Population und einer damit einhergehenden ansteigenden Anzahl erlegter Tiere. „Nach meiner Einschätzung bei der Nutria stärker als beim Marderhund.“

Von Katharina Jäger

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