Lebensmittelrettung

"Schnippeldisko" - Gemeinsam Kochen und Tanzen

Was ist, wenn Gemüse nicht mehr so gut aussieht? Anstatt es wegzuwerfen, kann es wunderbar zusammengewürfelt und zu einem leckeren Gericht werden. So wie hier.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 08. März 2022 | 14:00 Uhr
  • 09. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 08. März 2022 | 14:00 Uhr
  • 09. Juni 2022
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Hermannsburg.

Gespannt schiebt sich Anja Lütjen den Löffel in den Mund. Sie kaut und prüft, ob das zusammengewürfelte Menü auf ihrem Teller schmeckt. Nach einem kurzen Moment erhellt sich ihr Gesichtsausdruck. „Alles super lecker“, sagt sie. Daumen hoch. Genüsslich schiebt sie sich den zweiten Löffel in den Mund. Sie ist zufrieden mit dem Endergebnis: Es gibt Linseneintopf mit Roter Bete, Curry aus Pastinake, Möhre, Steckrübe und Süßkartoffel sowie Kartoffelsalat mit Eiern und Zucchini. Dazu selbstgemachte Mayonnaise, Rote-Bete-Hummus und selbstgemachte Nachos.

"Schnippeldisko" im Evangelischen Bildungszentrum Hermannsburg

Zusammen mit neun anderen hat Lütjen in der „HeideLandGenussKüche“ des Evangelischen Bildungszentrums in Hermannsburg Gemüse und Kartoffeln geschnippelt und am Herd gestanden. Im Hintergrund ist Musik gelaufen. Es sollte eine „Schnippeldisko“ stattfinden – ein Format von Slow Food Youth. Den Anfang machte die Slow Food Youth in Berlin im Januar 2012. Seitdem wird überall auf der Welt geschnippelt und getanzt. International ist die „Schnippeldisko“ unter dem Namen „Disco Soup“ bekannt ist.

Verwertung geretteter Lebensmittel

„Ich habe das Konzept am vergangenen Wochenende entdeckt“, berichtet Stephan Haase, Leiter des Evangelischen Bildungszentrums. Im Rahmen der Fastenaktion für den Klimaschutz „So viel du brauchst …” – 2. März bis 17. April – wollen die Teilnehmer in Hermannsburg in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Umwelt und Klimaschutz der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und Slow Food Deutschland gerettete Lebensmittel in leckere Gerichte verwandeln, dabei gute Musik hören, tanzen und sich mit anderen austauschen. Während des gemeinsamen Kochens findet parallel eine Zoom-Konferenz mit anderen Aktionsteilnehmern und den Initiatorinnen statt. Jeder hat sich aus seiner privaten Küche dazugeschaltet, sodass auch in die anderen Töpfe geschaut werden kann.

Hof Drewes und vom Rabehof Oldendorf als Spender

Der Austausch unter den Teilnehmerinnen in Hermannsburg funktioniert perfekt. Jede hat eigene Ideen und Vorschläge, was man aus den vorhandenen Lebensmitteln zaubern könnte. Diese wurden vom Hof Drewes und vom Rabehof Oldendorf aus der Südheide beigesteuert. Außerdem habe ein Lebensmittelhändler nach Produkten mit ablaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum geschaut, so Haase.

Regel für Eier im Verkauf

Bettina Drewes vom gleichnamigen Hof hat Eier mitgebracht. Diese sind zwar noch nicht abgelaufen, dürfen aber nicht mehr zum Verkauf genommen werden. „Nach dem 21. Tag ab dem Legedatum dürfen Eier nicht mehr verkauft werden“, erläutert sie. Und das, obwohl sie eigentlich noch bis zum 7. März haltbar sind.

Tipps zwischendurch

Die Verkäuferin hat auch noch ein paar Tipps für die Gruppe bezüglich der Verwertung von Lebensmitteln, die nicht mehr so frisch aussehen. „Weiche Rote Bete kann ins kalte Wasser gelegt werden, dann ist sie wieder fester. Bei Kartoffeln funktioniert das auch. Sobald diese jedoch grüne Stellen haben, dürfen sie nicht mehr gegessen werden, warnt die Expertin. Anstatt die Stelle nur herauszuschneiden, rät sie, lieber die ganze Kartoffel zu entsorgen. Besonders der Rat, weiche Rote Bete und Kartoffeln ins kalte Wasser zu legen, ist bei ihren Mitstreiterinnen gut angekommen. „Das wusste ich noch nicht“, gibt Anne Binder zu.

Ernährungscoach und Lehramtsstudentin als Koordinatorinnen

Sobald sich die Gruppe um Ernährungscoach Tanja Haase und Lehramtsstudentin Ida Hilmer, die für die Koordinierung in der Küche zuständig sind, für ein paar Ideen entschieden hat, geht es ans Werk. Dorothea Schmidt wäscht das Gemüse ab, Anja Lütjen beginnt Möhren und Kartoffeln zu schälen. „Ein bisschen Friemel-Arbeit“, sagt sie und legt den Schäler zur Seite. Das gehe nur mit einem Messer.

"Kühlschrank ausräumen"

Aus der Richtung der anderen Kücheninsel erklingen bereits Bratgeräusche. Der Dunst steigt aus den Töpfen empor. Die Eier sind bereits fertig gekocht, doch was macht man nun daraus? „Wir könnten Kartoffelsalat mit Eiern machen“, schlägt Miriam Wittenburg vor. Hilmer stimmt ihr zu. Am Ende kommt auch noch Zucchini dran, weil die noch übrig ist. Viele Teilnehmerinnen bezeichnen diese Methode als „Kühlschrank ausräumen“. Alles, was noch vorhanden ist, wird zusammengewürfelt. Ungefähr diese Funktion hat jetzt der Kartoffelsalat übernommen.

Rote-Beete-Hummus

Plötzlich erklingt das Geräusch eines Mixers, das die eine oder andere zusammenzucken lässt. Tanja Haase steht vor dem Küchengerät und mixt Hummus. Doch dieser ist rötlich. „Das passiert, wenn noch Rote Beete dazukommt“, erläutert sie. Sie freut sich über die rote Farbe. Der Hummus schmeckt am Ende auch richtig gut.

Eine gelungene Mahlzeit

Nach dem Kochen kommt schließlich die Belohnung: Das gemeinsame Essen. Egal ob das Curry oder der kreativ zusammengewürfelte Kartoffelsalat, alle Teilnehmerinnen finden, dass ihnen ein gutes Mahl gelungen ist. „Man schmeckt nicht, dass die Zutaten nicht mehr so gut aussahen“, sagt Wittenburg.

Stephan Haase: Weitere Veranstaltungen zu diesem Thema folgen

Für Stephan Haase und das Evangelische Bildungszentrum ist die „Schnippeldisko“ die Auftaktveranstaltung in diesem Jahr. Es sollen noch weitere Aktionen und Seminare zum Thema Lebensmittelwertschätzung folgen. Im Fokus stehen hierbei vor allem regionale Lebensmittel und das Thema „Wie können wir Lebensmittelverschwendung verhindern?“. Eine Möglichkeit ist eine „Schnippeldisko“.

Von Katharina Jäger

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