Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Aus dem Landkreis Weltraum, Magnetwellen und Vokabeln
Celler Land Aus dem Landkreis

Drei Hermannsburger Schüler überzeugen bei "Jugend forscht"

11:00 28.04.2021
Von Benjamin Behrens
Thomas Biedermann und Julia Bienert sind stolz auf ihre erfolgreichen Schützlinge Philip Pohl, Timo Gundlach und Paul Brase (Vordergrund von links).
Thomas Biedermann und Julia Bienert sind stolz auf ihre erfolgreichen Schützlinge Philip Pohl, Timo Gundlach und Paul Brase (Vordergrund von links).  Quelle: Benjamin Behrens
Hermannsburg

Mit einem Surren setzt sich die große Parabolschüssel in Bewegung. Philip Pohl kann das neben dem Sportplatz des Christian-Gymnasiums aufgebaute Radioteleskop der Sternwarte Südheide Hermannsburg per Laptop ausrichten. So wie er es schon zig Mal getan hat. Im Laufe der Jahre hat der Schüler des 13. Jahrgangs so viele Messdaten gesammelt, dass sich Empfehlungen für zukünftige Forscher erstellen lassen: „Optimierung von Messkampagnen mit einem Schul-Radioteleskop“ lautet der Titel seines Projekts für den Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“.

Jugend-forscht-Wettbewerb nur online

In diesem Jahr fand der Wettbewerb wegen der Corona-Pandemie das erste Mal in digitaler Form statt. Unter den 31 Projekten, mit denen Schüler beim Regional-Wettbewerb in Celle angetreten waren, befanden sich auch drei des Christian-Gymnasiums Hermannsburg.
„Im Prinzip macht ein Radioteleskop dasselbe wie ein optisches Teleskop auch, nur, dass es keine Bilder liefert, sondern Graphen in einem Koordinatensystem“, erläutert Pohl.

Gaswolken in Milchstraße untersucht

„Man nimmt eine Messung auf und muss sich dann den Kopf zerbrechen, was es wirklich bedeutet.“
Die roten Linien erinnern eher an Aktienkurse als an Sternbilder. „Mittlerweile messe ich im vierten Jahr hier mit. Ich wollte schauen, wie man es hinkriegt, dass Messkampagnen sauberer werden und die Ergebnisse besser verwertbar sind“, so Pohl. Aktuell untersucht er Gaswolken in der Milchstraße.

Unterstützung vom ehemaligen Lehrer

Unterstützt wurde der Abiturient von seinem ehemaligen Lehrer Thomas Biedermann. „Seit 2017 bin ich im Ruhestand und für mich hat sich die Arbeit mit dem Teleskop ein bisschen reduziert. Aber Philip hat seitdem eine Messkampagne nach der anderen durchgeführt“, sagt der ehemalige Mathe- und Physiklehrer. „Im Moment ist tatsächlich in Vorbereitung, dass ich mit etwas Glück bei den ganz Großen in Effelsberg mit ihrem 100-Meter-Teleskop ein Praktikum mache“, hofft der Abiturient. Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie betreibt eines der größten Radioteleskope der Welt. Wenn das nicht klappt: „Definitiv ein Studium in Richtung Physik/Naturwissenschaften, Hauptsache forschen.“
Vor allem die Präsentation der Ergebnisse überzeugte auch die Jury, sodass Philip den zweiten Platz im Fachgebiet „Geo- und Raumwissenschaften“ und außerdem den Sonderpreis der SPD-Kreistagsfraktion erhielt.

Chaostheorie und Selbstbau-Pendel

Im Fachbereich „Physik“ entwickelte Abiturient Paul Brase sein Projekt „Simulation eines chaotischen Magnetpendels“ und baute auch ein Modell aus Holz, Angelschnur, einer Metallkugel und drei Magneten. „Der Versuch hat mich interessiert, weil er nicht in der Schule gelehrt wird, der Versuchsaufbau ist aber eigentlich recht simpel. Der Versuch gehört zur Chaosforschung, einem vergleichsweise neuen Thema“, so Brase. „Paul hat sich damit einem anspruchsvollen Problem sehr selbstständig und auf hohem Niveau gestellt“, lobt Betreuerin Julia Bienert. Das sah auch die Jury so: Zweiter Platz im Fachgebiet Physik und ein Sonderpreis für Qualitätssicherung sind der Lohn.

Neuling überzeugt Jury mit Programmieren

Während seine Mitschüler schon mit Projekten bei Jugend forscht dabei waren, ist Timo Gundlach zum ersten Mal am Start. Sein „Intelligenter Vokabeltrainer mit Python“ entwickelte sich aus dem Unterrichtsalltag. „Vokabeln aufschreiben, ist nicht das, was ich gerne mache“, sagt Gundlach. „Ich habe mich immer für Computer interessiert und so kam auf die Idee einen Vokabeltrainer zu programmieren.“
Also stand neben Fremdsprachen auch die Programmiersprache Python auf dem Lehrplan, die als einsteigerfreundlich und trotzdem leistungsfähig gilt.

Sein Vokabeltrainer gibt Feedback über die bisherigen Leistungen und erstellt abhängig davon auch individuelle Übungen. Eine automatische Erkennung von Tippfehlern führt zu genaueren Rückmeldungen. Dafür gab es den zweiten Platz im Fachgebiet „Mathematik / Informatik“ und den Sonderpreis der SPD-Kreistagsfraktion.

Carsten Richter 28.04.2021
27.04.2021
Öffentliche Toiletten - Ein Problem drängt wie nie
Christian Link 27.04.2021