Dreiste Diebe

Diese Banküberfälle erschütterten Celle

Banküberfälle werden immer seltener. Früher machten diese schweren Verbrechen im Landkreis Celle häufiger Schlagzeilen. Ein Blick zurück.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 14. Dec 2021 | 10:20 Uhr
  • 09. Jun 2022
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  • 14. Dec 2021 | 10:20 Uhr
  • 09. Jun 2022
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Celle.

Bankräuber sterben aus. Überfälle auf Banken, Sparkassen und Postfilialen sind selten geworden. 2020 zählte das Bundeskriminalamt (BKA) lediglich 80 Überfälle. Die Anzahl ist laut dpa-Meldung in den vergangenen drei Jahrzehnten um 95 Prozent gesunken. Gründe für diesen starken Rückgang sind zum einen die abnehmende Bedeutung des Bargelds und bessere Sicherheitsvorkehrungen.

Auch im Landkreis Celle haben Banküberfälle mehrmals für Aufsehen gesorgt. Nicht immer waren die Täter erfolgreich. Wir haben einige der schwersten, aber auch kuriosesten Fälle zusammengefasst.

“Sie kommen zu spät”

Manchmal scheitern Banküberfälle früh. Vor allem, wenn die Filialmitarbeiter hinter sicherem Panzerglas stehen und sich von Schusswaffen nicht einschüchtern lassen. So geschehen am 1. September 1966 in Unterlüß. Gegen 10 Uhr stürzten zwei Männer in den Kassenraum und forderten Geld. „Meine Herren, Sie kommen zu spät,“ sagte darauf der Kassenleiter und zeigte auf die Scheibe aus Sicherheitsglas. Sie war erst wenige Tage zuvor eingebaut worden. Daraufhin flüchteten die Bankräuber, die kurze Zeit später in der Nähe von Munster gestellt und festgenommen wurden.

Zwei Überfälle an einem Tag

Dieser Tag hielt die Polizei im Landkreis Celle in Atem: Gleich zwei Banküberfälle ereigneten sich am 4. Dezember 1986. Der Morgen fing für die Beamte zunächst mit einer Bombendrohung im Oberlandesgericht (OLG) an, die sich später als Falschmeldung herausstellte. Während die Polizisten im OLG beschäftigt waren, hatte ein Mann in Sichtweite der Polizeizentrale die vergitterten Fenster einer Sparkassen-Filiale aufgesägt. Im Inneren lauerte er auf das Kommen der Angestellten. Unter Bedrohung mit einer Pistole zwang der Täter die Mitarbeiter zur Herausgabe des vorhandenen Geldes. Er entkam mit 168.000 Mark.

Am selben Tag wurde auch die Geschäftsstelle Wietze der Kreissparkasse Celle überfallen. Drei mit Sturmhauben maskierte Männer drangen gegen 18.30 Uhr in das Gebäude, bedrohten die Angestellten mit Waffen. Ein Mitarbeiter wurde niedergestreckt. Die Bankräuber flohen mit Bargeld in Höhe von etwa 380.000 Mark. 2005 wurde einer der Täter zu einer 14-jährigen Haftstrafe verurteilt. Der Mann war 1999 wegen mehrerer anderer Überfälle verhaftet worden und hatte im Gefängnis mit dem Raub bin Wietze geprahlt.

Überfall mit Geiselnahme

Dramatisch wurde es 2004 in Müden: Ein maskierter Mann stürmte die Volksbank-Filiale, flüchtete anschließend mit einem Leinenbeutel voller Bargeld und dem Filialleiter als Geisel. Während der Fahrt soll dieser mit einer Waffe bedroht worden sein, kurze Zeit später ließ ihn der Täter frei. Der Filialleiter erlitt einen Schock. Der Bankräuber konnte gefasst werden und wurde zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und drei Monaten verurteilt. Ein Jahr zuvor war er bereits an einem Überfall in Sehnde-Ilten beteiligt gewesen. Zum Verbleib der Beute von rund 150.000 Euro aus beiden Überfällen hat der Siegener keine Angaben gemacht.

Nienhagen erwischt es mehrmals

Mitarbeiter in Nienhagen brauchten starke Nerven. Die Volksbank wurde mehrmals binnen kürzester Zeit das Ziel verschiedener Bankräuber. Am 8. März 2004 war ein Überfall noch gescheitert. Zwei Männer hatten sich im Keller versteckt und morgens einen Sicherheitsbeamten überwältigt, der aber keine Schlüssel zum Innenraum hatte. Die Täter flohen.

Eine Bombendrohung gab es am 24. August 2006, der Räuber erbeutete 6000 Euro. Nicht einmal ein Jahr später, am 13. Juni 2007, kam der nächste Schock: Ein maskierter Mann schlägt einen Volksbank-Mitarbeiter nieder, eine Mitarbeiterin wird mit einer Schusswaffe bedroht und dazu aufgefordert, Bargeld auszuhändigen. Er floh mit einem fünfstelligen Betrag in der Tasche.

Von Fernsehsendung inspiriert

Zwei Brüder aus Celle sorgten in Garßen, Uetze und Hillerse für Angst und Schrecken. Zweimal waren sie erfolgreich, 2012 erbeuteten sie in Garßen 38.000 Euro. Beim dritten Raubversuch scheiterten sie jedoch und landeten vor Gericht, wo sie aussagten, sie hätten sich von Fällen aus "Aktenzeichen XY" inspirieren lassen. Während des Überfalls aus Garßen, hatte sich einer der Täter unentwegt bei den Bankangestellten entschuldigt. Da plagte einen wohl das schlechte Gewissen. Doch die Schuldgefühle des Täters ändern nichts an den Bildern, „die ich nicht mehr aus dem Kopf kriege“, fand eine der Mitarbeiterinnen.

Falscher Drogendeal läuft schief?

Ein Überfall aus dem Winter 2012 endete mit einer kuriosen Verhandlung und einer Entschuldigung beim Opfer. Ein damals 22-Jähriger hatte einen anderen Mann in einer Bergener Sparkassenfiliale niedergeschlagen und ihm 500 Euro abgenommen. In einer Gerichtsverhandlung wurde klar, dass sich beide kurz vorher in einer Bar kennengelernt hatten.

Der Angeklagte gab an, dass sein späteres Opfer Drogen im Wert von mehreren hundert Euro kaufen wollte. Diese Chance ergriff der Räuber, behauptete Drogen dabei zu haben und sie ihm zu verkaufen, wenn sie zusammen das Geld holen würden. Kaum war das Geld abgehoben worden, entriss er es seinem Opfer. Während der Verhandlung entschuldigte sich der Täter, auch die 500 Euro zahlte er zurück. Das Opfer widersprach allerdings der Geschichte. Er sagte, er hätte das Geld nicht für Drogen, sondern zur Zahlung einer Mietkaution benötigt.

17-Jähriger hält Diebin fest

Manche Überfälle ereignen sich auch außerhalb von Bankfilialen, wenn Menschen nach dem Geldabheben Opfer von Dieben werden. Im Dezember 2014 versuchte eine Räuberin vor der Sparkasse in der Blumlage einer Seniorin die Handtasche zu entreißen. Womit sie nicht gerechnet hatte: Ein damals 17-Jähriger beobachtete die Tat und hielt die Flüchtende fest. Dafür gab es später eine Auszeichnung für Zivilcourage.

Auch Postfilialen betroffen

Raubüberfälle betrifft nicht nur Banken und Sparkassen. Auch in Postfilialen erhoffen sich die Täter, Bargeld erbeuten zu können. Mehrmals betroffen war die Postfiliale in Altencelle. "Wut, Verzweiflung, Angst – es kommt alles zusammen", beschrieb die Inhaberin ihre Gefühlslage nach dem zweiten Überfall 2014. Um kurz nach 8 Uhr kam der Täter in die Filiale und bedrohte sie mit einer Waffe. Auch eine Überwachungskamera verhinderte die Tat nicht.

Flucht trotz Knie-OP

Rudolf-Andreas Fischer hatte im Frühjahr 2019 seine Postfiliale gerade aufgeschlossen, da passierte es: Zwei Täter stürmten mit Messer und Hammer sein Geschäft und forderten den Schlüssel für den Tresor. Als Fischer den Schlüssel fallen ließ, forderte er die Räuber auf, diesen selbst aufzuheben und den Tresor zu öffnen. Der gehbehinderte Filialleiter nutzte seine Chance und humpelte nach draußen, wo er um Hilfe rief. Die Täter flüchteten - ohne Geld.

Von Lisa Brautmeier

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