Hans Knoop

Naturfreund mit Blick für das "große Ganze"

Bei den Celler Jägern ist eine Ära zu Ende gegangen: Kreisjägermeister Hans Knoop hat sein Amt in jüngere Hände gegeben. Ein Blick zurück und nach vorne.

  • Von Carsten Richter
  • 30. Nov 2021 | 12:59 Uhr
  • 09. Jun 2022
  • Von Carsten Richter
  • 30. Nov 2021 | 12:59 Uhr
  • 09. Jun 2022
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Luttern.

Nur noch wenige Blätter sind auf den Bäumen, die Luft ist herbstlich kühl an diesem Vormittag Ende November. Gemächlich fließt die Lutter am Grundstück von Hans Knoop entlang. Hoch oben ist das Kreischen von zwei Vögeln zu hören. Der 69-Jährige blickt zum Himmel. Mit Leichtigkeit ordnet er die Geräusche und die Form der Flügel zu. "Das eine ist ein Bussard, das andere eine Weihe. Die sieht man selten", sagt er. Hans Knoop ist gerne draußen rund um seinen Heimatort Luttern unterwegs – ein absoluter Naturfreund. "Die Jahreszeiten auf sich wirken zu lassen, das hat mich schon immer fasziniert."

Hans Knoop nach 15 Jahren als Celler Kreisjägermeister ausgeschieden

Durch die Liebe zur Umwelt ist er auch zur Jagd gekommen. Die Leidenschaft steckt in der Familie. 30 Jahre lang, von 1991 bis 2006 zunächst als Stellvertreter, hat sich Knoop an vorderster Stelle für die Belange der Jäger im Landkreis Celle eingesetzt. Am 1. November dieses Jahres schließlich hat Knoop das Amt des Kreisjägermeisters an seinen Nachfolger Helge John abgegeben – sein Erfahrungsschatz aber wird sicher noch das ein oder andere Mal gefragt sein.

"Wenn wir nicht bereit sind, uns selbst einzubringen, dürfen wir auch nicht meckern", schildert Hans Knoop seine Motivation, aus der heraus er sich einst bereit erklärte, die Aufgabe zu übernehmen. Als Kreisjägermeister sei es ihm immer wichtig gewesen, das große Ganze zu sehen. "Was hilft es, wenn wir eine Tierart nach vorne stellen, eine andere aber ausstirbt?", meint er.

Hitzige Diskussion über Umgang mit Wolf

Das betrifft auch die Diskussion über den Wolf – ein Thema, das wie kein zweites seit Jahren die Gemüter erhitzt. Den Wolf schützen oder ihn bejagen: "Da prallen zwei Seiten aufeinander. Ich habe die Sorge, dass die Sache aus dem Ruder läuft", sagt Knoop nachdenklich. Dabei spricht sich der nun ehemalige Kreisjägermeister ganz klar für die Aufnahme ins Jagdrecht aus. "Bei einer Bejagung würde er die Scheu nicht verlieren." Tatsächlich aber kommt der Wolf den Menschen immer näher. Morgens um halb sechs sei ein Tier schon durch den Ort gelaufen, berichtet er.

Wölfe wirken sich auf Jagdstrecke aus

Wenn Wölfe auf Beutezug gehen, merken das auch die Jäger an der Jagdstrecke. "Der Wolf reißt schon erhebliche Stückzahlen. Die Jäger mussten erst akzeptieren, dass es noch einen weiteren Jäger gibt", so Knoop. Auch im laufenden Jagdjahr werde die Schalenwildstrecke am Ende deutlich zurückgegangen sein, blickt Knoop voraus. Was nicht nur, aber auch am Wolf liege.

Mehr Ruhezonen für das Wild?

Mit der gesellschaftlichen Akzeptanz der Jäger ist es nicht zum Besten bestellt. Dass Jagdrecht auch ein Eigentumsrecht ist, werde oft vergessen. "Dabei müssen wir auch kritisch mit uns selbst umgehen", mahnt Knoop einen respektvollen Umgang mit den Tieren an. "Wir müssen der Natur mehr Zeit lassen", sagt er. Wenn das Wild mehr Ruhezonen zum Äsen hätte, würden die Verbissschäden abnehmen. "Der Mensch darf überall hin, das ist das Problem. Und die Politik tut sich schwer damit, den Menschen etwas zu verbieten."

Was Hans Knoop seinem Nachfolger Helge John wünscht

Mehr Vertrauen und Vernunft, dafür weniger ideologisches Denken in der Politik: Das wünscht Hans Knoop seinem Nachfolger. Der 69-Jährige selbst, der vom ebenfalls ausgeschiedenen Landrat Klaus Wiswe zum Ehrenkreisjägermeister ernannt wurde, will gerne weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen: "Wenn sie mich rufen, werde ich helfen."

Hans Knoop viel mehr Zeit in der Natur verbringen

Langweilig wird es Knoop aber auch sonst nicht werden. Im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie fällt immer Arbeit an. Und seine neun Enkelkinder fordern ebenfalls Aufmerksamkeit. Wo er die freie Zeit, die er nun gewonnen hat, verbringen wird, ist klar: "Ich liebe es, eins mit der Natur zu sein", sagt der passionierte Jäger. Rund um Luttern findet er davon mehr als genug.