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Aus dem Landkreis „Dann haben wir mit Zitronen gehandelt“
Celler Land Aus dem Landkreis „Dann haben wir mit Zitronen gehandelt“
12:55 13.06.2010
Von Simon Ziegler
Winser Kreisaltenheim: Kreis investiert zwei Millionen Euro
Winser Kreisaltenheim: Kreis investiert zwei Millionen Euro Quelle: Peter Müller
Landkreis Celle

Der Landkreis Celle steht vor einem echten Dilemma. Sollte das Winser Kreis-Altenheim nicht umgebaut wird, droht der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, weil andere, private Heime bessere Bedingungen bieten könnten. Wird saniert, müssen die Bewohner deutlich mehr zahlen. „Wenn die Leute später nicht mehr kommen, haben wir mit Zitronen gehandelt“, sagt Erster Kreisrat Matthias Krüger.

Das Winser Seniorenheim ist das Einzige, dass in der Trägerschaft des Landkreises ist. Das bietet einige Vorteile: Das Heim muss keine Gewinne erzielen und zahlt die Angestellten nach Tarif. Ein Millionengrab darf es aber auch nicht werden, darüber sind sich Politik und Verwaltung einig. „Die Entscheidung für die Sanierung muss bald fallen“, sagt Krüger.

Die Einrichtung im Celler Westkreis gibt es seit 45 Jahren. Anfang des Jahrtausends wurde das Heim in einem ersten Sanierungsschritt umgebaut, so dass überwiegend Einzelzimmer entstanden. Heute gibt es dort 48 Plätze, die sich in 30 Einzelzimmer und neun Doppelzimmer aufteilen. „Momentan sind 46 von 48 Plätzen belegt“, sagt der Geschäftsführer des Seniorenheims, Andreas Geschwentner.

Kern der Modernisierungsüberlegungen des Landkreises sind die Doppelzimmer, die als nicht mehr zeitgemäß gelten. „Die Belegung der Doppelzimmer gestaltet sich seit einigen Jahren als schwierig“, sagt Krüger. Denn wer will seinen Lebensabend mit fremden Menschen in einem Zimmer verbringen? Es ist keine Überraschung, dass die beiden derzeit freien Plätze in Doppelzimmern sind.

Gegenwärtig werden drei Sanierungs-Varianten diskutiert, sagt Sozialamtsleiter Ralf Schumann. Erstens könnten die Doppelzimmer zu Einzelzimmer umgebaut werden. Das würde Kosten sparen, die Einrichtung wäre mit 39 Plätzen aber zu klein, um wirtschaftlich zu sein, so Schumann. Deshalb könnte zweitens zusätzlich ein Anbau erfolgen – machbar, aber teuer. Die Rede ist von mindestens zwei Millionen Euro. Drittens: Der Landkreis macht gar nichts. „Das ist aber nicht realistisch“, sagt der Sozialamtsleiter. Er geht davon aus, dass die zweite, teure Variante am wahrscheinlichsten ist.

Die Konsequenzen wären indes für die Bewohner erheblich. Schon jetzt zahlen sie im Einzelzimmer abhängig von der Pflegestufe zwischen 2420 und 3270 Euro im Monat, Härtefälle sogar noch mehr. Bei einer Investitionssumme von zwei Millionen Euro muss jeder Bewohner am Tag sechs Euro mehr zahlen, hat die Verwaltung errechnet. Macht im Jahr eine zusätzliche Summe von rund 2160 Euro.

„Die Frage muss noch beantwortet werden, ob wir das wollen“, sagt Kreisrat Krüger. In einer der kommenden Sozialausschuss-Sitzungen wird sich die Politik mit dem Thema befassen. Realistischer Baubeginn sei nicht vor 2011, heißt es.