Booster-Shots

Das müssen Sie über die dritte Dosis wissen

Immer mehr Menschen wollen die Booster-Impfung, um sich gegen Corona zu schützen. Doch bisher bekommen die dritte Dosis nur wenige.

  • Von Simon Ziegler
  • 25. Okt. 2021 | 17:03 Uhr
  • 09. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 25. Okt. 2021 | 17:03 Uhr
  • 09. Juni 2022
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Celle.

Das Interesse an Auffrischungsimpfungen wächst in Stadt und Kreis Celle. Immer mehr Geimpfte fragen sich, ob sie sich um eine sogenannte Booster-Impfung (boost: Englisch für auffrischen, verstärken) gegen das Coronavirus kümmern sollen. Doch die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die dritte Impfung bisher nur für Menschen mit Immunschwäche. Seit Mitte Oktober gilt die Stiko-Empfehlung auch für Menschen ab 70 Jahren, Pflegepersonal sowie medizinisches Personal. Zudem sollten Menschen, die den Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen hatten, eine zweite Impfung erhalten.

Celler Ärztesprecher warnt

Der Celler Ärztesprecher Ralf Aring rät allen anderen Bevölkerungsgruppen von der dritten Impfung entschieden ab. Zwar ist es denkbar, dass beispielsweise die 50- oder 60-Jährigen jetzt ihren Hausarzt um die dritte Impfung bitten. Doch Vorsicht: „Wenn etwas schief geht, steht man alleine da. Wenn die Impfung zum Beispiel eine langwierige Herzmuskelentzündung verursacht, könnte sich die Berufshaftpflicht weigern, den Schaden abzudecken. Es gibt ja keine Stiko-Empfehlung“, sagt Aring. Er selbst glaubt nicht daran, dass eine dritte Impfung für alle nötig sein wird.

Das sagt Arzneimittelbehörde

Das ist aber nicht unumstritten, zumal es Studien gibt, wonach die Impfeffektivität sinkt. Die meisten Analysen beziehen sich bislang auf ältere Menschen. Fachleute gehen davon aus, dass der Impfschutz bei Jüngeren langsamer abnimmt. Indes sprach sich auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA bereits für Auffrischungsimpfungen für volljährige Menschen aus. In Frage kommen die Booster-Shots für Menschen ab 18 Jahren mit einem Abstand von mindestens sechs Monaten zur zweiten Dosis. Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover sagte gegenüber tagesschau.de, es werde „unumgänglich sein, jüngere Menschen mit in die Impfempfehlung einzubeziehen“. Noch in diesem Jahr sollten Menschen ab 60 Jahren, vielleicht sogar ab 50, eine Auffrischungsimpfung bekommen.

Fast 100.000 Booster-Impfungen in Niedersachsen

In Deutschland haben nach Zahlen des Robert Koch-Instituts bisher 1,5 Millionen Menschen eine Auffrischungsimpfung bekommen. In Niedersachsen sind es 98.000 Menschen, die den Booster gegen das Coronavirus erhalten haben. Die Mehrheit der Impfungen wird von niedergelassenen Ärzten verabreicht, einen Teil übernehmen mobile Impfteams. Sie sind als Unterstützung gedacht und insbesondere mit den Auffrischungsimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen beauftragt.

Ein Impfteam im Kreis Celle

Im Kreis Celle ist nach der Schließung des Impfzentrums Anfang Oktober noch ein mobiles Impfteam unterwegs, sagt Landkreis-Sprecher Tore Harmening. In der vergangenen Woche hat es 517 Impfungen vorgenommen. Darunter waren fünf Erstimpfungen und vier Zweitimpfungen. „Der Rest sind Drittimpfungen“, sagt Harmening. Das mobile Impfteam hat bisher insgesamt 1106 Booster-Impfungen durchgeführt. Dazu kommen 1751 Booster-Impfungen durch die niedergelassenen Ärzte.

Am Impfstoff liegt es nicht

Dass die Zahl der Drittimpfungen noch so gering ist, liegt nicht am Impfstoff. Davon ist genug da. Der Grund ist ein anderer: Die Auffrischimpfung soll frühestens sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung erfolgen, also sechs Monate nachdem der volle Impfschutz wirksam war. Vor einem halben Jahr hatten aber viele über 70-Jährige noch gar nicht ihre zweite Spritze erhalten. Übrigens: Die dritte Corona-Impfung ist – wie alle anderen Impfungen gegen Corona auch – kostenlos.

Selbst aktiv werden

Wer eine dritte Impfung bekommen möchte, muss übrigens selbst aktiv werden und etwa den Hausarzt ansprechen, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Hannover. Ein Schreiben des Landes Niedersachsen an alle Senioren werde es nicht geben.

Impfquote im Celler Land

Unterdessen sind im Landkreis Celle den Behörden zufolge 122.828 Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Das entspricht einer Quote von 68,5 Prozent.