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Aus dem Landkreis Rückschlag mit Langzeitfolgen
Celler Land Aus dem Landkreis

Corona-Auswirkungen auf Arbeitsmarkt besonders gravierend für Behinderte

11:00 12.12.2020
Quelle: Julian Stratenschulte
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Celle

Das geht aus dem aktuellen „Inklusionsbarometer Arbeit“ der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes hervor. In Niedersachsen ist die Anzahl arbeitsloser Menschen mit Schwerbehinderung im Oktober um 11,7 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Zwar liegt Niedersachsen damit unter dem bundesweiten Durchschnitt von rund 13 Prozent, dennoch sind in unserem Bundesland insgesamt 13.343 Behinderte ohne Arbeit.

Im Landkreis Celle sieht es angesichts dieser Entwicklung noch vergleichsweise gut aus, berichtet Benjamin Bauch, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Celle: „Die Zahlen folgen einem Abwärtstrend.“ Zwar ergebe ein Vergleich mit den Vorjahreswerten einen leichten Zuwachs in bestimmten Berichtsmonaten, doch ob Corona oder wirtschaftliche Veränderungen im Kreisgebiet dabei eine Rolle spielten, sei nicht erkennbar. Waren beispielsweise im Mai vergangenen Jahres 291 schwerbehinderte Menschen als arbeitslos gemeldet, so waren es im Mai des Corona-Jahres 326. Im November verbuchte die Agentur für Arbeit 285 arbeitslose Schwerbehinderte gegenüber 277 im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Deutliche Trendwende

Für jeden Betroffenen natürlich eine bittere Entwicklung, doch im Vergleich zur Gesamtentwicklung offenbar eher moderat. Bundesweit würden die Studienergebnisse des „Inklusionsbarometers Arbeit“ leider eine deutliche Trendwende markieren, heißt es von der Aktion Mensch. „Seit 2013 hatte sich die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung in Deutschland fast stetig verbessert,“ resümiert Professor Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institutes. „Doch die rasant negative Entwicklung in diesem Jahr macht in kürzester Zeit die Erfolge der letzten vier Jahre zunichte.“

Zwar steigt die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderung bundesweit langsamer an als die allgemeine Arbeitslosenquote, räumt die Aktion Mensch ein. Doch die negativen Folgen der Corona-Pandemie dürften für Arbeitslose mit Schwerbehinderung deutlich länger andauern. „Haben Menschen mit Behinderung ihren Arbeitsplatz erst einmal verloren, finden sie sehr viel schwerer in den ersten Arbeitsmarkt zurück als Menschen ohne Behinderung,“ erklärt Sprecherin Christina Marx. „Das gilt auch für Niedersachsen – im Durchschnitt suchten arbeitslose Menschen mit Behinderung hier schon im vergangenen Jahr 107 Tage länger nach einer neuen Stelle als Menschen ohne Behinderung.“

Statistik krankt an unterschiedlichen Begriffsdefinitionen

Unterschiedliche Begriffsdefinitionen in den unterschiedlichen Statistiken könnten allerdings auch zu unterschiedlichen Aussagen führen, räumt die Celler Arbeitsagentur einschränkend ein. Pressesprecher Bauch verweist auf das Sozialgesetzbuch: Das unterscheide zwischen den Begriffen „behinderte Menschen“, „schwerbehinderte Menschen“ und „gleichgestellten Menschen“.

Von der negativen Arbeitsmarktentwicklung infolge der Infektionswelle sind laut „Inklusionsbarometer Arbeit“ durchweg alle Bundesländer betroffen. Den höchsten Anstieg an arbeitslosen Menschen mit Behinderung verzeichnen Bayern mit 19,1 Prozent und Hamburg mit 18,9 Prozent. Nach dem Ende der Pandemie werde es eine geraume Zeit dauern, die durch das Virus verursachten ökonomischen Schäden zu beheben – auch und besonders mit Blick auf die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland.

Von Klaus M. Frieling

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