Exotischere Feldfrüchte

Celles Bauern erleben durchwachsene Saison

Quinoa, Heideknoblauch, Renekloden – neben Klassikern wie Äpfeln, gedeiht allerlei Exotisches auf Celles Feldern. So fällt die Ernte in diesem Jahr aus.

  • Von Benjamin Behrens
  • 20. Okt. 2021 | 13:49 Uhr
  • 09. Juni 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 20. Okt. 2021 | 13:49 Uhr
  • 09. Juni 2022
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Landkreis Celle.

Die aus Südamerika stammende Kulturpflanze Quinoa, Heideknoblauch oder Renekloden – auf Celles Äckern, Plantagen und Feldern gedeiht so einiges, was durchaus exotischer ist als die klassischen Brotfrüchte für Landwirte wie Weizen, Zuckerrübe oder Mais. Auch die ganze Bandbreite an Beeren und Steinobst gedeiht hier, wie auch der Deutschen Lieblingsobst, der Apfel.

Laut Landvolk-Vorsitzendem Christoph Düvel ist die Bilanz für die Klassiker der Feldfrüchte durchaus positiv. Doch wie sieht es bei den Exoten aus?

5000 Jahre alte Kulturpflanze gedeiht bei Huxahl

Quinoa, auch Reismelde genannt, wurde bereits vor etwa 5000 Jahren von den Inka als Kulturpflanze genutzt. Doch gedeiht die robuste Pflanze aus der Gattung der Gänsefüße auch, wenn die Aller und nicht die Anden die Landmarke sind?

Henrike Garbers-Sumpf baut die Feldfrucht seit 2019 in Huxahl an und vermarktet sie über ihren Betrieb Huxahler Land. „Allein von dem, was als Rohware runtergekommen ist, war es gut. Die genaue Bilanz wissen wir immer erst Anfang nächsten Jahres, weil es dann gereinigt ist. Wir haben es im August gedroschen, dann steht es aber erstmal“, sagt Garbers-Sumpf. „Ich würde sagen, es war eine normal-gute Ernte. In den Vorjahren war es zu wenig wegen der Trockenheit. Es war jetzt kein Spitzenjahr, aber gut, wie etwa beim Mais“, sagt die Landwirtin. In den Vorjahren wurden eineinhalb Tonnen pro Hektar eingefahren. „Für Quinoa haben wir immer so ein bis drei Hektar. Ich hoffe, dass es jetzt so gegen zwei Tonnen geht“, so Garbers-Sumpf.

Ernte für feine Quinoa-Körner braucht Erfahrung

Die Ernte selbst profitierte davon, dass inzwischen etwas Erfahrung mit der für unsere Breitengrade exotischen Pflanze gesammelt wurde. „Es gibt keine Einstellung im Mähdrescher für Quinoa, da mussten wir uns rantasten. Aber dieses Jahr lief es total problemlos, jetzt weiß man, worauf man achten muss.“

Die Krux: Die Dreschtrommel des Mähdreschers muss entsprechend angepasst werden. Rotation, Höhe und eine Vielzahl von weiteren Parametern sind für das Erntegut angepasst worden. „Da macht es natürlich einen Unterschied, ob ich etwa Erbsen dresche oder was kleines Feines wie Quinoa. Wenn man zu viel Umdrehung reingibt, fliegt dieses leichte Korn drüber und landet wieder auf dem Acker statt im Anhänger. Da braucht man ein bisschen Fingerspitzengefühl“, erklärt Garbers-Sumpf.

So war die Obst-Saison

Solche Sorgen hat Wilhelm Alps, Betreiber des Beerenhofes Alps, nicht. Beerenobst, Steinobst (wie Kirschen oder Pflaumen) und Kernobst (Äpfel und Birnen) sind von der Handhabung her altbekannt. Doch wie fiel der Ertrag aus?

„Es war schon eine Herausforderung. Durch die Kälte im Februar mit 20 Grad minus und diesem fürchterlich kalten April hat sich das ganz schön ausgedünnt“, sagt Alps. „Man kann sagen: Äpfel sind ganz gut, auch von der Qualität, das passt. Alles andere hat richtig einen auf die Rübe gekriegt.“ Heidelbeeren seien noch okay. „Himbeeren und Zwetschgen waren ganz schlimm, weil da die Blüte genau in den April fiel, wo das Wetter so schlecht war.“

Himbeeren leiden unter Frost

Gerade Himbeeren hätten auch unter dem Frost gelitten. „Da waren es wahrscheinlich nur 60 Prozent vom Ertrag, bei Zwetschgen vielleicht zehn Prozent, es war nicht witzig“, zieht der Beeren-Bauer Bilanz. „Ich habe im Laufe der Jahre festgestellt: Irgendeine Kultur hat immer Probleme. Zum Glück bin ich recht breit aufgestellt.“

Himbeeren baut Alps auf vier Hektar an, zwei davon sind für Selbstpflücker. „Heidelbeeren bauen wir seit Kurzem auf einem Hektar an. Die Pflanzen sind sehr robust und durch eine Frostschutzberegnung können wir dort gleichmäßige Erträge erzielen. Vielleicht schaffen wir es in Zukunft, wenn die Pflanzen die volle Größe haben, die theoretische Größe von vier Kilo pro Meter Hecke zu erreichen“, hofft Alps.

Viele Früchte bleiben unter Potential

Zwetschgen, Mirabellen und Renekloden, auch Edel-Pflaume genannt, baut der Betrieb auf einer Fläche von 4,5 Hektar an. Die Ernte beginnt Ende Juli und zieht sich bis Anfang Oktober. Bis zu 20 Kilogramm pro Baum sind möglich, was im Vorjahr durchaus vorkam. In diesem Jahr sind ein bis fünf Kilogramm kein Grund zur Freude. Bei Sauer- und Süßkirschen gab es ein ähnliches Bild, hier lag die Ausbeute bei acht Kilogramm pro Baum. Johannis- und Stachelbeeren kamen auf zweieinhalb Hektar auf zwei Kilogramm je laufender Meter – möglich sind bis zu vier.

Die Apfelernte ist in den letzten Zügen, hier baut Alps auf fünf Hektar an, ein halber davon für Selbstpflücker. Die früheste Sorte wird schon Ende August gepflückt, derzeit sind spätere Sorten dran. „Der Ertrag ist bis zu zehn Kilo je Baum. Ertragsschwankungen sind recht gering, da der Apfelbaum eine robuste Pflanze ist und mit der vorhandenen Frostschutzberegnung die Blütenfrostschäden gut verhindert werden“, sagt Alps.

In Celle wird Knoblauch aus Spanien und Frankreich angebaut

Apropos Kälte: Die passt den Knoblauchsorten von Jonas Rantze und seinem Betrieb Heideknoblauch gar nicht. „Es war mal ein normales Frühjahr, es gab vernünftige Niederschläge und die Temperaturen waren nicht so hoch. Allerdings mochte der Knoblauch das nicht so. Wir haben eher unterdurchschnittliche Erträge gefahren.

Die Sorten kommen aus Spanien, dort sind sie an das Wetter angepasst.“ Der Ajo, Koblauch auf Spanisch, wird in den Sorten „Garpek“ und „Darcua“ angebaut. Der französische „Ail“ ist durch die später wachsende Sorte „Sabagold“ vertreten. „Die war einen Tick überm Durchschnitt“, sagt Rantze. Rund sechs Hektar werden bewirtschaftet, jeweils im Drittel nach Sorte geteilt. Die Ware wird größtenteils frisch verkauft und nur ein kleiner Teil getrocknet vermarktet.

„Unsere Ernte ist im Juli bis August zu Ende. Wir pflanzen schon wieder“, sagt Rantze.