Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Aus dem Landkreis Für Azubi ist klar: „Hauptsache Grün“
Celler Land Aus dem Landkreis

Celler erlernt Beruf im GaLa-Bau: Für ihn ist Hauptsache, dass es grün ist

12:00 28.03.2021
Werker-Azubi Kevin Bergstedt verlädt Kompost.
Werker-Azubi Kevin Bergstedt verlädt Kompost. Quelle: Lothar H. Bluhm
Anzeige
Winsen

Herrlich frische Luft, wärmender Sonnenschein, aber kühle fünf Grad: Trotzdem hat Kevin Bergstedt Schweißperlen auf der Stirn. Er hat gerade einen großen kräftigen Hortensien-Busch ausgegraben und mit der Schubkarre zu dem neuen Standort im Garten des gepflegten Hügelgrundstücks in Oldau transportiert. Kevin Bergstedt wird Werker im Gartenbau Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau. Sein Ausbildungsbetrieb ist in Winsen, die heutige „Baustelle“ in Oldau.

Becklinger ging in Bergen zur Schule

Kevin Bergstedt ist 20 Jahre alt und kommt aus Becklingen. Er besuchte die Käthe-Kollwitz-Schule in Bergen und absolvierte danach ein Berufsvorbereitungsjahr an der Albrecht-Thaer-Schule in Altenhagen. „Es war von Anfang an klar, dass ich einen grünen Beruf erlernen werde“, sagt Bergstedt. Schließlich habe er schon immer im heimischen Garten mitgearbeitet oder bei Nachbarn geholfen. „Hauptsache Grün – das macht mir wirklich Spaß!“

Kevin Bergstedt hat viel Spaß auch an schwerer Arbeit. Quelle: Lothar H. Bluhm

Arbeitsagentur vermittelt die Stelle

Von der Arbeitsagentur erhielt er den Tipp, sich in dem Winser Betrieb zu bewerben, da dort die Ausbildung zum Werker im Gartenbau angeboten wird. Durch eine Lese- und Rechtschreibschwäche ist Bergstedt beeinträchtigt. „Kevin ist der dritte junge Mann, den wir zum Werker ausbilden“, sagt Gartenbaumeister Ulf Söhnholz, Geschäftsführer der Lindhorst Garten- und Landschaftsbau GmbH.

Ausbilder im GaLa-Bau-Unternehmen Lindhorst in Winsen ist Geschäftsführer Ulf Söhnholz. Quelle: Lothar H. Bluhm

Ausbilder hat sich weitergebildet

Söhnholz hat eine rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation, in der er schwerpunktmäßig Themen wie Psychologie, Pädagogik, Didaktik und Interdisziplinäre Projektarbeit behandelte. „Durch die erfolgreiche Teilnahme an einer Weiterbildung am Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft in Oldenburg hat Ulf Söhnholz die behindertenspezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten nachgewiesen“, hat ihm die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bescheinigt.

14 "grüne" Ausbildungsberufe

Insgesamt werden 14 Ausbildungsberufe im Agrar- und Ernährungsbereich als „grün“ bezeichnet, die vielseitig, technisch anspruchsvoll und naturverbunden sind. Die Arbeit mit Menschen, Tieren und Pflanzen oder auch die Herstellung von Nahrungsmitteln wie Milch, Wein, Honig oder Fleisch gehören dazu. Agrarservice, Fischwirte, Forstwirte, Landwirte, Hauswirtschafter, Milchwirtschafter, Pferdewirte, Jäger und Tierwirte – die Palette ist vielfältig. Die „Grünen Berufe“ bieten zahlreiche Perspektiven, so absolvierten im Jahr 2019 bundesweit 32.331 junge Menschen eine Ausbildung – allein 2868 zum Gartenfachwerker.

Kein Garten ist wie der andere

Eigentlich gibt es jeden Tag was Neues, denn kein Garten sei wie der andere, findet Bergstedt. „Wir sind ja immer woanders.“ Demnächst beendet er seine Ausbildung. Ein paar botanische Begriffe müsse er noch pauken, nennt er sein Ziel für die nächste Zeit. „Das ist ungefähr wie Vokabeln lernen. Man hält eine Seite zu und kann dann die Bezeichnungen der Bäume, Blätter oder Blüten lernen.“ Zur Werkerausbildung gehöre, dass der Theorieteil etwas abgeschwächt ist, sagt Ulf Söhnholz.

Werker-Azubi Kevin Bergstedt Quelle: Lothar H. Bluhm

Nur in der Höhe muss er nicht unbedingt arbeiten

Während Baumkletterer mit Astschere oder Säge in einigen Metern Höhe angeschnallt die Bäume stutzen oder Kollegen nebenan mit der verlängerten Heckenschere Eiben den passenden Schnitt geben, arbeitet Bergstedt gern unten. Fußläufig: „Ich bleib' lieber auf dem Boden, wo ich mich notfalls festhalten kann.“ Die Höhe sei nichts für ihn, gesteht der junge Mann in seinem grün-orangenen Sweatshirt und der robusten grünen Arbeitshose. Standardpflanzen, Sträucher, Bodendecker. „Alles, was man sich im Garten vorstellen kann, gehört dazu.“

Regenwürmer gehören auch dazu

Auch der große Berg mit Grünschnitt, den Kevin Bergstedt auf den Anhänger umlagert, um ihn anschließend auf dem Recyclinghof abzukippen, ist Teil des Gartens. Kein Wunder, wenn sich zum Feierabend aus dem tiefen Profil der Arbeitsschuhe Regenwürmer herauswinden. Die gehören mit dazu, wenn Erde bewegt wird.

Werker-Azubi Kevin Bergstedt Quelle: Lothar H. Bluhm

„Alles im grünen Bereich!“

„Die Aufgaben müssen ständig angepasst werden“, ist für Ausbilder Ulf Söhnholz beim Einsatz seines Auszubildenden wichtig. „Ich komme aber immer pünktlich und fröhlich zur Arbeit“, steht für Kevin Bergstedt fest: Er will auch künftig in einem „Grünen Beruf“ arbeiten und grüßt: „Alles im grünen Bereich!“

Henning von der Lancken ist für die Garten- und Landschaftsbauer in der Berufsschule zuständig. Quelle: cz

Nachgefragt bei Henning von der Lancken

Henning von der Lancken ist Bildungsgangleiter Gartenbau an der Albrecht-Thaer-Schule Celle (BBS 3).

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?
Da es sich um eine nach dem Berufsbildungsgesetz geförderte Ausbildung handelt, steht sie allen Menschen mit Behinderungen offen, für die wegen Art und Schwere ihrer anerkannten Beeinträchtigung eine Vollausbildung im Garten- und Landschaftsbau nicht in Betracht kommt. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit informiert über Voraussetzungen und Anmeldung zur Ausbildung und veranlasst in der Regel eine Eignungsuntersuchung. Ein Schulabschluss ist nicht erforderlich. Die Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau ist genau das Richtige für Menschen, die sich gerne draußen aufhalten, Wind und Wetter zu allen Jahreszeiten nicht scheuen, Lust auf den Umgang mit Pflanzen haben und mit anpacken mögen. Langweilig wird es nie, denn das Arbeitsfeld ist vielfältig und umfasst die Anlage von Gärten, Spielplätzen und anderen Freianlagen. Dabei ist das Besondere an diesem Beruf, dass die Mitarbeiter auf den Baustellen sowohl mit Pflanzen als auch mit klassischen Baustoffen umgehen, also eine interessante Kombination aus lebenden und unbelebten Elementen verarbeiten. Natürlich müssen die Beete, Hecken, Bäume und Rasenflächen dann auch gepflegt werden.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Werker im Gartenbau – Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau?
Es handelt sich um eine dreijährige Ausbildung. Im ersten Jahr gehen die Azubis an zwei Tagen zur Berufsschule. Im zweiten und dritten Jahr nur noch an einem Tag. An den übrigen Tagen lernen sie in ihren Betrieben oder Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation die praktischen Grundlagen des Berufes. Da es sich um eine geförderte Ausbildung handelt, gibt es in den Betrieben immer wieder Unterstützung bei der Berichtsheftführung und der Vorbereitung auf Klassenarbeiten in der Berufsschule.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Nach dem zweiten Lehrjahr haben die Auszubildenden eine Zwischenprüfung und am Ende der Ausbildung die Abschlussprüfung mit einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Im zweiten und im dritten Lehrjahr besuchen die Schüler jeweils eine Woche lang eine überbetriebliche Ausbildungsstätte in Nienburg, wo sie die Funktionsweise und den Umgang mit den im Garten- und Landschaftsbau zum Einsatz kommenden Motorgeräten und Fahrzeugen lernen.

Worum geht es beim schulischen Teil?
In den drei Lehrjahren werden in Theorie reduzierter Form Kenntnisse über die verwendeten Pflanzen, die eingesetzten Materialien und deren fachgerechte Verarbeitung sowie die Planung und Abwicklung von Baustellen vermittelt. Mindestens 120 Gehölze und Stauden können die Auszubildenden am Ende der Ausbildung erkennen und mit deutschem und botanischem Namen benennen. Wie sind Pflanzen eigentlich aufgebaut und wie wachsen sie? Das sollte jeder wissen, der später im Beruf mit Pflanzen professionell umgehen muss. Wichtig sind aber auch die Themen Erdbau, Wege- und Platzgestaltung, das Erstellen von Trockenmauern aus Natursteinen, Wand- und Laubenbepflanzungen mit Klettergehölzen oder der Teichbau. Und natürlich gehören auch Deutsch und Politik zu den Unterrichtsfächern, denn bei guten Noten und bestandener Berufsabschlussprüfung kann der Hauptschulabschluss erreicht werden. Wer nach diesem Berufsabschluss weiter lernen möchte, kann in der Vollausbildung nach weiteren zwei Jahren auch die Gesellenprüfung zum Gärtner – Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau ablegen.

Wie sind die Aussichten am Arbeitsmarkt?
Mitarbeiter im Garten- und Landschaftsbau sind eine gefragte Berufsgruppe. Die Betriebe im Garten- und Landschaftsbau in der Region suchen Unterstützung. Das liegt auch daran, dass immer mehr Kunden Wert auf hochwertig gestaltete und gepflegte Gärten und Anlagen legen. Aber auch die Städte und Gemeinden oder Gartencenter stellen immer wieder Werker und Werkerinnen – Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau ein.

Von Lothar H. Bluhm

Steckbrief Werker im Gartenbau

Was macht man in diesem Beruf?
Im Garten- und Landschaftsbau baut und pflegt man Außenanlagen und Freiräume nach den Wünschen der Kunden. Dabei kommt es darauf an, auf den Baustellen mit Maschinen und Geräten, Handwerkzeugen und Materialien fachgerecht umzugehen. Die Kombination aus gebauten Objekten wie Pflasterflächen und Mauern und dazu gepflanzten Gehölzen und Stauden macht das Besondere des Berufes aus. Als Werker arbeitet man in der Regel in kleinen Teams, die längere Zeit zusammenbleiben.

Wo arbeitet man?
Landschaftsgärtner arbeiten ganz überwiegend im Freien. Die Baustellen befinden sich zum Beispiel in öffentlichen Grünanlagen, in privaten Gärten, auf Freiflächen im Bereich von Gewerbe- und Geschosswohnungsbau und auf Friedhöfen.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?
Man kann auch ohne allgemeinbildenden Schulabschluss mit der Ausbildung beginnen.

Worauf kommt es an?
Auszubildende sollten Freude an Arbeiten im Freien haben, den Umgang mit Maschinen und Baumaterialien nicht scheuen, Lust auf die Verwendung und Pflege von Pflanzen in Grünanlagen haben und die Arbeit in kleinen Teams auf den Baustellen mögen. In der Ausbildung ist es wichtig, auch in der Schule am Ball zu bleiben, alle geforderten Leistungsnachweise zu erbringen und dann gut vorbereitet in die Abschlussprüfungen zu gehen. Dabei werden sie von den Ausbildern und Lehrern unterstützt.

Wichtige Schulfächer
Wichtige Lernfelder vermitteln die Grundlagen zu Aufbau und Wachstum von Pflanzen und dem Kennenlernen der Standortansprüche verschiedener Pflanzengruppen für die unterschiedlichen Verwendungszwecke bei Gartengestaltungen. Die erforderlichen Pflegemaßnahmen zum Erhalt der Pflanzungen sind ein weiteres wichtiges Lernfeld. Der Unterricht erfolgt in theoriereduzierter Form mit häufigen Wiederholungen und Übungsphasen in kleinen Gruppen. Im fachpraktischen Unterricht gibt es die Gelegenheit, wichtige Fertigkeiten wie zum Beispiel die fachgerechte Anbindung von Jungbäumen, den Umgang mit Düngern oder die Ansaat von Rasen intensiv zu üben.

Was verdient man in der Ausbildung?
Die Azubis, die überbetrieblich bei einem Ausbildungsträger ausgebildet werden, erhalten von der Agentur für Arbeit ein so genanntes Ausbildungsgeld, dessen Höhe je nach den individuellen sozialen Voraussetzungen ermittelt wird. Azubis, die ihre Ausbildung in anerkannten Ausbildungsbetrieben des GaLa-Baus durchlaufen, erhalten im ersten Lehrjahr 900 Euro, im zweiten 1000 und im dritten 1100 Euro pro Monat.

Carsten Richter 27.03.2021
26.03.2021
Marie Nehrenberg-Leppin 26.03.2021