Ärger über Wolfsbüro

Celler Wolfsberater Pohlmann wirft das Handtuch

Der Celler Wolfsberater Volkhard Pohlmann hat genug. Er hat sein Amt abgegeben. Welche Gründe zu der Entscheidung führten und warum er kein Einzelfall ist.

  • Von Carsten Richter
  • 05. Jan. 2022 | 07:00 Uhr
  • 09. Juni 2022
  • Von Carsten Richter
  • 05. Jan. 2022 | 07:00 Uhr
  • 09. Juni 2022
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Celle.

Er habe der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen, sagt er. Mit dieser Intention hat sich Volkhard Pohlmann im Jahr 2014 zum ehrenamtlichen Wolfsberater im Landkreis Celle ausbilden lassen. Seitdem hatte der heute 71-Jährige eine Art Rufbereitschaft. Sobald ihm ein Nutztierhalter einen vermuteten Wolfsriss meldete, machte sich Pohlmann auf den Weg, um zu untersuchen, ob Meister Isegrim tatsächlich zugebissen hat. Auch am Wochenende und, wenn es sein muss, sogar in der Nacht. Nun aber ist dem Wolfsberater die Lust endgültig vergangen – er hat das Amt abgegeben. Zu dem Entschluss führte eine ganze Reihe von Gründen, einer aber brachte das Fass zum Überlaufen.

Wolfsriss in Nienhagen führte zu der Entscheidung

Es ist das vierte Adventswochenende. Wieder einmal klingelt Pohlmanns Handy – wieder einmal ist sein Fachwissen gefragt: In Nienhagen wurden drei Heidschnucken tot aufgefunden , zwei weitere waren verschwunden. Pohlmann fährt zu dem betroffenen Schäfer und stellt fest: Ja, es war der Wolf. Wahrscheinlich sogar mehrere. Daraufhin wollte er das Wolfsbüro benachrichtigen, das bei Nutztierrissen umgehend informiert werden will – noch bevor über die Melde-App auch die Landesjägerschaft Bescheid bekommt. "Sie wollen Infos haben, es ist aber niemand erreichbar am Wochenende", ärgert sich Pohlmann, der über die ihm bekannten Notfallnummern mehrfach vergeblich anrief.

Volkhard Pohlmann fühlt sich zu wenig unterstützt

Der Vorfall war für den Celler aber nur die Spitze des Eisbergs. Generell fühlt er sich vom Wolfsbüro, das angesiedelt ist beim Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), zu wenig unterstützt. Pohlmann hatte sich für die Einführung der App zur Meldung von Wolfsrissen stark gemacht – das Wolfsbüro habe aber eine eigene App haben wollen. "Das grenzt an Sabotage", meint der nun ehemalige Wolfsberater. "Dabei war die Einführung der App ein Quantensprung."

Ehemaliger Wolfsberater sieht sich Vorwürfen ausgesetzt

Viel Bürokratie und der Hass zwischen Wolfsfreunden und -gegnern hätten ihn in seinem Entschluss bestärkt, berichtet Pohlmann. "Uns werden Egoismus und die Zerstörung der Ökosysteme vorgeworfen, dabei geht der Erhalt der Kulturlandschaft nur, wenn wir in Wolfsbestände eingreifen", so der Jäger, der ein Revier im Nordkreis bejagt. "Einfach so weitermachen geht nicht", ist Pohlmann überzeugt.

Wo Wolfsberater auch zurückgetreten sind

Nun hat er die Reißleine gezogen – und der Celler ist nicht der einzige Wolfsberater in Niedersachsen, der in jüngster Zeit das Handtuch geworfen hat. Auch in den Kreisen Gifhorn, Uelzen und Cuxhaven gab es Rücktritte. Zuständig für Presseanfragen an das Wolfsbüro ist das Umweltministerium. "Wir brauchen die Wolfsberater dringend. Ihr Engagement ist nicht hoch genug einzuschätzen", sagt Sprecher Christian Budde. "Die Wolfsberater werden gebeten, Nutztierschadensereignisse bevorzugt über Textnachrichten an die Bearbeiterinnen und Bearbeiter des Wolfsbüros als Vorab-Information zu melden. Dies gilt insbesondere außerhalb der Sprechzeiten und nach Dienstschluss des Wolfsbüros." Pohlmann hingegen sagt auf CZ-Nachfrage: "Von E-Mails war nie die Rede."

Landesjägerschaft hat Verständnis

Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft, weiß, dass es immer wieder zu Problemen bei der Mitteilung von Wolfsrissen kommt – und er hat Verständnis, wenn Wolfsberater aufgeben. "Das ist kein einfaches Ehrenamt, man muss dafür gemacht sein. Wolfsberater opfern ihre Freizeit", sagt Reding. Beim Thema Wolf gebe es wenig Kompromissbereitschaft, bedauert er. Die mangelnde Erreichbarkeit des Wolfsbüros hänge mit fehlenden personellen Kapazitäten zusammen. "Eine Rufbereitschaft gibt es nicht", bestätigt Reding.

Ab sofort Landwirtschaftskammer bei Wolfsrissen zuständig

Mit dem Jahreswechsel haben sich in Niedersachsen die Zuständigkeiten geändert. Die Berater sollen verstärkt über den Wolf informieren, die Landwirtschaftskammer übernimmt im Gegenzug die Rissaufnahme. "Die Debatte um den Wolf wird immer emotionaler. Hier werden die Wolfsberater dringend gebraucht", hatte Umweltminister Olaf Lies (SPD) im September erklärt.

Pohlmann nicht nur im Kreis Celle tätig gewesen

Pohlmann bezweifelt, dass die Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer bereits für die Analyse von Nutztierrissen ausgebildet seien und ob sie wie seine Kollegen und er am Wochenende rausfahren. "Zum Schluss wurde mir etwa ein Riss pro Woche gemeldet. Das ist allerdings abhängig von der Jahreszeit", sagt Pohlmann, der auch schon in den Kreisen Gifhorn und Uelzen, in der Region Hannover sowie im Heidekreis unterwegs war. Dafür sind nun andere zuständig.