Diesel und Düngemittel

Preisexplosion macht Landwirten zu schaffen

Wie sollen Landwirte noch wirtschaftlich ihren Betrieb führen? Das fragen sich viele Celler Anbauer bei den steigenden Kosten für Düngemittel und Diesel.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 26. Okt. 2021 | 07:02 Uhr
  • 09. Juni 2022
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  • 26. Okt. 2021 | 07:02 Uhr
  • 09. Juni 2022
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Celle.

„Eigentlich müsste die Spitze bereits erreicht sein“, hofft der Vorsitzende des Landvolk-Kreisverbandes Celle, Christoph Düvel, wenn er an die Preisentwicklung für Düngemittel denkt: „Das kann ja keiner bezahlen, das ist ja Wahnsinn.“ Seine Hoffnung: „Der Preis wird sich nach unten bewegen.“ Allerdings: „Niemand weiß, wie sich der Markt in den kommenden Monaten entwickelt.“ Vor rund zwei Wochen habe nach seinen Beobachtungen eine Tonne Kalkammonsalpeter, also Stickstoffdünger, schon mehr als doppelt so viel gekostet wie im Vorjahr – sofern lieferbar. „Und die Preise steigen noch.“

Rekordhohen Erdgaspreise stellen die Düngemittel-Industrie vor Herausforderung

Bei der Herstellung von Ammoniak und Stickstoffdüngemitteln ist Erdgas sowohl als Rohstoff wie als Energiequelle von entscheidender Bedeutung. Die rekordhohen Erdgaspreise stellen die Düngemittel-Industrie vor große Herausforderungen, insbesondere in Verbindung mit den stark gestiegenen Preisen für CO2-Zertifkate im Emissionshandel. Die im Industrieverband Agrar e. V. (IVA) organisierte Düngemittel-Industrie appelliert daher an Bundesregierung und EU-Kommission, eine ausreichende Versorgung mit bezahlbarem Erdgas mit hoher Priorität sicherzustellen. „In diesem Zusammenhang weisen die europäischen Düngemittel-Hersteller Forderungen zurück, auf EU-Ebene erlassene handelsrechtliche Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken von Herstellern aus Drittstaaten wie Russland oder Trinidad und Tobago aufgrund der hohen Düngemittelpreise auszusetzen“, sagt Sven Hartmann, Leiter der Fachbereiche Pflanzenernährung und Biostimulanzien im IVA.

Steigende Kosten für Erdgas, Logistik und durch klimapolitische Maßnahmen

„Die aus Sicht unserer Industrie unfaire Subventionierung von Erdgas für Produzenten in diesen Ländern existiert weiterhin, und die Benachteiligung europäischer und deutscher Hersteller nimmt durch die weiter steigenden Kosten für Erdgas, Logistik und durch klimapolitische Maßnahmen zu.“ Die hohen Düngemittelpreise seien auf diese Aspekte zurückzuführen und mit Blick auf die klimapolitischen Ziele der EU und der Mitgliedsstaaten stehe die chemische Industrie im Allgemeinen und die Ammoniak- und Düngemittel-Industrie im Besonderen vor gewaltigen Herausforderungen. „Um eine treibhausgasneutrale Produktion zu erreichen und CO2-freien, grünen Ammoniak zu produzieren, müssen ausreichende Mengen an grünem Wasserstoff verfügbar sein und Produktionsanlagen umgebaut werden“, so Hartmann. Dies könne nur gelingen, wenn die Hersteller die notwendigen Investitionskosten erwirtschaften können und nicht durch einen ungleichen Wettbewerb aus dem Markt verdrängt werden.

Nicht nur Erdgaspreise als Ursache für immense Preissteigerungen

Mit „Volle Pulle“ kommentiert Carsten Knoop vom Landhandel Hermann Otte in Eversen die derzeitige Preisentwicklung. „Die Produzenten hören auf, ihre Arbeit zu machen.“ Er sieht nicht nur die Erdgaspreise als Ursache für die immensen Preissteigerungen von Woche zu Woche. „Das ist ein weltweites Problem – da können wir nicht gegensteuern.“ Zu viele Faktoren hingen daran, Sprit, Diesel, Speditionskosten.

Celler Landvolk-Chef: Wichtig, dass jeder Betrieb nach eigenen Kriterien Düngemittel-Einsatz festlegt

Für Landvolk-Chef Düvel ist wichtig, dass jeder Betrieb nach eigenen Kriterien den Einsatz von Düngemitteln festlegt: Es sei die Frage, welche Frucht angebaut wird, wie die Bodenqualität ist und welche Ertragserwartungen angepeilt werden. „Es wird bei diesem Kostendruck immer schwieriger, die Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu erreichen.“ Denn nicht nur die Erdgaspreise wirken sich aus. Auch der Preisanstieg bei Diesel und Strom erhöhe die Ausgaben landwirtschaftlicher Betriebe: „Und davon sind auch Biobetriebe betroffen, denn der Einsatz von Schleppern beim Pflügen und Hacken und die Kosten für Beregnungen steigen ebenso.“ Betriebe hätten nach Berechnung der Landwirtschaftskammer so schon mal Zusatzkosten von 10.000 Euro und mehr. „Ich hoffe, dass die Kosten für Gas und Dünger nicht weiter explodieren.“

Von Lothar H. Bluhm

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