Landratswahl in Celle

Warum die SPD den CDU-Mann unterstützt

Mit Axel Fladers Kandidatur als neuer Landrat war gerechnet worden. Dass die SPD niemanden aufstellt, kommt überraschend. Das sind die Gründe.

  • Von Simon Ziegler
  • 23. Jan. 2021 | 06:55 Uhr
  • 09. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 23. Jan. 2021 | 06:55 Uhr
  • 09. Juni 2022
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Celle.

Axel Flader will Landrat im Kreis Celle werden. Nachdem seit Monaten über seine Kandidatur spekuliert wird, gibt es jetzt Klarheit. Der CDU-Politiker strebt die Nachfolge von Amtsinhaber Klaus Wiswe an, der Ende Oktober nach 22 Jahren im Amt in den Ruhestand geht.

Breites Bündnis

Die Ankündigung seiner Bewerbung war gestern ungewöhnlich: In einer gemeinsamen Pressemitteilung teilten CDU, SPD, FDP, WG und UB mit, dass sie hinter der Kandidatur von Flader stehen. Die Kreisvorstände von CDU, SPD und FDP hätten ihren Mitgliedern empfohlen, den 53-Jährigen bei der Landratswahl zu unterstützen. Auch von WG und UB gebe es eindeutige Signale. „In Zeiten enormer Herausforderungen erwarten unsere Mitmenschen von uns gemeinsames, solides und verlässliches Handeln. Die jetzige Krise können wir nur zusammen bewältigen“, werden die beiden Parteichefs Maximilian Schmidt (SPD) und Henning Otte (CDU) zitiert. Offiziell soll Flader von der CDU am 24. April nominiert werden.

Flader freut sich über SPD-Unterstützung

Flader war elf Jahre Bürgermeister der Gemeinde Südheide und im vergangenen Jahr als Sozialdezernent zum Landkreis Celle gewechselt. Schon damals war gemutmaßt worden, Flader könne die Stelle als Sprungbrett zur Landratswahl nutzen. Er selbst sagt, dass er sich in der Kreisverwaltung sehr wohl fühle. "Ich bin bereit, die wichtigen Aufgaben als ein Landrat für alle zu schultern", sagte er über seine Motivation, als Wiswe-Nachfolger ins Rennen zu gehen. Er habe in der Gemeinde Südheide gezeigt, dass er mit allen Parteien sehr gut auskomme. Über die Entscheidung der SPD "habe ich mich besonders gefreut", so Flader.

"CDU-Postengeschacher" war gestern

Vor einigen Monaten konnte von einer SPD-Unterstützung für den Hermannsburger indes noch keine Rede sein. Als Landrat Wiswe dem Kreistag vorschlug, Flader zum Sozialdezernenten zu machen, schimpften die Sozialdemokraten über das "CDU-Postengeschacher" und kündigten an, Flader als Dezernenten nicht mitzutragen.

Es soll keine Zusage an SPD geben

Inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert. Schmidt sagte der CZ, dass bei den Gesprächen mit Flader nicht über künftige Posten gesprochen worden sei. Es gebe keine Zusage an seine Partei, was die frei werdende Dezernatsstelle betrifft. "Das steht nicht zur Debatte", so der Celler SPD-Vorsitzende. In seiner Partei habe es zwei potentielle Kandidaten gegeben. Man habe sich aber entschieden, Flader zu unterstützen. Das sei in der Krise ein starkes Signal. Kirsten Lühmann, die im Herbst aus dem Bundestag ausscheidet, wollte nach SPD-Angaben nicht antreten.

Was machen die Grünen?

Von den im Kreistag vertretenen Parteien stehen somit nur Grüne, AfD und Linke nicht hinter Flader. Über mögliche Kandidaten bei ihnen ist bisher nichts bekannt. "Wir haben uns noch nicht entschieden, ob wir jemanden aufstellen", sagte Grünen-Chef Bernd Zobel.

Kommentar

Was die Spatzen längst von den Dächern gepfiffen haben, ist jetzt offiziell: Sozialdezernent und Ex-Südheide-Bürgermeister Axel Flader will bei der Landratswahl antreten. Er ist, das kann man heute schon sagen, ein erstklassiger Kandidat: Ein Mann mit viel Verwaltungserfahrung, der trotzdem für einen Generationenwechsel steht und zudem auch beim politischen Gegner gut ankommt. Bei ihm dürfte die Kreisverwaltung in guten Händen sein. Es müsste schon ein mittleres Wunder geschehen, sollte er am 12. September nicht zum Nachfolger von Klaus Wiswe gewählt werden. Mit breiter Unterstützung aus dem politischen Raum war gerechnet worden. Dass sie so breit ausfällt und sich auch die SPD anschließt, ist allerdings überraschend. Die Sozialdemokraten können mit Flader als Person gewiss gut leben. Zur Wahrheit gehört aber: Sie haben schlichtweg keinen eigenen, starken Bewerber, der es mit dem CDU-Mann aufnehmen könnte. Der Celler SPD, die schon bei der Landratswahl vor sieben Jahren keinen Kandidaten aufgestellt und stattdessen einen Grünen-Bewerber unterstützt hat, geht offenkundig das Spitzenpersonal aus. Da hilft auch der Verweis auf die Corona-Pandemie nichts: Klar muss man die Folgen der Krise im Kreis Celle gemeinsam bewältigen. Bei einer der wichtigsten Wahlen vor Ort wäre ein eigener Kandidat trotzdem das richtige Zeichen gewesen.