Bande vor Gericht

Langer Indizienprozess um Drogenhandel erwartet

Wegen Drogenhandels muss sich ein Quartett, das im Celler Raum aktiv war, vor Gericht verantworten. Darum deutet sich ein langer Indizienprozess an.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 21. Mai 2021 | 07:00 Uhr
  • 09. Juni 2022
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  • 21. Mai 2021 | 07:00 Uhr
  • 09. Juni 2022
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Celle.

Sie haben laut Anklage unter anderem Marihuana-Plantagen in Wardböhmen und in Langlingen betrieben: Am Donnerstag begann vor dem Landgericht Lüneburg unter Vorsitz von Richter Michael Herrmann ein Verfahren gegen eine Rauschgiftbande, die im Celler Raum aktiv war. Die Sorge europäischer Sicherheitsbehörden, dass sich das organisierte Verbrechen fernab der Metropolen in den ländlichen Raum frisst, scheint berechtigt. Das verdeutlichen die Vorwürfe gegen die vier Angeklagten im Alter zwischen 21 und 57 Jahren. Im Einzelnen geht es, so die Staatsanwältin, um sieben Straftaten, verübt zwischen Februar und November 2020.

Celler Drogenbande muss sich vor Lüneburger Landgericht verantworten

Demnach legte der 21 Jahre alte Seyhmus A. im Bereich der Braunschweiger Heerstraße in Celle mehrere sogenannte Erdbunker an und versteckte dort Kokain, um die Drogen bei Bedarf schnell an die Kunden auszuliefern. Doch das reichte den Kriminellen nicht. Das Quartett hob in dieser Zeit einen lukrativen Businessplan aus der Taufe, der die illegalen Gewinne in Hochgeschwindigkeit nach oben katapultierte. Am Tag der Festnahme ging es um satte 150.000 Euro. Wie konnte es dazu kommen? Die Gruppe installierte dazu den Litauer Arturas Z. in der Südheide, der ein Haus an der Alten Poststraße in Wardböhmen mietete. Im Handumdrehen bewies der 57-Jährige einen grünen Daumen und richtete in den Kellerräumen und im Erdgeschoss eine Indoorplantage ein. Innerhalb von neun Monaten wuchsen 2000 Pflanzen heran.

Marihuana-Plantagen in Wardböhmen und Langlingen entdeckt

Zur gleichen Zeit richtete der Angeklagte Christian W. in seinem Haus in Langlingen „weitere Aufzuchtsräume“, wie es die Staatsanwältin formulierte, ein. Bei der Razzia am 23. November vergangenen Jahres vernichtete die Polizei mehr als 1600 Setzlinge. Der 27-Jährige bewahrte zudem an verschiedenen Stellen im Haus eine „ölige Substanz“ auf. Laut einem Gutachten des Landeskriminalamtes in Hannover soll es sich um Dopingmittel gehandelt haben.

Einer der größten Drogenfunde im Landkreis Celle

Die Anlagen in Wardböhmen und Langlingen verschlangen viel Strom. Schaden für den Energieversorger: 50.000 Euro. Nach und nach setzten die Kriminalisten aus der Jägerstraße das Puzzle zusammen. Am Ende stand fest: Die dreimonatigen Observationen führten zu einem der größten Drogenfunde im Landkreis überhaupt.

Kokain in präparierter Stufe in Winser Haus versteckt

Björn V., der vierte Beschuldigte, betätigte sich laut Anklageschrift als Auslieferungsfahrer. Mit krimineller List war auch der 41-Jährige ausgestattet. Im Haus des Vaters in Winsen lagerte Kokain in einer eigens dafür geschaffenen präparierten Stufe zum Keller.

Über Hintermänner und genaue Vertriebswege noch nichts bekannt

Bis heute steht weder die genaue Anzahl der Bandenmitglieder exakt fest, noch ist irgendwas über Hintermänner und genaue Vertriebswege bekannt. Lediglich zwei Personen kennt die Kripo mit Namen. Gegen das Duo laufen Ermittlungen. Unklar ist, wann ihr Gerichtsverfahren beginnt.

Beschuldigte schweigen vor Gericht

Am 31. Mai vernimmt Richter Herrmann die ersten Zeugen. Da keiner der Beschuldigten gegenüber der 1. Großen Strafkammer den Mund aufmacht, deutete sich bereits zum Auftakt ein langer bis weit in den Herbst dauernder Indizienprozess an.

Von Benjamin Reimers

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