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Aus dem Landkreis Überraschung in Bergen
Celler Land Aus dem Landkreis

Bürgermeister-Wahlen : Überraschung in Bergen

22:25 26.05.2019
Von Simon Ziegler
Foto: Claudia Dettmar-Müller und Wolfgang Klußmann sind die Wahlsieger von Bergen und Wietze.
Claudia Dettmar-Müller und Wolfgang Klußmann sind die Wahlsieger von Bergen und Wietze. Quelle: David Borghoff
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Celle

Erstmals wird im Kreis Celle eine Frau hauptamtliche Bürgermeisterin. Die parteiunabhängige Kandidatin Claudia Dettmar-Müller setzte sich am Sonntag überraschend bei der Wahl in Bergen durch. Einen Favoritensieg gab es hingegen in Wietze. Amtsinhaber Wolfgang Klußmann (CDU) wurde im Amt bestätigt. Spannend verlief der Wahlabend in Hambühren. Dort wird es eine Stichwahl geben.

Deutliches Ergebnis in Nordkreis-Stadt

Mindestens genauso überraschend wie der Wahlausgang ist das deutliche Ergebnis in der Nordkreis-Stadt. Claudia Dettmar-Müller, die erst vor wenigen Monaten aus der CDU ausgetreten war, erhielt in Bergen 60,4 Prozent der Stimmen. Auf CDU-Kandidat Frank Juchert entfielen lediglich 39,6 Prozent. „Ich bin überwältigt. Ich weiß um die Vorschuss-Lorbeeren, aber ich werde die Herausforderung gerne annehmen und bewältigen“, sagte Dettmar-Müller in einer ersten Reaktion.

Klußmann-Kantersieg in Wietze

In Wietze wertete Klußmann sein Ergebnis „als Bestätigung der guten Arbeit“. Der Christdemokrat, der als klarer Favorit in die Wahl gegangen war, erhielt fast 69 Prozent der Stimmen. Für SPD-Kandidat Ingolf Klaassen votierten lediglich gut 31 Prozent. Klußmann, Verwaltungschef seit 2005, wird somit auch in den kommenden sieben Jahren an der Spitze der Verwaltung stehen. Und er wird im kommenden Jahr als Bürgermeister ins neue Wietzer Rathaus einziehen.

Carsten Kranz Sieger in Hambühren

Wer in Hambühren der Nachfolger von Bürgermeister Thomas Herbst wird, ist noch nicht klar. Keiner der vier Kandidaten erhielt die nötige absolute Mehrheit. Einen Sieger gab es dennoch: Carsten Kranz. Der Einzelbewerber erhielt 49 Prozent der Stimmen. In die Stichwahl geschafft hat es auch Andreas Ludwig. Vor allem für die CDU endete die Wahl im Desaster. Ihr Kandidat Edmund Hoffmann erhielt lediglich 13,3 Prozent der Stimmen. Die Stichwahl findet in drei Wochen, also am 16. Juni, statt.

Hohe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung lag in allen drei Kommunen höher als bei früheren Wahlen. Dies dürfte vor allem mit der Europawahl zusammenhängen, an der sich deutlich mehr Bürger als vor fünf Jahren beteiligten. Insgesamt waren in den drei Kommunen bei den Bürgermeister-Wahlen mehr als 26.000 Bürger wahlberechtigt.

Meinung: Historische Wahl

Claudia Dettmar-Müller ist die erste Frau, die die Wähler im Landkreis Celle direkt zur Bürgermeisterin gewählt haben – eine historische Wahl also. Das war längst überfällig. Der Wahlerfolg der 51-Jährigen sollte ein Zeichen für alle politisch engagierten Frauen sein: ein Zeichen, sich auch für Spitzenposten zu bewerben, ein Zeichen, dass natürlich auch Frauen die Geschicke der Kommunen auf dem platten Lande lenken können.

Dass ausgerechnet im konservativen Bergen eine Frau Bürgermeisterin wird, war so nicht zu erwarten. Womöglich überzeugte die traditionellen CDU-Wähler, dass Dettmar-Müller vier Jahre lang Geschäftsführerin der Kreis-CDU war. Die Wähler nahmen es ihr offenbar nicht übel, dass sie aus der Partei ausgetreten ist. Ansonsten ist die Gewählte politisch aber ein unbeschriebenes Blatt.

Dass der Wietzer Amtsinhaber Wolfgang Klußmann bestätigt werden würde, war dagegen zu erwarten. Der 52-Jährige hat in den vergangenen Jahren gute Arbeit in der ehemaligen Erdöl-Gemeinde gemacht. Der absolute Verwaltungsfachmann steht für einen schnörkel- und skandallosen Politikstil, der auf Sachebene funktioniert. Er hat dazu beigetragen, dass die Wietzer Ratsarbeit vernünftig läuft, obwohl die Tatsache, dass hier ein riesiger Schlachthof entstanden ist, genügend Konkliktpotenzial in sich barg.

Und schließlich Hambühren: Carsten Kranz hatte im ersten Wahlgang solch einen großen Vorsprung vor seinen Mitbewerbern, dass man davon ausgehen muss, dass er in der Stichwahl in drei Wochen gewählt werden wird.

Andreas Babel

Christopher Menge 26.05.2019