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Aus dem Landkreis Zwillingspaar ist on the road again
Celler Land Aus dem Landkreis

Azubis zum Straßenwärter: Winser Zwillingspaar ist in Celle unterwegs

08:00 04.03.2021
Straßenwärter müssen trittfest und schwindelfrei sein, heißt es im Anforderungsprofil. Das sind die beiden Azubis Sarah und Marvin Lehne offensichtlich.
Straßenwärter müssen trittfest und schwindelfrei sein, heißt es im Anforderungsprofil. Das sind die beiden Azubis Sarah und Marvin Lehne offensichtlich. Quelle: Frank Osterloh
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Celle

„Oh, nett!“ Sarah Lehne ist überrascht, dass sie eine Schachtel Schokoriegel erhält. Absender: die Unterere Naturschutzbehörde des Landkreises Celle, Artenschutzzentrum Leiferde. „Oh, ja stimmt: Wir haben einen Bussard zum Artenschutzzentrum Leiferde gebracht, den wir verletzt auf der L 283 zwischen Eldingen und Hohne gefunden haben. – Da freu‘ ich mich!“

Sie ist Azubi in der Straßenmeisterei Celle: Sarah Lehne. Quelle: Lothar H. Bluhm

Begeistert von der Tätigkeit

Die 18-jährige Straßenwärter-Auszubildende Sarah Lehne aus Winsen ist begeistert von ihrem Job in der Straßenmeisterei Celle. Sie kümmert sich nicht nur um verletzte Tiere, sondern sie ist als Teammitglied für ein breites Spektrum von Arbeiten zuständig: „Allem voran die Verkehrssicherungspflicht. Das Land ist Grundstückseigentümer der Landesstraßen und betreut zusätzlich die Bundesstraßen.“ Diese müssen ständig gewartet und kontrolliert werden. Dazu gehören zum Beispiel Unterhaltungsarbeiten an Straßen, Radwegen, Brücken, Bäumen und Verkehrszeichen. „Und die Dokumentation! – Das ist ganz wichtig.“ Aber auch die Pflege von so genanntem Begleitgrün und Entwässerungseinrichtungen im Straßenseitenraum sowie der Winterdienst gehören dazu.

Er ist Azubi in der Straßenmeisterei Celle: Marvin Lehne. Quelle: Lothar H. Bluhm

Spannender Winterdienst-Einsatz

Sarah Lehne hat die Ausbildung im letzten Jahr gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Marvin bei der Niedersächsischen Straßenbehörde für Straßenbau und Verkehr begonnen. „Ja, nachdem wir vier Jahre in der Grundschule zusammen waren, arbeiten wir jetzt zusammen“, sagt Marvin und berichtet von seinem ersten Winterdienst-Einsatz: „Die Chance hab‘ ich ergriffen und bin länger mitgefahren. Das war schon spannend.“ Immerhin ist die Straßenmeisterei Celle für den Winterdienst auf 430 Kilometern Bundes- und Landesstraßen zuständig. Hinzu kommen 280 Kilometer Radwege.

Sarah und Marvin Lehne sind begeistert von ihrer Tätigket. Quelle: Frank Osterloh

Durch Corona unterschiedliche Dienstzeiten

Durch die Corona-Einschränkungen sind sämtliche 23 Straßenwärter und die sieben Auszubildenden in Kolonnen eingeteilt, die unterschiedliche Dienstzeiten haben und sich nicht begegnen. „Da passte es zeitlich ganz gut, dass ich beim letzten Wintereinbruch mitfahren konnte.“ Das Anforderungsprofil im Winterdienst an die Straßenmeisterei Celle ist, die Straßen von 6 bis 22 Uhr in einem befahrbaren Zustand zu halten. „Das gelingt mit einer Salz-Sole-Konzentration, die nach Möglichkeit bereits präventiv vor Entstehung der Glätte auf der Fahrbahn erzeugt wird, eigentlich recht gut. Selbst in extremen Wetterlagen …“

Mit einem Stempel und Bitumen bessert Sarah Lehne die Fahrbahndecke aus. Quelle: Frank Osterloh

So haben sie sich vorgebildet

Während Sarah nach dem Abschluss der Oberschule ein Berufsvorbereitungsjahr in der Axel-Bruns-Schule im Bereich Holztechnik absolvierte, besuchte Marvin mit seinem Realschulabschluss die Berufsbildenden Schulen 1 in Altenhagen: „Das bedeutete für mich, dass ich parallel zur Schule ein Betriebspraktikum bei einer Hausverwaltung geleistet habe. Dabei ging es um Rechtsgrundlagen, Datenschutz, Abrechnungen und Aktenführung“, fasst Marvin Lehne das Jahr zusammen. „Da hab‘ ich gelernt, dass ich auch meine privaten Papiere sorgfältig sortiere und genau abhefte.“

Noch muss Marvin Lehne auf der Beifahrerseite platznehmen. Er hat aber die Möglichkeite, seinen Lkw-Führerschein zu erwerben. Quelle: Frank Osterloh

Auch auf Youtube informiert

Von einem Bekannten habe er den Tipp zur Ausbildung bei der Straßenmeisterei erhalten. Durch Videos und Youtube-Veröffentlichungen informierte er sich im Vorfeld und erkannte dabei, dass Straßenwärter ein abwechslungsreicher Beruf ist: „Das ist ja wahnsinnig vielseitig.“ Zwar gebe es eine Grundstruktur, aber eigentlich sei jeder Tag anders, habe er so erfahren. Ein einwöchiges Praktikum nach der Zeugnisausgabe bestätigte ihm diesen Eindruck.

Ausbilder in der Straßenmeisterei Celle ist der Straßenwärtermeister Frank Osterloh. Quelle: Lothar H. Bluhm

Teamfähigkeit und Bock auf den Beruf sind wichtig

„Ein hohes Maß an Teamfähigkeit und Bock auf den Job sowie gute Mathematikkenntnisse setze ich voraus“, umreißt Straßenwärtermeister Frank Osterloh seinen Anspruch an Bewerber um einen Ausbildungsplatz. „Die Azubis sollen am Morgen gern zur Arbeit kommen und am Abend positiv nach Hause gehen.“

Hier kann man auch Lkw-Fahren lernen

Drei Jahre dauert die Ausbildung in den unterschiedlichen Bereichen. „Wir legen neben Wissensvermittlung auf der Straßenmeisterei viel Wert auf zusätzliche überbetriebliche Ausbildung. Sei es der Erwerb des Lkw-, Stapler- oder Motorsägenscheins.“ Auch ein Computerkursus mit den Office-Anwender-Grundlagen gehört dazu. In der Bauakademie in Mellendorf werden darüber hinaus fachpraktische Kenntnisse im Tiefbau und in der Vermessung vermittelt. „Alles Voraussetzung und Bestandteile der Abschlussprüfung.“

Das Logo der BBS Cadenberge. Quelle: BBS Cadenberge

Berufsschule im Blockunterricht

In Blöcken von drei bis sechs Wochen findet der Berufsschulunterricht in Cadenberge statt. Osterloh: „Das ist für viele Azubis das erste Mal, dass sie länger von zu Hause weg sind.“ Hinzu kommen Unterweisungen im Ausbildungszentrum Rostrup bei Oldenburg und in der Forstschule Münchehof bei Seesen.

Detlev Nuske ist an den Berufsbildenden Schulen Cadenberge (im Norden Niedersachsens) zuständig für die schuische Ausbildug der Straßenwärter. Quelle: cz

Nachgefragt bei Detlev Nuske

Detlev Nuske ist an den Berufsbildenden Schulen Cadenberge (im Norden Niedersachsens) zuständig für die schulische Ausbildung der Straßenwärter.

Wie lange dauert die Ausbildung?
Die Ausbildung dauert drei Jahre. Das erste Ausbildungsjahr ist in der BBS die Grundstufe, das zweite Ausbildungsjahr entspricht bei uns der Fachstufe 1 und im dritten Ausbildungsjahr besucht man bei uns die Fachstufe 2.

Es handelt sich um eine duale Ausbildung, also in Schule und Betrieb. Sie sind für den schulischen Teil verantwortlich. Worum geht es da?
Der schulische Teil dient der Vorbereitung der Gesellenprüfung. Schwerpunkte sind das theoretische Aufarbeiten der Pflege, der Wartung und des Instandsetzens von Bundes- und Landesstraßen sowie Autobahnen. Die Einteilung des Lernstoffes erfolgt in 14 Lernfeldern, welche in den drei Ausbildungsjahren vermittelt werden. Unter anderem geht es um die Beschilderung, das kurz- und langfristige Absperren von Arbeits- und Unfallstellen, die Wartung einer Straße (daher der Begriff Straßenwärter) sowie das begleitende Grün, die Entwässerung und der Winterdienst.

Und wie gliedert sich die Ausbildung?
Die Ausbildung erfolgt an drei Ausbildungsorten: Betrieb, Schule und überbetriebliche Ausbildungsstätte. Im zweiten Ausbildungsjahr erfolgt eine Zwischenprüfung sowohl in Theorie als auch in Praxis. Am Ende des dritten Ausbildungsjahres erfolgt die Abschlussprüfung – auch wieder in Theorie und Praxis. Der Abschluss der Ausbildung kann nur erfolgreich erlangt werden, wenn ein Lkw-Führerschein erworben wurde. Zusätzliche Qualifikationen wie zum Beispiel das Bedienen einer Kettensäge und eines Freischneiders werden im Rahmen von Lehrgängen innerhalb der Ausbildung erlangt.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?
Jedem jungen Erwachsenen, der einen Sinn für Technik und Maschinen hat. Jedem, der gerne bei Wind und Wetter im Freien arbeitet, der die Abwechslung im Beruf sucht und der sicherheitsbewusst die Straßen als Arbeitsplatz anerkennt. Der Beruf des Straßenwärters ist sowohl für Männer als auch für Frauen geeignet.

Und wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?
Kurz gesagt: sehr gut! Der Beruf des Straßenwärters beziehungsweise der Straßenwärterin erfreut sich einer großen Nachfrage, denn das deutsche Straßenverkehrsnetz wird ständig erweitert und muss von gut ausgebildetem Personal gepflegt und gewartet werden. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass in den letzten Jahren alle Auszubildenden, die einen Abschluss erworben haben, auch übernommen wurden.

Von Lothar H. Bluhm

Steckbrief Straßenwärter

Was macht man in diesem Beruf?
Straßenwärter kontrollieren und warten Straßen, Autobahnen und Parkplätze sowie dazugehörige Grünflächen und Straßenbauwerke wie Brücken, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Sie stellen Gefahrenquellen wie Schlaglöcher, verblasste Markierungen oder bröckelnde Fahrbahnränder fest. Beschädigte oder abgenutzte Stellen setzen sie instand. Sie säubern verschmutzte Fahrbahnen, Leitpfähle oder Verkehrsschilder und reinigen oder warten Entwässerungseinrichtungen. Zu ihren Aufgaben gehören auch das Aufstellen von Verkehrszeichen, das Ausbessern von Fahrbahnmarkierungen und das Zurückschneiden von Bäumen und Sträuchern. Sie mähen Grünstreifen, sichern Baustellen und Unfallstellen ab und führen im Winter die Räum- und Streudienste durch.

Wo arbeitet man?
Straßenwärter finden Beschäftigung
• im öffentlichen Dienst, zum Beispiel bei Straßenbauverwaltungen der Städte, Gemeinden, Kreise
• in den Straßen- und Autobahnmeistereien der Bundesländer
• in Baustellensicherungsunternehmen
Arbeitsorte:
Straßenwärter arbeiten in erster Linie
• im Freien an wechselnden Arbeitsorten
Darüber hinaus arbeiten sie gegebenfalls auch
• in Nutzfahrzeugen
• in Betriebshöfen

Welcher Schulabschluss wird erwartet?
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Verwaltungen und
Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?
• Umsicht und Aufmerksamkeit (zum Beispiel beim Arbeiten im Straßenverkehr)
• Handwerkliches Geschick (zum Beispiel beim Austausch defekter Rohre, beim Auftragen von Fahrbahnmarkierungen, bei Wartungsarbeiten)
• Trittsicherheit und Schwindelfreiheit (zum Beispiel auf Arbeitsbühnen beim Zurückschneiden von Bäumen)
• Reaktionsgeschwindigkeit (zum Beispiel beim Führen von Fahrzeugen, Maschinen und Geräten)

Wichtige Schulfächer:
• Mathematik (zum Beispiel für die Berechnung von Mischungsverhältnissen)
• Werken/Technik (zum Beispiel für die Bearbeitung von Werkstoffen; technisches Zeichnen)
• Physik (zum Beispiel für das Verständnis der Wirkung von Kräften und Hebelarten)

Was verdient man in der Ausbildung?
Beispielhafte Ausbildungsvergütungen im Öffentlichen Dienst pro Monat:
• 1. Ausbildungsjahr: 1018 Euro
• 2. Ausbildungsjahr: 1068 Euro
• 3. Ausbildungsjahr: 1114 Euro