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Aus dem Landkreis Hier verläuft alles in geregelten Bahnen
Celler Land Aus dem Landkreis

Azubi als Kanalbauer bei Winser Firma: Immer an der frischen Luft

11:00 31.05.2021
Azubi Philipp Schulz macht zwischen den Spundwänden in Neuenhäusen eine gute Figur.
Azubi Philipp Schulz macht zwischen den Spundwänden in Neuenhäusen eine gute Figur. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Celle

„Wir müssen immer Gas geben“, begründet Bauleiter Mark Seeger den guten Fortschritt auf der Baustelle in der Fuhsestraße. Zwischen Bahnhofstraße und dem Kreisel Ecke Jägerstraße wird momentan der Regenwasserkanal erneuert. Tonnenschwere Stahlbetonrohre mit einem Durchmesser von 70 Zentimetern werden bis zu drei Metern tief eingegraben und sorgfältig dicht miteinander verbunden. „Wenn wir arbeiten, gewinnt jeder“, denkt Seeger auch an die Anlieger der jeweiligen Straße: Je schneller die Arbeiten voranschreiten, desto eher ist die Belastung durch den unvermeidbaren Baulärm für die Bürger vorbei. Desto eher ist das Brummen der gelben Bagger beendet.

Philipp Schulz arbeitet auch mit schwerem Gerät.

Bei Mathe lief es nicht so gut

Mit dabei auf der Baustelle ist heute auch Auszubildender Philipp Schulz (19). Gestern hat er seine Zwischenprüfung absolviert: „Naja, es ging so“, beschreibt er jetzt am Tag danach seine Eindrücke. „Mir ist deutlich geworden, wo ich noch nachbessern kann, zum Beispiel in Mathe“, sieht er sich selbstkritisch.

Im zweiten Ausbildungsjahr

Philipp Schulz befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr der Winser Tiefbaufirma Staatz, die seit vier Jahrzehnten Erfahrung im Tiefbau hat. Professionalität, auf die man sich verlassen könne, betont Personalleiterin Diana Peltz: „Mit unserem qualifizierten Team und leistungsstarkem Maschinenpark realisieren wir die Wünsche unserer Auftraggeber – von der Planung bis zur Ausführung auf den Gebieten Straßenbau, Kanalbau und -sanierung, Erdbau und Sonderbauwerke.“

4.30 Uhr klingelt der Wecker

Zurzeit hat Philipp Schulz seine Hauptbaustelle in Hannover. Das bedeutet, dass ihn morgens um 4.30 Uhr sein Wecker aus dem Schlaf holt. Gegen 5 Uhr fährt er mit dem Rad zum Sammelpunkt. Dort ist um 5.30 Uhr Abfahrt mit dem Firmenbulli Richtung Leine. Rückkehr ist gegen 17 Uhr am Abend. „Da bleibt nicht viel Zeit für Hobbys“, sagt Schulz und verweist auf die Wochenenden: „Durch Corona war ich echt eingeschränkt, aber jetzt kann ich wieder mit Freunden Kanutouren auf der Aller unternehmen.“ Von Hambühren bis zum Celler Hafen sind sie vor Corona schon gepaddelt – bei frischer Luft.

Ein Job für Technik-Freaks

Peltz: „Das ist genau richtig, denn wir bieten die Freiheit, sich jeden Tag unter einem offenen Himmel zu bewegen. Wir bieten Technik-Freaks, endlich mal mit den ‚ganz Großen‘ zu tun haben. Handwerkliches Geschick wartet darauf, in geregelten Bahnen zu fließen.“ Als Kanalbauer tauche man ein in ein Labyrinth aus Rohren, Kanälen und Schächten: „Sie sind verantwortlich dafür, dass alles im Fluss bleibt.“ – Mit Planierraupe, Bagger, Radlader, Motorhammer, technischem Verständnis und handwerklichem Geschick. Sieben gewerbliche Auszubildende und ein kaufmännischer Auszubildender sind derzeit bei Staatz in der Lehre. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 75 Mitarbeiter. „Wir bilden schon immer aus“, sagt Peltz, „denn die jungen Leute sind unsere Zukunft.“

Ausbilder bei der Firma Staatz ist Mark Seeger. Quelle: Lothar H. Bluhm

Schulzensuren sind nicht so wichtig

Kein Wunder, dass rund 95 Prozent der Auszubildenden nach bestandener Gesellenprüfung einen Arbeitsvertrag erhalten. „Zur Prüfungsvorbereitung unterstützen wir unsere Auszubildenden im Bedarfsfall“, ergänzt Ausbilder Mark Seeger: „Uns sind Schulzensuren nicht ganz so wichtig, wichtiger ist das Sozialverhalten der jungen Leute.“Denn das Betriebsklima spiele eine große Rolle.

Durchhaltevermögen und Spaß an der Arbeit wichtig

Einen Hauptschulabschluss sollten Bewerber schon vorweisen. „Beim Vorstellungsgespräch fallen dann die Entscheidungen“, sagt Seeger und empfiehlt, im Vorfeld ein Praktikum zu absolvieren. „Schließlich soll kein Mitarbeiter morgens mit einem flauen Gefühl aufstehen, wieder zur Arbeit zu müssen…“ Durchhaltevermögen und Spaß an der Arbeit seien wichtig.

Praktikum war der Anfang

Philipp Schulz hat seinen Realschulabschluss in der Blumläger Schule erreicht und sich danach für eine Kfz-Ausbildung entschlossen. „Nach einem Jahr habe ich aufgehört, denn das hat menschlich nicht gepasst“, skizziert er seine Umorientierung. Durch Empfehlungen aus der Familie bewarb er sich bei Staatz und hat ein kurzes Praktikum absolviert. „Meine Mutter meint, ich sei viel mehr aus mir rausgekommen, seit ich diese Ausbildung mache“, verrät Schulz, der seinen Blick schon wieder auf die Stahlbetonrohre DN 700, auf die widerstandsfähigen grünen PP-Regen- und Schmutzwasserrohre, auf die glasfaserverstärkten grauen Kunststoffrohre 300 GFK und auf die orangefarbenen PVC-Rohre lenkt – seine nächsten Arbeitsmittel. In den sicheren Verbaukörben wird er wieder in der Baugrube in drei Metern Tiefe entsprechende Anschlüsse herstellen. An anderer Stelle wird die Flüssigbodenanlage zur Aufbereitung des Erdaushubs mit Zusatzstoffen eingesetzt werden – ein Gerät, das für Staatz in der Region ein Alleinstellungsmerkmal bedeutet. Seine Zukunftsperspektive? „In der Firma bleiben und Fortbildungen machen. Vorarbeiter, Werkpolier, geprüfter Polier – wer weiß das jetzt schon?“

Nachgefragt bei Kerstin Stammer

Kerstin Stammer ist Bildungsgangsleiter für die Kanalbauer an den Berufsbildenden Schulen Ammerland.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Kanalbauer?

Die vollständige Ausbildung zurm Kanalbauer dauert drei Jahre. Es ist möglich, zunächst in zwei Jahren den Abschluss „Tiefbaufacharbeiter*in mit dem Schwerpunkt Kanalbau“ zu erwerben und dann das dritte Lehrjahr zum Kanalbaugesellen anzuschließen.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?

Es geht darum die praktischen Tätigkeiten mit der dazugehörigen Theorie zu verbinden. Folgende Fragen werden dabei erörtert: Aus welchem Grund werden Baustellen eigentlich abgesichert? Und wann wende ich welche Möglichkeit an? Was muss man beim Einbau eines neuen Schmutzwasserkanals beachten? Hierbei spielen der Umgang mit Bodenarten, Mengenberechnungen und auch Materialkunde eine große Rolle. Was muss getan werden wenn ein Kanal defekt ist? Wie bewege ich das Schmutzwasser eigentlich zur Kläranlage? Und vieles mehr… Unterrichtet wird im Blockunterricht an der BBS Ammerland in Rostrup in der Nähe von Oldenburg (Oldb).

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Im ersten Ausbildungsjahr geht es um die berufliche Grundbildung, im zweiten Ausbildungsjahr erfolgt die berufsspezifische Ausbildung in der ersten Fachstufe mit dem Schwerpunkt Kanalbau. Eine Prüfung findet nach dem zweiten Jahr je nach Vertrag statt: die theoretische und praktische Zwischenprüfung (beim dreijährigen Vertrag) beziehungsweise die theoretische und praktische Prüfung mit dem Abschluss „Tiefbaufacharbeiter – Schwerpunkt Kanalbau“ (beim zweijährigen Vertrag). Im dritten Ausbildungsjahrerfolgt die berufsspezifische Ausbildung im Kanalbau 2. Fachstufe. Zum Schluss findet die Gesellenprüfung mit dem Abschluss „Kanalbauer“ statt.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Jedem, der gerne draußen im Team arbeitet, der Spaß an Technik hat und körperliche Arbeit nicht scheut.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Hervorragend! Auszubildende für den Kanalbau und ausgebildete Kanalbauer werden ständig gesucht.

Die BBS Ammerland ist auch für die Kanalbauer im Landkreis Celle zuständig. Quelle: cz

Von Lothar H. Bluhm

Steckbrief Kanalbauer

Was macht man in diesem Beruf?

Kanalbauer verlegen Rohre aus Beton, Steinzeug, Kunststoff und Metall. Sie bauen Abwassersysteme und ‑leitungen, vom kleinen Hausanschluss bis hin zu großen Abwassersammlern. Hierzu vermessen sie zunächst die Arbeitsstrecke und sichern die Baustelle. Anschließend heben sie Schächte und Gräben aus, legen diese trocken und sichern sie beispielsweise mit Kanaldielen oder Spundwandprofilen ab. Sie verlegen die Rohre und überprüfen deren Dichtheit, um sicherzustellen, dass keine Abwässer ins Grundwasser sickern. Außerdem halten sie Abwassereinrichtungen instand und sanieren alte Rohre.

Wo arbeitet man?

Beschäftigungsbetriebe:

Kanalbauer finden Beschäftigung

• bei Tiefbauunternehmen

• in der Abwasserwirtschaft

• bei Bauämtern

Arbeitsorte:

Kanalbauer arbeiten in erster Linie

• im Freien auf Baustellen

• unterirdisch, zum Beispiel beim Sanieren von Abwasserkanälen

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit Hauptschulabschluss ein.

Worauf kommt es an?

Anforderungen:

• Handwerkliches Geschick (zum Beispiel beim Einbauen von Kanalisationsrohren und ‑bauteilen)

• Auge-Hand-Koordination (zum Beispiel beim Verfüllen und Verdichten von Böden mit Spezialmaschinen)

• Sorgfalt und Umsicht (zum Beispiel beim Abdichten von Abwasserleitungen, beim Ausschachten von Kanalgräben mit Baumaschinen)

Schulfächer:

• Werken/Technik (zum Beispiel für die Arbeit mit verschiedenen Werkzeugen und Geräten; technisches

Zeichnen)

• Mathematik (zum Beispiel für das richtige Einmessen von Rohren und Schächten nach Bauplänen, für

Flächen- und Materialberechnungen)

• Physik (zum Beispiel für das Verständnis der Wirkung von Kräften und Hebelarten)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (je nach Bundesland unterschiedlich):

• 1. Ausbildungsjahr: 805 bis 890 Euro

• 2. Ausbildungsjahr: 1000 bis 1230 Euro

• 3. Ausbildungsjahr: 1210 bis 1495 Euro

Weitere interessante Porträts von Auszubildenden und ihren
Berufen gibt es unter
www.cz.de

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