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Aus dem Landkreis Er steigt gerne aufs Dach
Celler Land Aus dem Landkreis

Ausbildung zum Schornsteinfeger: Kehren, Energieberatung und Glücksbringer

12:54 22.08.2021
Quelle: Lothar H. Bluhm
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Aus dem Landkreis

Nö, Höhe mache ihm nichts aus, sagt André Hesse, und steigt in seinem Kehrkoller, der festen schwarzen Jacke mit den zehn Goldknöpfen, die lange senkrechte Eisenleiter zum Lagerraum hoch, bevor er die provisorische Holzstiege zur schmalen Dachluke erklimmt. „Da kann es für füllige Menschen ziemlich eng werden“, warnt er, bevor er auf dem Dach der Hackschnitzelanlage neben dem Schornstein verschwindet. André Hesse ist 25 Jahre alt und Schornsteinfeger-Auszubildender.

Er hat innerhalb des Kehrbezirkes 102 immer wechselnde Einsatzorte. Vom Einfamilienhaus bis zum Wohnblock, vom landwirtschaftlichen Betrieb bis zum Bungalow. Von Altenhagen, Bostel und Teilen des Hehlentors bis hin nach Lachtehausen, Altencelle, Osterloh und Teilen der Innenstadt.

Bei Schornsteinfegern gibt es schon lange FFP2-Maskenpflicht

Der typische Sutt-Geruch umgibt André Hesse, wenn er die 1,6 Kilogramm schwere Eisenkugel an der Kehrleine über die Schulter wirft. „Wir haben es beim Kehren mit sehr viel Feinstaub zu tun, darum besteht schon lange die Pflicht, eine FFP 2-Maske zu tragen“, sagt der Auszubildende, der sich jeden Morgen auf seinen Job freut, der ihn mitunter hoch hinauf, aber auch in Keller führt. Das ist eine körperlich durchaus anspruchsvolle Tätigkeit.

Muss schwindelfrei sein: Schornsteinfeger-Azubi André Hesse. Quelle: Lothar H. Bluhm

Jetzt hat es Hesse noch näher zu seiner Arbeit, denn er ist an die Jägerstraße umgezogen. In Hitzacker hat er nach seinem Realschulabschluss die Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker absolviert und zwei Jahre in dem Beruf gearbeitet. „Das war nichts auf Dauer“, beurteilt er seine bisherigen beruflichen Perspektiven. Das sei jetzt anders, meint er, denn der Beruf des Schornsteinfegers biete eine ganze Palette an Möglichkeiten.

Im Umweltschutz tätig

„Wir sind für den Umweltschutz tätig“, steht für ihn fest, und sein Ausbilder, der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger Sebastian Kreutzmann, ergänzt: „Ich versuche, Günter Michael als Gesellen und André als Azubi möglichst dicht an die Energieberatung heranzuführen.“ Stichwort Energiewende: Kreutzmann hat 2017 seine Meisterprüfung abgelegt und wurde im vergangenen Jahr von der Stadt Celle zum bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger ernannt. Er beschäftigt vier Mitarbeiter und den Auszubildenden André Hesse. „Es ist absehbar, dass sich unsere bisherige Haupttätigkeit verlagern wird“, sieht Kreutzmann die Entwicklung in seinem Beruf voraus. Das Reinigen von Lüftungsanlagen und der Ausbau von bisherigen Servicetätigkeiten werden kontinuierlich zunehmen. „Darauf sind wir spezialisiert, das bieten wir an.“ Die Schulbildung und die Ausbildungsinhalte für diesen Bereich würden ständig steigen. „Wir praktizieren das ja auch schon.“

Seit er sechs Jahre alt war, sei er schon in der Feuerwehr: „Erst Kinderwehr, dann Jugendwehr und dann die richtige Feuerwehr. Dadurch habe ich schon lange eine enge Verbindung zu Feuer, Brandbekämpfung, vorbeugendem Brandschutz und Feuerstätten“, schildert Hesse, wie er zu seinem zweiten Beruf kam: „Darum steht es für mich fest, dass ich mich demnächst bei der Freiwilligen Feuerwehr in Celle melden werde.“

Privatsphäre der Kunden achten

„Das ist doch alles spannend und sehr umfangreich“, findet André Hesse, der während seines Jobs mit seinem Kollegen die einzelnen Tätigkeiten lernt und zu selbstständigem Arbeiten angehalten wird. „Dazu gehört auch der Umgang mit unseren Kunden“, sagt Michael. Während der Berufsausübung erlauben ihnen die Kunden, in Bereiche zu schauen, wo sonst niemand anderes hinkommt. Das reiche vom gut gefüllten Vorratskeller über die Heizungsräume bis zum Dachboden, der allzu häufig als Abstellfläche genutzt werde.

Wenn Hesse eine berufliche Perspektive entwickelt, sieht er sich nach der Gesellenprüfung recht früh auf der Meisterschule. Er möchte sich gern schwerpunktmäßig als Energieberater qualifizieren. Von einer raschen Selbstständigkeit will er vorerst absehen, lieber zunächst Erfahrungen sammeln.

Schön findet er, wenn dann doch immer wieder mal Menschen auf ihn zukommen und in ihm als Schornsteinfeger einen Glücksbringer sehen, dem man auf die Schulter tippen muss. „Das ist so die Tradition – und damit kann ich sehr gut leben. Wenn’s nützt…“

Von Lothar H. Bluhm

Schornsteinfeger

Was macht man?

Schornsteinfeger überprüfen Heizungs-, Abgas- und Lüftungsanlagen sowie ähnliche Einrichtungen auf ihre Betriebs- und Brandsicherheit. Dabei richten sie sich nach bau- und umweltschutzrechtlichen Vorgaben und ermitteln Energieeinsparpotenziale. Schornsteinfeger/innen reinigen Feuerungsanlagen und Rauchableitungen und entfernen Ablagerungen aus Lüftungsanlagen. Außerdem führen sie Feuerstätten- und Brandverhütungsschauen sowie Immissionsschutzmessungen durch,

veranlassen die Beseitigung vorgefundener Mängel und dokumentieren ihre Mess-, Prüf- und Arbeitsergebnisse. Auch die Kundenberatung gehört zu ihren Aufgaben. Dabei beantworten sie etwa Fragen zu Energieeffizienz, Brandschutz und Klimaschutz. Darüber hinaus sind Schornsteinfeger an baurechtlichen Prüfungen und Begutachtungen beteiligt.

Wo arbeitet man?

• in Betrieben des Schornsteinfegerhandwerks

• in Energieberatungsunternehmen

Arbeitsorte:

• beim Kunden vor Ort, zum Beispiel an Heizungs- und Lüftungsanlagen

• im Freien auf Dächern

• in Büroräumen

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?

• Handwerkliches Geschick, Umsicht und Körperbeherrschung (zum Beispiel Schornsteine und Kamine reinigen, Arbeit in größeren Höhen)

• Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein (zum Beispiel beim Prüfen von Rauchgasanlagen, bei der Beachtung der Emissionsschutzbestimmungen)

• Kundenorientierung (zum Beispiel bei der Kundenberatung)

• Lernbereitschaft (zum Beispiel sich über neue rechtliche Vorgaben des Brandschutzes oder des Umweltund Klimaschutzes auf dem Laufenden halten)

Wichtige Schulfächer:

• Physik/Chemie (zum Beispiel für das Messen und Beurteilen von Abgasen und Verbrennungsrückständen

an Feuerungsanlagen)

• Mathematik (zum Beispiel beim Erstellen von Arbeits-, Mess- und Prüfberichten)

• Werken/Technik (zum Beispiel für das Lesen und Verstehen technischer Unterlagen; technisches Zeichnen)

• Deutsch (zum Beispiel für die Beratung von Kunden in feuerungstechnischen Fragen)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:

• 1. Ausbildungsjahr: 640 Euro

• 2. Ausbildungsjahr: 710 Euro

• 3. Ausbildungsjahr: 810 Euro

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