Zahlen steigen nicht mehr

Die ersten Ukraine-Flüchtlinge kehren zurück

Seit Anfang Mai kommen kaum noch Flüchtlinge aus der Ukraine in den Kreis Celle. Die ersten kehren sogar in ihre Heimat zurück.

  • Von Simon Ziegler
  • 27. Mai 2022 | 15:59 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 27. Mai 2022 | 15:59 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Eine Mutter und ihre zwei Kinder im Kita-Alter sind bereits wieder in ihr Land zurückgekehrt. "Sie kommen aus der Westukraine, aus einer Stadt nahe der polnischen Grenze", sagt Holger Lüning, Flüchtlingsbetreuer in der Samtgemeinde Wathlingen. Die drei waren in einer Unterkunft in Adelheidsdorf untergebracht. Vergangene Woche hätten sie sich zur Rückkehr in die Heimat entschieden. Warum, ist im Detail nicht bekannt. Fakt ist, dass sich die Kämpfe seit einiger Zeit auf den Donbass in der Ostukraine konzentrieren, so dass es manche Ukrainerinnen und Ukrainer wagen, zum Beispiel nach Kiew zurückzukehren.

Flüchtlingszahlen stagnieren

Bisher sind es aber lediglich einzelne Flüchtlinge, die trotz des Krieges aus dem Kreis Celle wieder in ihre Heimat zurückgehen. Indes kommen seit Anfang Mai kaum noch Menschen aus der Ukraine in den Kreis Celle. Nach Landkreis-Angaben sind im Moment etwa 1100 Menschen in den Landkreis-Kommunen untergebracht. Dazu kommen etwa 700 Ukrainer, die im Celler Stadtgebiet leben.

192 Ukrainer in Samtgemeinde Wathlingen

Dass die Zahlen stagnieren, liegt daran, dass erstens viel weniger Menschen fliehen als vor einigen Wochen und zweitens der Landkreis seine Quote übererfüllt hat, heißt es in den Rathäusern. Die Belastung vor Ort bleibt dennoch hoch. In der Samtgemeinde Wathlingen sind derzeit 192 Ukrainer und Ukrainerinnen untergebracht. Dazu kommen die anderen Flüchtlinge aus Afghanistan, Irak, Syrien und weiteren Ländern. "Wir haben momentan insgesamt fast 500 Flüchtlinge", sagt Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Sommer, "das ist echt eine Hausnummer".

Landrat im Kess Nienhagen

Somit bleibt der Druck auf die Verwaltungen und die ehrenamtlichen Helfer groß. Es geht bei den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine nach wie vor um ihre Unterbringung, um Sprachkurse, um die Integration in Spielkreisen, Kindertagesstätten und Schulen. Sommer sagt, dass mehr als 20 Ehrenamtliche Deutsch-Kurse anbieten, etwa im Kess Familienzentrum in Nienhagen. Dort hatte sich Landrat Axel Flader am Mittwoch ein Bild vor Ort gemacht und sich mit rund 30 Ukrainerinnen und Ukrainern getroffen.

Hilfe im Behörden-Dschungel

Derzeit sind die Verwaltungen in vielen Fällen damit beschäftigt, "den Rechtskreiswechsel zu organisieren", wie es im Amtsdeutsch heißt. Dabei geht es um Zuständigkeiten im Behörden-Dschungel. Damit die Flüchtlinge bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt werden, müssen sie vom Asylbewerberleistungsgesetz, für das die Kommunen zuständig sind, in das Sozialgesetzbuch II wechseln und damit in die Verantwortung des Jobcenters.

Vorsichtige Erleichterung in Kommunen

Auch wenn der Arbeitsaufwand hoch bleibt, macht sich vor Ort eine gewisse Erleichterung breit, dass es nicht noch mehr Schutzsuchende sind, die innerhalb kurzer Zeit in den Kreis Celle kommen. "Wir hatten mit deutlich zunehmenden Zahlen gerechnet", sagt etwa Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann. In der Erdöl-Gemeinde haben "seit zwei, drei Wochen" keine Menschen mehr Zuflucht gesucht. Nach Landkreis-Angaben sind offiziell derzeit 55 Ukrainerinnen und Ukrainer in Wietze und seinen Ortsteilen gemeldet.

"Jüngere wollen sich hier etwas aufbauen"

In Hambühren leben derzeit 90 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Die ersten sind wenige Tage nach Beginn von Putins Angriffskrieg am 24. Februar in Hambühren, Ovelgönne und Oldau angekommen. Bürgermeister Carsten Kranz beobachtet, dass vor allem die Älteren möglichst schnell wieder zurückkehren wollen. "Die Jüngeren neigen dazu, sich vielleicht hier etwas aufbauen zu wollen", sagt er. Diese Entwicklung bleibt abzuwarten. Wathlingens Verwaltungschefin Sommer betont: "Wenn es irgendwie geht, wollen die Leute in ihr Land zurückkehren – am liebsten gestern."