Alt, weiß, männlich?

Frauenanteil und Altersstruktur bei Kreiswahl

Am 12. September wählt Celle seinen Kreistag. Bleibt das Gremium eine Herrenrunde oder steht ein Umschwung an? So sind die Parteien aufgestellt.

  • Von Benjamin Behrens
  • 09. Sep 2021 | 20:05 Uhr
  • 09. Jun 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 09. Sep 2021 | 20:05 Uhr
  • 09. Jun 2022
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Celle.

Wie haben sich die Celler Parteien zur Kommunalwahl aufgestellt. Dieser Frage sind wir exemplarisch im Hinblick auf den Kreistag nachgegangen.

Dass es Celles jüngste Kreistagskandidatin Kira Müller (Grüne) auch deshalb in das Gremium zieht, weil die 18-Jährige Sprachrohr der Jugend sein will und sich mehr Frauen in der Politik wünscht , war Thema des ersten Artikels. Nun geht es im zweiten Teil an die Analyse der Zahlen: Wie ist die Lokalpolitik bei Altersstruktur und Geschlechterverteilung aufgestellt?

442 Bewerber verteilt auf fünf Wahlbereiche

442 Kandidatinnen und Kandidaten finden sich in der Liste zugelassener Kreistags-Bewerber. 127 unter ihnen sind Frauen, 315 Männer. Demzufolge haben Frauen einen Anteil von 28,73 Prozent, Männer machen 71,26 Prozent aus, das Durchschnittsalter liegt bei 53,18 Jahren.

CDU-Kreisvorsitzender Otte zu Frauenanteil: "Müssen uns nicht verstecken"

Die CDU-Wahlvorschläge haben einen Frauenanteil von 28,37 Prozent gegenüber 71,26 Prozent Männern, das Durchschnittsalter für das Bewerberfeld ist 53,51 Jahre.

„Wir freuen uns über die Kandidatinnen, das sind ja fast 30 Prozent. Insgesamt haben wir auch viele junge Frauen, die kandidieren“, sagt CDU-Kreisvorsitzender Henning Otte. „Wir müssen uns nicht verstecken. Es ist immer noch eine Herausforderung, Familie und ein Ehrenamt übereinzubringen“, so Otte.

Sozialdemokraten "sehr zufrieden" mit Kandidatenfeld

Die SPD hat auf den Listen einen Frauenanteil von 30,98 Prozent gegenüber 69,01 Prozent männlichen Bewerbern. Im Schnitt ist ein Kandidat 51,6 Jahre alt.

„Wir haben eine verbindliche Quote im Unterschied zu anderen Parteien. Das bedeutet unter anderem, dass wir mindestens 40 Prozent der Spitzenkandidaturen der Wahlbereiche mit Frauen besetzen“, so Maximilian Schmidt, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Celle. „Auf den folgenden Spitzenplätzen haben wir das Reißverschlussprinzip“, erläutert Schmidt das Modell, bei dem sich Frauen und Männer abwechseln. „Es war uns wichtig, ein breites Angebot zu machen. Wir haben auch versucht, dass wir eine gute Mischung aus jüngeren und erfahrenen Kandidaten haben. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Listenaufstellung.“

Wählergemeinschaft setzt auf Sachpolitik

Die Wählergemeinschaft Celle (WG) hat einen Frauenanteil von 23,63 Prozent, 76,36 Prozent sind Männer. Altersschnitt: 56,47 Jahre.

„Je weiter die politische Richtung nach links geht, desto höher ist der Frauenanteil im Vergleich zu den konservativen Kräften. Wir sind eine Kraft der Mitte, weil wir immer Sachpolitik machen. Eine Links- oder Rechtsausrichtung ist da ziemlich egal“, ordnet WG-Vorsitzender Thorsten Schoeps das Kandidatenfeld seiner Partei ein. „Wenn es um den Stadtrat geht, haben wir eine 40-Prozent-Quote“ so Schoeps. Und für den Kreistag? „Ich habe unsere Spitzenfrauen gefragt, ob sie an die Spitze für den Kreistag wollen: Sie wollten nicht.“

Grüne: "Wir sind gut aufgestellt"

Grüne-Kreiswahlkandidaten sind zu 41,93 Prozent weiblich und zu 58,06 Prozent männlich – einer der höchsten Frauenanteile in der Parteienlandschaft. 52,8 Jahre beträgt das Durchschnittsalter. Marlies Petersen, Kreisvorsitzende der Grünen, sieht das Bewerberfeld gut aufgestellt. „Wir haben darauf geachtet, dass wir alternierend sind in den Spitzenpositionen. Natürlich haben wir auch darauf geachtet, dass die Ortschaften vertreten sind. Natürlich gibt es die eine oder andere Frau, die zögerlich war, in einem Wahlbereich sich für die Kreisliste auf eine Spitze stellen zu lassen, weil sie in einer Gemeinde auf der Spitze steht und nicht zwei Spitzenpositionen haben möchte“, so Petersen. „Das Alter ist gut durchmischt – dadurch, dass die jüngeren Kandidaten auch in den Spitzenpositionen sind. Da sind wir gut aufgestellt“, ist sich Petersen sicher.

FDP wünscht sich mehr Frauen in der Politik

Die FDP bringt es auf einen Frauenanteil von 15,49 Prozent, mit 84,50 Prozent überwiegen die Männer klar. „Ich bin superfroh darüber, dass wir überhaupt elf Frauen auf den Listen haben. Es ist schwer für Parteien, Frauen für die Politik zu aktivieren, wir haben in allen Bereichen Frauen, die kandidieren. Darüber bin ich sehr glücklich“, sagt FDP-Kreisvorsitzender Robert Kudrass. „Wir brauchen Frauen in der Politik. Als relativ kleine Partei versuchen wir sie auch so zu positionieren, dass da die Chance besteht, dass sie in politische Verantwortung kommen“, betont Kudrass.