Alpha E vor dem Aus?

Neue Bahntrasse durch den Landkreis Celle?

War alles für die Katz? Der Kompromiss Alpha E steht vor dem Aus. Eine neue Bahntrasse durch den Landkreis Celle wird anscheinend favorisiert.

  • Von Christopher Menge
  • 26. Mai 2022 | 17:20 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Christopher Menge
  • 26. Mai 2022 | 17:20 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Seine Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten: In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurde der Berger Christian Böker vom Aktionsbündnis gegen Trassenneubau nicht müde, davor zu warnen, dass die Deutsche Bahn am Kompromiss des Dialogforums Schiene Nord 2015 in Celle vorbeiplane . Nun sorgt die Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs und Beauftragten der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Michael Theurer, auf ein Schreiben von Bürgermeistern, Landräten und Bundestagsabgeordneten aus der Region für neue Aufregung. "Die Antwort aus dem Bundesverkehrsministerium ist enttäuschend: Der Bestandsausbau der Bahnstrecke Hamburg–Hannover wird offensichtlich nicht mehr weiterverfolgt", heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises Uelzen. Alle in der Antwort genannten Alternativen würden auf Neubaustrecken hinauslaufen. „Das führt zu Frust bei den Bürgerinitiativen und Menschen vor Ort, die sich im Dialogforum engagiert und auf die Umsetzung des Ergebnisses vertrauen durften“, so Landrat Heiko Blume. Konkret bedeuteten die Pläne eine neue Bahntrasse durch das Celler Kreisgebiet – entgegen der Beschlüsse von 2015.

Landrat Flader erinnert an Beschlüsse des Dialogforums Schiene Nord

Im Kern geht es um die Frage, ob im Dreieck Bremen-Hamburg-Hannover die Bestandsstrecken ausgebaut oder eine Neubaustrecke präferiert wird. „Für den Landkreis und mich als Landrat gelten die Beschlüsse des Dialogforums Schiene Nord", sagt der Celler Axel Flader und erinnert die Bundesregierung damit an die Beschlüsse des Forums. „Nach einem aufwendigen Beratungsprozess aller beteiligten Akteurinnen und Akteure wurde die Variante Alpha E, also der Ausbau der Bestandsstrecken, beschlossen." Dies sei auch von der damaligen Landesregierung, allen voran vom damaligen Wirtschaftsminister unterstützt und befürwortet worden, genauso wie vom damaligen Staatssekretär im Bundesministerium.

Bahntrasse durch den Landkreis Celle?

„Keinesfalls würde ich eine Variante gutheißen, die eine Trassenführung entlang der A7 oder womöglich quer durch den Landkreis Celle vorsieht. Dies ist aus naturschutzfachlicher Sicht ohnehin sehr schwierig. Ich fordere die Bundesregierung auf, sich an die vorliegenden Beschlüsse zu halten und möchte gleichzeitig die Landesregierung ermutigen, sich ebenfalls konsequent für die Alpha-E-Variante einzusetzen", so der Celler Landrat.

Alpha E sieht Ausbau der Bestandsstrecken vor und Schallschutz

Auch der Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte erinnert an das Abschlussdokument von 2015, auf das sich Bürgerinitiativen, Politik und Deutsche Bahn geeinigt hatten: "Der Bundestag hat das Alpha E im Bundesverkehrswegeplan beschlossen, ebenso gibt es einen einstimmigen Beschluss des Niedersächsischen Landtages."

Deutschlandtakt: Will Deutsche Bahn Alpha E aushebeln?

Das Schienenprojekt Alpha E sieht vor allem den Ausbau der Bestandsstrecken mit erhöhtem Schallschutz vor. Daher sei es für ihn besonders ärgerlich, dass die Deutsche Bahn offensichtlich das Projekt „Deutschlandtakt“ nutze, um Alpha E auszuhebeln, so Otte: „Alpha E ist geplant worden, um den Hafenhinterlandverkehr zwischen Bremen/Hamburg und Hannover auszubauen und mehr Güter auf die Schiene zu bekommen." "Dafür wurde der Bestandsausbau vom Dialogforum als beste Variante angesehen und der Beschluss genauso von der Bahn mitgetragen." Dementsprechend müsse nun auch die Planung für dieses Projekt umgesetzt werden.

"Der Bundesverkehrsminister ist aufgefordert, eine Beschlussvorlage für den Bundestag zu erarbeiten, die den Forumsbeschluss gewährleistet", so der Bundestagsabgeordnete in Richtung Bundesregierung. "Ich fordere die Bahn auf, dass sie den bereits gefundenen breiten Konsens mitträgt und zum Dialogforum steht. Eine Abkehr davon würde viel Verdruss und auch politische Gegenwehr von mir als Abgeordneter erzeugen", so Otte.

Aktionsbündnis gegen Trassenneubau fordert, dass sich Region gemeinsam wehrt

Unterdessen fühlt sich Christian Böker, der Mitglied des Projektbeirates Alpha E ist, in seinen Befürchtungen bestätigt: "Diese A7-Trasse bedeutet für die Städte Lüneburg, Uelzen und Celle einen Verlust an Zugang zum schnellen Personenfernverkehr. " Stattdessen werde es mehr Güterverkehr auf der Bestandstrecke ohne zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen geben: "Dagegen muss sich die Region jetzt gemeinsam wehren. Keine Kommune und keine Bürgerinitiative kann das allein", so der Berger.