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Aus dem Landkreis Alkoholkonsumverbot im Zug kommt gut an
Celler Land Aus dem Landkreis Alkoholkonsumverbot im Zug kommt gut an
14:05 13.06.2010
Landkreis Celle

„Vorher wurde rumgepöbelt, gedroht und bedroht“, sagt Tatjana Festerling. Dieses Verhalten einer Minderheit der Fahrgäste zulasten Mitreisender und der Fahrgastbetreuer in den Zügen der Metronom Eisenbahngesellschaft ist mit den veränderten Beförderungsbedingungen stark zurückgegangen. Das seit dem 15. November geltende Alkoholkonsumverbot in den Züge bezeichnet die Pressesprecherin des in Uelzen ansässigen Nahverkehrsunternehmens deshalb als „wichtigste präventive Maßnahme“.

Schon Wochen vor dem 15. November wurden die Reisenden auf die Veränderungen aufmerksam gemacht, per Lautsprecherdurchsagen und mit Aufklebern in den Zügen. „Wir haben 6000 Piktogramme in den Zügen verklebt“, sagt Festerling. Mit dem Stichdatum Mitte November begann die weiche Phase der Umsetzung: Fahrgäste, die beim Trinken von Alkohol in den Zügen erwischt wurden, erhielten die gelbe Karte, auf der die veränderten Beförderungsbedingungen einschließlich der Vertragsstrafen aufgeführt sind.

Seit dem 1. Dezember wird durchgegriffen. Wer erwischt wird, zahlt 40 Euro. 522 Mal wurde diese Summe im Dezember fällig, bei durchschnittlich 80000 Fahrgästen täglich nach Ansicht von Festerling eine geringe Quote.

Geändert wurde in den Beförderungsbedingungen auch der Umgang mit Traglasten. Danach sind Großgebinde wie Bierkästen oder Bierfässer wie Koffer an den Enden der Waggons zu verstauen. „Ein Sixpack zählt zum Handgepäck“, klärt Festerling auf. Eine offene Bierflasche habe auf dem Tischchen vor dem Sitz aber nichts verloren. Setzt sich ein Reisender über die Regelung hinweg, kann er von der Beförderung ausgeschlossen werden. Das Hausrecht kann im Namen der Metronom-Eisenbahngesellschaft auch vom Sicherheitsdienst ausgesprochen werden, der vor allem an Bundesliga-Wochenenden in den Zügen präsent ist.

Nach Beobachtungen der Eisenbahngesellschaft verkneifen sich normale Berufspendler, die früher ihr Feierabendbier im Zug genossen, das Getränk oder sind auf alkoholfreies Bier umgestiegen. Das sei auch bei Fußballfans beobachtet worden. Die hätten hochgerechnet, dass es für 40 Euro viel Bier gibt, meint Festerling.

Die Beförderung alkoholisierter Personen ist durch die neuen Bedingungen nicht ausgeschlossen. „Wir freuen uns über jeden Fahrgast, der sein Auto stehen lässt“, sagt die Pressesprecherin. Akzeptanz für die neue Regelung gibt es bei Reisenden, die am Wochenende das Niedersachsenticket nutzen, und auch bei normalen Fußballfans. Mit Hooligans, mit so genannten Ultras, mit Konfliktsuchenden, die unter dem Deckmantel „Fußballfan“ reisen, gibt es Probleme. „Mit solchen Menschen werden wir es auch künftig zu tun haben“, sagt Festerling. „Wir nehmen das nicht einfach so hin.“ Da sei aber auch die Politik gefordert. Wo früher nur der allgemeine Appell galt wird heute nach Festerlings Angaben konsequent jeder angesprochen.

Sie nennt noch zwei positive Nebenaspekte des Alkoholkonsumverbots: Die Zahl der Straftaten in den Zügen – zum Beispiel Sachbeschädigungen oder Innen-Graffiti – ist im Dezember gegenüber dem Vorjahresmonat um 33 Prozent zurückgegangen. Und das Müllaufkommen ist drastisch gesunken. Waren früher an Fußball-Wochenenden in einem Zug bis zu 25 prall mit Flaschen und Dosen gefüllte Müllsäcke zu entsorgen, sind die Hinterlassenschaften heute kaum noch der Rede wert. Die Reinigungskräfte würden schon murren, weil ihnen die Nebeneinnahme Pfand fehle.

Von Joachim Gries