In Wietzenbruch

Celle war Teil der Afghanistan-Luftbrücke

Der Heeresflugplatz Celle wurde während des Abzugs aus Afghanistan kurzfristig zu einem Bereitstellungsraum für Reservekräfte der Bundeswehr.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 05. Sept. 2021 | 16:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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  • 05. Sept. 2021 | 16:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

In der alten Luftfahrzeughalle stehen Feldbetten hintereinander und nebeneinander – alle in sauberen Reihen. Darauf Schlafsäcke, darunter Rucksäcke; überall sind Kleidung und Ausrüstung verstaut. Die Soldaten können den Tower und die knapp zwei Kilometer Landebahn sehen. Sie wissen, dass es jederzeit losgehen kann – dass die Evakuierungsmission in Kabul läuft.

Nur wenige Tage für Evakuierung

Als der 31. August als ultimativ letztes Datum für Evakuierungsflüge feststand, wurde die Zeit knapp für viele Afghanen, die in den vergangenen beiden Jahrzehnten den Wandel ihres Landes voranbringen wollten. Es blieben nur wenige Tage für die Evakuierung von Mitarbeitern und Ortskräften über den letzten verbliebenen Flugplatz in Kabul. In diesen wenigen Tagen stand binnen kurzer Zeit die Luftbrücke – es galt, so viele Menschen wie möglich in Sicherheit zu bringen. Auch Celle spielte dabei eine Rolle.

Logistik ist komplex

Die Logistik hinter einer solchen Luftbrücke ist komplex und in einer Situation, die jederzeit zur Krise werden kann, müssen viele mögliche Szenarien bedacht werden. In jedem davon müssen auf allen nötigen Strängen zum Zeitpunkt der Aktivierung sofort alle Räder ineinandergreifen und reibungslos laufen. Wenn die Lage im Einsatzland sich verschärft, wird möglicherweise sehr kurzfristig Verstärkung gebraucht.

Als Verband jederzeit weltweit einsatzbereit zu sein, verlangt ein hohes Maß an Professionalität und setzt viel Übung voraus. Um diese Kräfte bei Bedarf schnell verlegen zu können, wurde auf dem Heeresflugplatz Celle in Wietzenbruch kurzfristig ein Bereitstellungsraum für Reservekräfte der Division Schnelle Kräfte (DSK) eingerichtet.

Ohne viel Vorlauf

„Es war praktisch ein ,Kaltstart‘, denn das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit war noch in der Sperrzeit, viele Soldaten sind aus dem Urlaub in den Dienst zurückgerufen worden", erklärt der Kommandeur des Ausbildungs- und Übungszentrum, Oberst Jörn Rohmann. "Sie haben ohne viel Vorlauf in Celle den Bereitstellungsraum für Kräfte des Einsatzverbandes gebildet.“

In gewisser Weise schließt sich damit ein Kreis, denn vor über 70 Jahren wurde im Zuge der Berliner Luftbrücke der Celler Flugplatz ausgebaut – Infrastruktur, die das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit heute für die Ausbildung luftbeweglicher Operationen nutzt. „Von der ersten Stunde an war die Division Schnelle Kräfte der Hauptnutzer des Ausbildungs- und Übungszentrums, seit 2016 sind regelmäßig Kräfte für Übung und Ausbildung in Celle“, so Rohmann.

"Soldaten können sich hier auch vorbereiten"

Diesmal war die Division Schnelle Kräfte jedoch nicht zum Üben auf dem Flugplatz. Um 170 Soldaten Reservekräfte im Bereitstellungsraum Celle aufzunehmen, wurden in einer der Luftfahrzeughallen kurzfristig Feldbetten aufgebaut, Sanitärcontainer installiert und der Bereich aus dem Flugbetriebsbereich ausgegliedert. In einem nahen Gebäude gab es Räume für einen Gefechtsstand und im Stabsgebäude wurde für die Führung und Steuerung von Logistik, Sanitätskräften, Militärischer Sicherheit und Abschirmung, Führungsunterstützung, Ausbildung und Betreuung für knapp zwei Wochen ein Gefechtsstand betrieben. „Jeder Tag kann bedeuten, dass sofort Verstärkung nach vorn gebracht oder Kräfte aus dem Einsatz aufgenommen werden. In Celle warten Fallschirmjäger, Luftlandekräfte, Sanitäter und eine Reihe weiterer Truppen“, erläutert Oberst Rohmann. Er ist stolz, mit seinem Verband die DSK in der größten Evakuierungsoperation der Bundeswehr unterstützen zu können: „Hier in Celle können die Soldaten nicht nur versorgt werden, sondern sich bei Bedarf auch auf die einzigartige Ausbildungsinfrastruktur abstützen, um sich weiter vorzubereiten.“

Platz für mehr Kräfte

Nach den Anschlägen des IS schloss sich das ohnehin knappe Zeitfenster noch schneller und viele Soldaten mussten aus dem Einsatzland geholt werden. Nach der Ankunft in Wunstorf wurde ein Ort gebraucht, an dem dieses sogenannte Redeployment stattfinden konnte. „Die Infrastruktur mit dem voll einsatzbereiten Flugplatz und der guten Anbindung in Verbindung mit professionellen und flexiblen Personal machen das hier in Celle möglich“, betont Jörn Rohmann. „Wir hätten mehr Kräfte aufnehmen können. Die zurückkehrenden Soldaten konnten jedoch noch in der Nacht der Ankunft schnell auf den Weg in ihre Heimatstandorte geschickt werden.“

Von Andrea Neuer

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